Borussias Erlösung

04.05.2026

Fußball: 2:1 gegen Rheda / Endlich mal wieder ein Sieg / „... dann werde ich wirklich sauer“

EMSDETTEN. Abpfiff. Jubel bei Borussia Emsdetten. Und ganz viel Erleichterung! Alle bisherigen neun Punktspiele in 2026 hatte der Westfalenliga-Letzte verloren. Am Sonntag endete die Horror-Serie. 2:1-Heimsieg gegen Rheda.

Geht da noch was im Abstiegskampf? Ist noch was möglich? Diese Fragen formulierte Trainer Roland Westers auf der anschließenden Pressekonferenz selbst, schaute dabei den EV-Reporter böse an und raunzte: „Wenn ich so was morgen lese, werde ich wirklich sauer.“ Schließlich ist Borussia schon vor Wochen totgesagt worden und wurde mit den dann noch folgenden weiteren Pleiten immer toter. Nur der Form halber: Der Rückstand aufs rettende Ufer schrumpfte von sieben auf fünf Punkte. Vier Spieltage sind es noch.

Für Rheda geht es in der Tabelle um nichts mehr. Das, so Gäste-Trainer Christopher Hankemeier, habe man seinem Team auch angemerkt. „Ich bin extrem angefressen, ich erwarte mehr Motivation.“ Zu Beginn der Partie sah er die noch. Bei Borussia musste Innenverteidiger Mattes Langelage schon in der 6. Minute mit Oberschenkel-Problemen runter. Das wirkte sich auf die defensive Stabilität aus. Rhedas Philipp Aciz tauchte frei vor Luca Dömer auf, der Borussia-Keeper machte sich breit und blieb Sieger (11.). Dann zog Aciz aus 16 Metern ab, der Ball prallte von der Unterkante der Latte zurück ins Feld (16.). Das Spielglück, das den Borussen zuletzt häufig fehlte, war diesmal auf ihrer Seite.

Nach und nach übernahmen die Hausherren das Kommando, überbrückten das Mittelfeld oft mit langen Bällen, ließen die Kugel aber vereinzelt auch gut laufen. In der 33. Minute dann der Moment der großen Befreiung. Noch kein einziges Mal in der schon langen Rückrunde ist Emsdetten in Führung gegangen. Jetzt setzte sich Kürsat Özmen gegen einen Verteidiger durch und spitzelte den Ball an Keeper Pascal Müller vorbei zum 1:0 ins Netz. Der Treffer verlieh dem verunsicherten Team merklich Rückenwind, Borussia wollte mehr. Özmen bediente Vincent Schulte, mit dessen unplatziertem Abschluss aus bester Position hatte Müller wenig Probleme (45.).

Nach dem Seitenwechsel kam von Rheda weiterhin wenig. Doch mit einem leichtfertig verursachten Freistoß holte Borussia die Gäste zurück, Marvin Schleining zirkelte den Ball stark in den kurzen Winkel zum 1:1 (67).

Emsdetten lieferte fast die prompte Antwort: Nach Traumpass von Kai Deradjat war Schulte auf und davon, sein Flachschuss rauschte am langen Pfosten vorbei (74.). Es wurde deutlich: Emsdetten wollte den Sieg unbedingt, bot dabei zwar etwas zu große Räume an, die Rheda aber nicht zu nutzen wusste. Und Borussias Mut wurde belohnt: Doppelpass des eingewechselten Samir Haxha mit Kai Deradjat, Haxha jagte die Kugel Richtung zweiter Pfosten, wo erneut Özmen zur Stelle war – 2:1 (81.). Fast hätte Özmen noch erhöht – knapp daneben (88.). Doch auch so langte es.

Auf der PK sagte Rheda-Coach Hankemeier übrigens, für Borussia sei im Abstiegskampf „noch alles drin“. Reaktion von Kollege Westers: ein gequältes Lächeln.

 

Westers ist „unfassbar glücklich“

 

-mho-EMSDETTEN. Rheda-Coach Christopher Hankemeier wusste, dass sein Team auf einen extrem verunsicherten Gastgeber traf. Daher sagte er seiner Truppe vor dem Spiel, „dass es an uns liegt, wie viel Selbstvertrauen wir Emsdetten geben. Wir haben gut angefangen. Danach war es dann viel zu wenig. Emsdetten macht das, was man braucht: Sie geben Gas. Taktische Dinge waren heute nicht ausschlaggebend. Wir müssen anerkennen, dass der Gegner über 90 Minuten besser war.“

Borussias Trainer Roland Westers verteilt normalerweise kein Einzel-Lob. Diesmal wohl. „Was Kürsat heute gemacht hat, war aller Ehren wert.“ Das habe wenig mit Özmens beiden Toren zu tun, sondern: „Wie er heute geackert hat, wie er Bälle festgemacht hat – Hut ab.“ Özmen, der zuletzt in Mesum eine Halbzeit lang auf der Bank schmoren musste, habe damit die richtige Antwort gegeben.

Ansonsten zeigte sich Westers „unfassbar glücklich, dass wir den Bock umgestoßen haben. Man hat gesehen, welcher Ruck nach dem 1:0 durch die Mannschaft gegangen ist.“ Der Trainer unterstrich: „Die Jungs haben sich trotz der neun Niederlagen in Folge nie zerfleischt, sind immer eine Einheit geblieben. Dafür zolle ich Respekt.“ Zu den Chancen im Abstiegskampf sagte er: „In der Tabelle hat sich nicht so wahnsinnig viel geändert. Ein kleines Etappenziel ist, die Rote Laterne noch abzugeben.“

 

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