So cool war die „coole Socke“ nicht

19.06.2026

Fußball: Borussias Frauentrainer Birger Röber spricht über das emotionale Ende seiner Karriere

EMSDETTEN. „Coole Socke“ steht auf dem T-Shirt von Birger Röber. Wie viele Tränen hat die coole Socke an diesem Pfingstmontag denn vergossen? „Nach außen hin einige, nach innen hin noch viel mehr. Ich habe versucht, mich zusammenzureißen“, erzählt der 59-Jährige.

Der 25. Mai war für Röber ein besonderer Tag. Letztes Heimspiel mit Borussia Emsdetten in der Frauen-Landesliga. Für den Trainer war es gleichzeitig das letzte Heimspiel seiner Karriere; er hört auf. Bei der Verabschiedung wurde es emotional. Röber trug ein Udo-Lindenberg-Oberteil, seit seinem 6. Lebensjahr ist er Fan der Rock-Legende. „Das Shirt sollte mir Halt geben“, sagt er, „ich habe aber große Probleme gehabt. Mir wurde klar: Birger, das alles wird dir fehlen. Auf dem Hauptplatz zu spielen, die tolle Stimmung. Ich liebe dieses Stadion.“

Seine vierjährige Borussia-Zeit ging dann sechs Tage später endgültig zu Ende. Ebenfalls tränenreich. „Vor dem letzten Saisonspiel bei Langenhorst-Welbergen habe ich versucht, eine normale Kabinen-Ansprache zu halten. Die Mädels haben mich unterbrochen und gefragt, ob mir eigentlich klar sei, dass es heute mein 100. Meisterschaftsspiel für Borussia ist. Dass sie das überhaupt wussten...“, wundert er sich. „In dem Moment war es vorbei. Ich hab meinen Taktik-Zettel zur Seite gelegt und über alles andere geredet, nur nicht über das Spiel. Ich habe mich für alles bedankt, für die schöne Zeit, für den respektvollen Umgang miteinander.“

Aufgewachsen ist Röber in Recke, beim dortigen TuS begann er mit Fußball, war lange Außenverteidiger. Mit 29 Jahren zog er „der Liebe wegen“ nach Mettingen, wo er noch heute lebt. Hier, bei der Eintracht, wechselte er damals ins zentrale Mittelfeld. Seine höchste Spielklasse als Senior war die Bezirksliga.

Als Trainer ging es höher hinaus. Doch es fing klein an. Röber (eine Tochter, zwei Söhne) brachte bei Eintracht Mettingen eines seiner Kinder zum Training der Minikicker. Eines Tages fragte ihn der Coach, ob er Zeit habe, die Einheit zu leiten. „Beim nächsten Mal meinte er, er hätte gehört, dass ich es gut gemacht habe. Und ob ich es mir noch mal vorstellen könne.“ Konnte er. In den folgenden Jahren coachte Röber in Mettingen mehrere Jungen-Teams, bildete sich bei Lehrgängen weiter. Als der B-Lizenz-Inhaber eine weibliche Tecklenburger Kreisauswahl trainierte, wurde Arminia Ibbenbüren auf ihn aufmerksam. 2016 übernahm er deren B-Mädels, baute in der U17-Regionalliga ein Erfolgsteam auf. 2018 dann ein Intermezzo bei Mettingens 2. Männer-Mannschaft (Kreisliga A). „Das lief aber aus unterschiedlichen Gründen nicht so gut. Nach einem halben Jahr habe ich aufgehört.“ Es folgte die Rückkehr zu Ibbenbürens B-Juniorinnen, die inzwischen in die U17-Bundesliga aufgestiegen waren. 2022 der Abschied und der Wechsel zu Borussia Emsdettens Landesliga-Damen.

„Als Mann 24 Frauen zu trainieren – stellt euch das mal nicht so einfach vor“, sagt er. „Du brauchst eine gewisse Art der Kommunikation. Keine Kommunikation ist das Todesurteil, zu viel Kommunikation kann dich auch den Kopf kosten.“ Er habe den goldenen Mittelweg sicher nicht immer hinbekommen, die beeindruckende Bilanz zeigt aber, „dass es menschlich gestimmt hat“. Jedes Jahr landete Borussia unter den Top 6, war 2024 sogar Landesliga-Vizemeister, holte unter Röber 2025 den Kreispokal und triumphierte auch zweimal in Folge unterm Hallendach. „Wenn ich in den Rückspiegel gucke“, sagt der Trainer, „dann sind es aber gar nicht die Erfolge, die wichtig waren. Sondern das Glück, was für unfassbar tolle Menschen ich kennenlernen durfte.“ Sein Handy sei voll mit Kontakten, die er ohne den Fußball nie gemacht hätte. Und sein Kopf ist voll mit schönen Karriere-Erinnerungen, die längst nicht nur mit Spielen und Siegen zu tun haben.

Trotzdem ist nun Schluss. „Ich möchte nicht mehr sonntags mit meiner Frau in der Küche sitzen und die kommende Woche nur um den Fußball herum planen. Ich habe viele Partys, Veranstaltungen, Familienfeste verpasst.“ Röber freut sich auf mehr Freizeit. Langweilig werde ihm sicher nicht. „Ich habe einen Hund, habe über 1000 Schallplatten, spiele gerne Dart, fahre mit dem Rad in der Weltgeschichte rum.“

Ein weiterer großer Grund, warum der Fußballverrückte, wie er sich selbst bezeichnet, aufhört: Spielerinnen würden heutzutage oft nicht mehr alles für ihren Sport reinhauen, andere Termine vorziehen. Stichwort Work-Life-Balance. Röber aber erwartet völlige Hingabe, speziell in höheren Ligen. „Diese Einstellung zum Fußball werde ich niemals ändern können.“ Er hofft, dass es unter seinem Nachfolger Daniel Thele bei Borussia wieder erfolgsorientierter zugeht. Denn: „Die Mannschaft ist besser als der 6. Platz, den wir in dieser Saison belegt haben. Nur muss die Mannschaft bereit sein, auch mehr zu investieren.“

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