NORDKIRCHEN. Die Sonne knallte runter auf das Sportgelände des FC Nordkirchen. Während aus den Boxen das Lied „The eye of the tiger“, bekannt aus dem Boxer-Film „Rocky III“, wummerte, kauerten Borussia Emsdettens Spieler auf dem Rasenplatz. Niedergeschlagen, K.o., abgestiegen. „Extrem hart, extrem bitter“, haderte der seit Wochen verletzte Innenverteidiger Mattes Langelage. Hatte er vor diesem vorletzten Spieltag noch an die Wunder-Rettung geglaubt? „Klar, ich hatte gehofft, dass am letzten Spieltag rechnerisch noch alles drin sein würde.“ Dafür hätte Borussia am Montag in Nordkirchen einen Sieg gebraucht und war gleichzeitig darauf angewiesen, dass Rödinghausen II in Mesum verliert. Beides trat nicht ein. Mit der eigenen 1:3 (0:1)-Auswärtspleite war Emsdettens Abstieg aus der Westfalenliga besiegelt, acht Jahre nach dem Aufstieg 2018.
„Verdient und unverdient“ nannte Stürmer Kürsat Özmen den Abstieg. „Verdient, weil wir in der Rückrunde acht, neun Wochen keinen Punkt geholt haben. Unverdient, weil es in der Liga deutlich schlechtere Mannschaften gibt als uns.“
Roland Westers, der das Traineramt während der Rückrunde vom zurückgetretenen Marc Wiethölter übernommen hatte: „Dass wir abgestiegen sind, war uns prinzipiell schon vorher bewusst. Heute haben wir uns aber definitiv auch wie ein Absteiger präsentiert.“
Seine Elf begann im Grunde gut. Aber: Was bis zur Pause passierte, bezeichnete Westers als „Spiegelbild der Saison“. Zum einen: Die Borussia erarbeitete sich in ihrer engagierten Startphase mehrere Chancen, nutzte sie aber wie so oft nicht. Und dann kam Pech hinzu. Ein Nordkirchener Fuß traf Innenverteidiger Hendrik Ohde am Kopf, er musste schon nach einer Viertelstunde runter. Zehn Minuten später wurde Nordkirchens Simon Mors geschickt und schloss zum 1:0 ab (25.). Der gegnerische Trainer, so Westers, „hat sich kaputtgelacht“ und mit den Fingern angezeigt, sein Mann habe drei Meter im Abseits gestanden. Wieder so eine unglückliche Schiri-Entscheidung gegen Borussia. Wie bei der 0:1-Niederlage gegen Rödinghausen II, als Jule Hölschers Last-Minute-Ausgleich einem übereifrigen Pfiff zum Opfer fiel. Oder wie bei der 1:2-Pleite gegen Kaunitz, als Borusse Florian Altemöller vor dem 0:1 hart weggestoßen wurde.
Nach dem Rückstand suchte Borussia eine Antwort, musste sich aber gleichzeitig bei Keeper Luca Dömer bedanken, der zweimal stark das 0:2 verhinderte (31., 45.). Direkt nach dem Seitenwechsel fiel es dann doch: Tom Bovenschulte konnte Mors‘ Hereingabe nicht verhindern, Dominik Dupke musste nur noch den Fuß reinhalten (46.). Jetzt ergab sich die Borussia in ihr Schicksal, der Glaube war weg. Mit der Leistung im zweiten Durchgang, so Westers, „haben wir den Abstieg mehr als verdient“. Der einzige, der sich noch richtig wehrte, war Torwart Dömer. „Borussia! Mehr, alle!“ und „Bisschen mehr Feuer!“, schrie er seine Vorderleute an, zeigte zudem einige weitere klasse Paraden und ärgerte sich lautstark, als er wieder mal alleingelassen wurde und das 0:3 des frei auf ihn zugelaufenen Mors schlucken musste (67.).
Nach Querpass von Vincent Schulte schob Jan Fislage in der 90. Minute zu Borussias Ehrentreffer ein. Jubel wollte da aber keiner mehr aufkommen.

