„Sein Rücktritt hat mich geschockt“

22.04.2026

Fußball: Borussia-Stimmen zum Weggang von Trainer Wiethölter

EMSDETTEN. Trotz der sportlichen Talfahrt kam die Nachricht am Montag aus dem Nichts: Marc Wiethölter tritt als Trainer des Westfalenliga-Schlusslichts Borussia Emsdetten zurück. Auch die Spieler wurden davon kalt erwischt. Drei von ihnen sprechen über Wiethölters Weggang und die Chancen im Abstiegskampf.

 

War Torwart Luca Dömer überrascht von Wiethölters Rücktritt? „Auf jeden Fall. Natürlich wusste ich, dass Marc in letzter Zeit viel nachgedacht hat, woran es liegt. Wir als Mannschaft haben ihn immer unterstützt und bestärkt, weil wir ihn als sehr guten Trainer sehen.“

Wie denkt Dömer über Wiethölters Weggang? „Ich finde es extrem schade, es beschäftigt einen auch.“ Details zu den Beweggründen erhoffte sich der Keeper am Dienstagabend, als Wiethölter sich vor dem Training vom Team verabschieden wollte.

Die Stimmung zwischen Mannschaft und Coach sei stets gut gewesen, vorwerfen müsse sich Wiethölter nichts. „Er hat immer 100 Prozent gegeben und sehr viel Zeit investiert, vielleicht mehr, als es einem guttut.“ Die haufenweise vergebenen Torchancen und individuellen Fehler, die entscheidend zu Borussias Pleiten-Serie beigetragen haben, seien etwas, „das du nicht abtrainieren kannst“, meint Dömer.

Wie schätzt Dömer die Chancen auf den Klassenerhalt ein? „Ich sage seit Wochen: Wir brauchen nur diesen einen Sieg, dann geht‘s los. Die Spiele werden aber immer weniger. Mittlerweile müssten wir fast alles gewinnen. In den letzten Spielen einer Saison kann aber viel passieren.“

 

Auch Führungsspieler Vincent Schulte (Bild) wurde von Wiethölters Rücktritt überrascht. „Ja, auf jeden Fall.“ Der Trainer hatte nach der 0:1-Niederlage am Sonntag gegen Ahaus keine Gelegenheit, der Mannschaft seine Entscheidung mitzuteilen, schrieb es daher am Montagmorgen in der gemeinsamen Whats- App-Gruppe. „Als ich das gelesen habe, war ich geschockt. Ich habe immer sehr gerne mit Marc zusammengearbeitet und bedaure seinen Rücktritt sehr. In erster Linie ist Marc ein ganz feiner Mensch. Er hat uns Spieler auch immer mit einbezogen, dafür bin ich sehr dankbar. Man hat das Gefühl, dass wir als Mannschaft es im Gesamten nicht geschafft haben, den nötigen Erfolg zu haben.“

Schulte kann Wiethölters Entschluss nachvollziehen. „Auch wenn ich mir eine andere Entscheidung gewünscht hätte, respektiere ich sie zu 100 Prozent. Wenn es nachhaltig Auswirkungen aufs Privatleben gibt und die Kraft nicht mehr reicht, dann muss man Konsequenzen ziehen. Am Ende ist es nur Amateurfußball.“

Auch Schulte betont, das Verhältnis zwischen Team und Trainer sei immer intakt gewesen. Der scheidende Coach müsse sich als Einzelperson nichts vorwerfen, „sondern wir alle“.

Borussias prekäre Situation im Abstiegskampf bringt Schulte so auf den Punkt: „Wir müssen ganz dringend am Sonntag in Mesum gewinnen. Unentschieden reicht nicht.“ Er selbst ist dann nach seiner Zwei-Spiele-Sperre, die er sich durch eine Tätlichkeit gegen Kaunitz eingehandelt hatte, wieder dabei. „Für mich war es der Horror, in den vergangenen beiden Spielen zugucken zu müssen. Ich hatte durch die Rote Karte das Gefühl, die Mannschaft im Stich zu lassen.“

 

„Ich hatte nicht damit gerechnet“, sagt Kapitän Hendrik Ohde über Wiethölters Rücktritt, „ich wusste aber, dass die Situation am Trainer nagt, genau so wie an uns Spielern.“ Dass der Chefcoach sechs Spieltage vor Schluss die Borussia verlässt, sei ein unglücklicher Zeitpunkt, „aber das muss Marc für sich entscheiden. Wenn es nicht mehr geht, dann geht es nicht mehr“. Wiethölter hatte gegenüber der EV als einen Beweggrund angegeben, die Situation setze ihm körperlich zu. Ohde: „Die Gesundheit geht einfach vor.“

Sieht der Mannschaftsführer in der Westfalenliga noch Chancen auf Rettung? „Ich bin der Letzte, der die Flinte ins Korn wirft. Es sind noch 18 Punkte zu vergeben, davon müssen wir möglichst viele holen und dann gucken, wofür es reicht. Solange es rechnerisch möglich ist, werden wir alles geben.“

schulte