EMSDETTEN. Zum Einstieg in das Gespräch eine kleine Scherzfrage: Gilt Marius Kattenbecks Zusage bei Borussia Emsdetten auch im Falle des Abstiegs? „Über die Liga haben wir gar nicht gesprochen“, antwortet er. Seit Freitag ist klar: Der 32-Jährige wird ab Sommer Borussia Emsdettens neuer Trainer (die EV berichtete). Schon deutlich länger zeichnet sich der Abstieg aus der Westfalenliga ab, Kattenbeck wird das Team also in der Landesliga übernehmen.
Für die siebthöchste deutsche Spielklasse ein erstaunlich junger Chefcoach, oder? „Die Stimmen wird‘s mit Sicherheit geben“, sagt er dazu, „aber ich habe ja schon einige Erfahrung gesammelt.“
Kattenbeck wuchs in Emsdetten auf. Bei seinem Heimatverein Fortuna hielt er in der Jugend nicht nur als Torwart die Bude sauber, sondern trainierte schon mit etwa zwölf Jahren die Minis. Einer seiner Schützlinge damals: Vincent Schulte, der heute in Borussias 1. Männer-Mannschaft spielt. So gesehen schließt sich nächste Saison der Kreis.
In der B-Jugend wechselte Kattenbeck erstmals zur Borussia, in der A-Jugend hütete er den Kasten beim FCE Rheine. Sein erstes Senioren-Jahr verbrachte er bei Preußen Borghorst. Trainer dort damals: Roland Westers. „Da haben sich unsere Wege zum ersten Mal gekreuzt“, erinnert sich Kattenbeck. Einige Jahre und Stationen später lotste Westers ihn 2022 auch zu GW Nottuln. Und jetzt zur Borussia. Diesmal nicht als Torwart, sondern als Trainer. Als seinen Nachfolger.
Am 19. April hatte Marc Wiethölter als Chefcoach hingeschmissen, Westers übernahm interimsweise, wollte aber keinesfalls über den Sommer hinaus weitermachen. Seine Nachfolger-Idee: Marius Kattenbeck. Der B-Lizenz-Inhaber hatte im Trainer-Geschäft mittlerweile einen großen Sprung nach vorne gemacht, ist seit 2023 Co-Trainer beim SC Spelle-Venhaus: zunächst ein Jahr in der Regionalliga, seither in der Oberliga. Parallel betreut er aushilfsweise die U23 in der Bezirksliga Weser-Ems, nachdem Bodo Gadomski im März gehen musste.
Westers hörte aus Spelle nur Gutes über Kattenbecks Arbeit, rief ihn kurz nach Wiethölters Rücktritt an, was erst mal nichts Ungewöhnliches war. „Wir telefonieren ohnehin regelmäßig“, erzählt Kattenbeck. Er musste Westers jedoch mitteilen, dass er bei Spelle-Venhaus schon für nächste Saison im Wort steht, sagte ihm aber: „Wenn ihr bei Borussia alle der Überzeugung seid, dass ich der Richtige bin, dann meldet euch noch mal.“ So kam es. Auch Marcel Langenstroer aus Borussias Sportlicher Leitung, der Kattenbeck einst bei Westfalenligist SV Mesum trainierte, hob den Daumen. Ebenso der erfahrene Leistungsträger Jule Hölscher, ein guter Jugendfreund Kattenbecks.
Der sagt: „Ich bin Spelle-Venhaus super dankbar, dass sie mir keine Steine in den Weg gelegt haben.“ Alle waren sich einig, dass Borussia eine erstklassige Chance für ihn bedeutet, als Trainer den nächsten Schritt zu machen. Noch dazu direkt vor der Haustür. Nach acht Jahren in Münster zog Kattenbeck 2025 zurück nach Emsdetten, gemeinsam mit seiner Frau. „Mit dem Fahrrad brauche ich vielleicht sieben Minuten zum Stadion.“
Kattenbeck betont, der Abschied aus Spelle falle ihm schwer. Ein aufstrebender Verein, gerade wurde der zweite Kunstrasenplatz fertig. Im Gepäck hat er aber bleibende Erinnerungen wie diese: „In der Regionalliga haben wir in Meppen mal vor fast 10.000 Zuschauern gespielt. Da wird einem schon anders.“
Eine weitere ungewöhnliche Erfahrung in seiner Laufbahn: 2018 nahm Kattenbeck an der Futsal-Weltmeisterschaft der Studierenden in Kasachstan teil. Der eigentliche Torwart war kurzfristig ausgefallen, aus der Futsal-Szene in Münster kam die Frage an Kattenbeck, ob er einspringen könne. Konnte er. Wie schnitt er mit Deutschland ab? „Das ist nicht wichtig“, antwortet er lachend. Vorletzter Platz.
Kurz nach der WM setzte eine Schambeinentzündung Kattenbeck lange außer Gefecht. Er konzentrierte sich in der Zeit aufs Studium, unterrichtet heute am Berufskolleg in Münster Deutsch, Wirtschaft und Sport. Während seiner verletzungsbedingten Auszeit damals war er zudem bei Emsdetten 05 zunächst Torwarttrainer, dann Co-Trainer der 1. Mannschaft unter Gadomski (2019/2020). Anschließend folgten noch einige Jahre als Torwart (Mesum, Fortuna, Nottuln), ehe 2023 die verlockende Anfrage aus Spelle-Venhaus kam.
Mit Borussia, so Kattenbeck, „verbinde ich viele positive Erinnerungen und freue mich da auf viele bekannte Gesichter“. Am Dienstag stellt er sich der Mannschaft vor. Wie sein Trainerstab künftig aussehen wird, müsse noch geklärt werden. Seine Spiel-Philosophie: „Intensiv arbeiten, aktiv spielen, als Einheit auftreten. Die Zuschauer müssen eine Mannschaft sehen, die sich zerreißt.“ Und seine Ziele mit Borussia? „Ich werde auf gar keinen Fall das Wort ,Aufstieg‘ in den Mund nehmen.“ Grinsend haut er dieses Ziel raus: „Eine bessere Platzierung als in diesem Jahr.“
Sollte machbar sein.

