Ein Rummenigge in Emsdetten

22.06.2026

Fußballschule des Ex-Profis gastierte erneut bei Borussia / Kennen die Kids ihn überhaupt?

EMSDETTEN. Zwischen all den Jungen und Mädchen auf dem Hauptplatz des Walter-Steinkühler-Stadions wuselt ein Mann herum, der mal dort war, wo viele Kids hinwollen. Ganz oben. Profifußballer. Nationalspieler. Aber wissen die Kleinen mit seinem Namen überhaupt etwas anzufangen? „Wenig“, antwortet der 62-Jährige lachend, „wenn sie fragen, sage ich ihnen immer, sie sollen bei Youtube mal die Stichworte ,Michael Rummenigge‘ und ‚Tore‘ eingeben.“ Dann gibt‘s einiges zu sehen!

Auch nach dem Karriere-Ende 1996 blieb er seinem Sport treu, betreibt unter anderem die „Michael Rummenigge Fußballschule“. Die gastierte an diesem Wochenende zum wiederholten Male bei Borussia Emsdetten. 91 Teilnehmer zwischen 4 und 14 Jahren wurden altersgerecht aufgeteilt in sechs Teams, die alle ihren eigenen Trainer bekamen. „Wir wollen die Gruppen bewusst klein halten, damit wir auf jedes einzelne Kind besser eingehen können“, erklärte Rummenigge.

Gefragt nach dem Mehrwert seines dreitägigen Fußballcamps gegenüber dem normalen Trainingsalltag, nannte er als Beispiel: „Wir machen alles mit Ball, auch das Aufwärmen.“ Der Spaß, der Event-Charakter stehe im Vordergrund. Das wurde besonders bei den Abschluss-Turnieren am Sonntagmittag deutlich: Es ging um den großen WM-Pokal! Und zwar stimmungsvoll und detailverliebt. Die Mannschaften traten als Deutschland, Brasilien, Spanien oder Argentinien an, vor den Endspielen standen sie aufgereiht nebeneinander, die jeweilige Nationalhymne ertönte, Wimpel wurden getauscht. Es folgte Hochspannung auf den Kleinfeldern: Die Sieger bei den Jüngsten (Spanien), bei den Mittleren (Brasilien) und bei den Ältesten (Spanien) standen jeweils erst nach Elferschießen fest. Hier riesiger Jubel – dort einige Tränen. „Gehört im Fußball auch dazu“, meinte Rummenigge lächelnd.

Beim Blick durch Borussias Stadion sagte er: „Top Anlage. Erinnert mich an Borussia Lippstadt.“ Dort, bei seinem Heimatverein, hatte seine Laufbahn einst begonnen, sie führte ihn zu mehreren Deutschen Meisterschaften und DFB-Pokal-Siegen bei Bayern München und Borussia Dortmund. In Emsdetten gefielen ihm aber nicht nur die Trainingsbedingungen. „Es läuft alles reibungslos, der ganze Verein hilft mit, verkauft Kuchen und Wurst, macht eine Tombola und tut so etwas für die Vereinskasse. Eine Win-win-Situation.“

Der Rummenigge-Tross übernachtete von Freitag bis Sonntag im Hotel Wefers. Am Samstagabend schauten sie gemeinsam mit vielen Borussen in der Gaststätte „Diekhues Hoff“ das deutsche WM-Spiel gegen die Elfenbeinküste. „Da herrschte tolle Stimmung. Im Spiel hatten wir aber viel Glück“, sagt Rummenigge über den 2:1-Sieg. Was traut er Deutschland im Turnier zu? „Mit dem Viertelfinale wäre ich zufrieden. Klar, der Titel wäre toll. Er gäbe richtig Schwung, alle, die hier mit Fußball zu tun haben, würden davon profitieren.“

Was er sich ebenfalls wünscht: Mehr Spannung in der Bundesliga. Dass die Bayern Jahr für Jahr dominieren, „dafür kannst du ihnen keinen Vorwurf machen. Wir müssen aber insgesamt wieder mehr Niveau reinbringen. Das geht nur durch Investoren.“ Deshalb brauche es ein Ende der 51:49-Regel, die sicherstellen soll, dass stets der Mutterverein die Stimmenmehrheit behält. „Den Einfluss von Investoren kann man auf andere Weise begrenzen.“

Mehr Fotos von Michael Rummenigges Fußballschule bei Borussia finden Sie bei uns auf ev-online.de

img-1370