Marius Holthaus
EMSDETTEN. Kurz vorm Anpfiff wollte Roland Westers seiner Elf schnell noch mal Selbstvertrauen eintrichtern. „Hey! Ohne Zweifel!“, rief Borussia Emsdettens neuer Trainer aufs Feld. Sein Team, das er erst wenige Tage zuvor vom zurückgetretenen Marc Wiethölter übernommen hatte, sollte mutig auftreten. Und nicht wie ein Tabellenletzter, der acht Mal in Folge verloren hat. Doch das Westfalenliga-Schlusslicht verfiel im Derby am Sonntag beim SV Mesum schnell in alte Muster. Fehler von Arne Moselage führten zum frühen 0:2-Rückstand (14., 20.), bereits in der 33. Minute musste der Linksverteidiger vom Platz, für ihn kam Florian Altemöller. Kurz darauf leistete sich auch Kapitän Hendrik Ohde einen Bock – 0:3 (35.). Endstand 0:5.
Westers nach dem Abpfiff: „Fußball ist ein Fehlersport.“ Das hatten seine Jungs eindrucksvoll präsentiert. Doch es lag nicht allein an der Verunsicherung. Westers nervte, dass sich seine Mannschaft speziell in der ersten Halbzeit nicht an die Vorgabe hielt, mit langen Bällen den Weg nach vorne zu suchen. Stattdessen hielt sie die Kugel im Spielaufbau zu lange – und verlor ihn oft gegen pressende Gastgeber. „Das ist Westfalenliga, das ist nicht Kreisliga B“, kritisierte Westers das behäbige Auftreten einiger Borussen. Dass sie die verlangten langen Bälle vor der Pause vermissen ließen, kommentierte er so: „Wenn manche der Meinung sind, es ist nicht deren Anspruch, so einen Fußball zu spielen, dann geht man halt mit dem Anspruch, besseren Fußball zu spielen, relativ klar ab.“ Sprich: Die Borussen sollen auf die Art von Fußball setzen, die sie können. Schönspielerei gehört nicht dazu.
Der Rückstand aufs rettende Ufer blieb unverändert bei sieben Punkten. Bei nur noch fünf Spieltagen macht sich Westers aber keine Illusionen. Dass die Lage nun endgültig aussichtslos ist, habe vielleicht einen positiven Effekt: „Ich hoffe, dass es jetzt für den einen oder anderen – in Anführungsstrichen – eine Erlösung ist, dass man weiß, man ist abgestiegen. Dass die Birne jetzt endlich mal frei ist und nicht mehr viel nachgedacht wird. Wir wissen, wir sind abgestiegen, das muss man ganz nüchtern festhalten.“
Eine Sache ist Westers noch wichtig. Im Vorbericht zum Mesum-Spiel hatte er gesagt: „Wir haben keinen Kunstrasen. Da kann man drüber jammern oder es so akzeptieren.“ Die Aussage habe sich jedoch keinesfalls auf seinen Vorgänger Wiethölter bezogen. „Marc hat nie darüber gemeckert, das möchte ich noch mal klarstellen.“

