Westers erfuhr es in der Pommesbude

23.04.2026

Fußball: Borussias Ex-Trainer springt als Feuerwehrmann ein

EMSDETTEN. Roland Westers stand am späten Sonntagnachmittag in der Imbiss-Bude des Walter Steinkühler Stadions. „Ich hatte Pommesdienst.“ Während er also Fritten verkaufte, kam Borussia Emsdettens Sportleiter Hans-Dieter Jürgens zu ihm, teilte mit: Trainer Marc Wiethölter hat soeben hingeworfen. Westers‘ erster Gedanke? „Scheiße! Was sonst? Ich war sehr weit weg davon zu denken: Gott sei dank.“ Zwar kassierte Westfalenliga-Schlusslicht Borussia am Sonntag mit dem 0:1 zu Hause gegen Ahaus die achte(!) Pleite in Folge, „aber die Rückendeckung für Marc war von allen Seiten immer da“, unterstreicht Westers.

Beim Pommesbuden-Dialog ging es flott um die Frage, wie es nun weitergehen soll. „Hast du die nächsten sechs Wochen Zeit“, lautete Jürgens‘ eher flapsige Frage an Westers. Diese Idee konkretisierte sich schnell, am Dienstagabend wurde Westers der Mannschaft als Interimstrainer bis Saisonende präsentiert (die EV berichtete).

Erst im Sommer 2025 hatte der 49-Jährige diesen Posten freiwillig geräumt und mit Wiethölter den neuen Borussen-Coach selbst verpflichtet. Ist er enttäuscht, dass sein Nachfolger nach nicht mal einem Jahr die Brocken hinschmeißt? „Enttäuscht ist, glaube ich, das falsche Wort. Es ist klar, dass acht Spiele in Folge ohne Punktgewinn einen fertig machen können.“ Westers spricht aus Erfahrung. Vor einem Jahr durchlitt auch er mit Borussia eine mehrwöchige Durststrecke. Die aus solchen Misserfolgen resultierenden schlaflosen Nächte veranlassten ihn, den Trainer-Job bei „seiner“ Borussia abzugeben, aus demselben Grund steht er nun auch nur als Sechs-Spiele-Feuerwehrmann zur Verfügung. Westers über Wiethölters Rückzug: „Der Zeitpunkt kam überraschend, das hätten wir uns anders gewünscht. Aber körperliche Überlastung kann man nun mal nicht planen.“

Bevor Westers seine Zusage gab, auszuhelfen, sprach er mit seiner Frau. „Sie hatte so was schon befürchtet.“ Auch seine Tochter Hannah (14) und Sohn Mats (12) seien mittlerweile alt genug, sie in die Entscheidung zu involvieren. Deren klare Botschaft: Mach et, Papa. „Die beiden sind vor Freude durch die Wohnung gehüpft. Die wollen Papa nicht zu Hause haben, sondern sind lieber am Teekotten als im eigenen Heim.“ Eine Borussia-Familie durch und durch halt. „Für die Rückendeckung möchte ich mal ein riesiges Dankeschön aussprechen“, sagt Westers in Richtung seiner Frau und seiner Kinder.

Wäre statt Roland Westers nicht vielleicht auch Marcel „Cello“ Langenstroer ein geeigneter Interimstrainer gewesen? Ebenfalls ein erfahrener Coach. Ebenfalls einer, der die Borussia bestens kennt, aktuell ist er hier unter anderem in der Sportlichen Leitung aktiv. Parallel trat Langenstroer zwar vor wenigen Wochen eine Hilfsmission bei seinem Ex-Verein FC Eintracht Rheine an, führte den Oberligisten im Trainer-Gespann mit Christian Bienemann aber mittlerweile weg von den Abstiegsrängen. Dann könnte er als nächstes doch nun die Borussia retten. Westers zu diesem Gedankenspiel: „Cello hat seinem besten Kumpel Pascal Göcke erzählt, er und Bienemann würden jetzt bei Borussia übernehmen und ich dafür beim FCE. Pascal ist sogar kurz darauf reingefallen.“ Zwar findet Westers tatsächlich, dass Langenstroer bei Borussias Mannschaft noch mal „einen komplett neuen Impuls von außen reingebracht hätte“, ernsthaft beschäftigt habe man sich mit dieser Konstellation aber nicht. „Cello steht bis Saisonende beim FCE im Wort.“

Also macht Westers es selbst. „Ich hätte lieber weiter von außen zugeguckt und Fritten verkauft“, sagt er, „aber wenn ich die nächsten sechs Wochen wenig Schlaf finden sollte, dann ist das jetzt halt mal so.“

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