In Borussias Kabine gab‘s Klartext

14.04.2026

Westfalenligist enttäuschte in Soest

Borussia Emsdettens Trainer Marc Wierhölter hat in der Nacht zu Montag mies geschlafen. Die 1:3-Pleite bei Westfalenliga-Schlusslicht Soest hatte ihm arg zugesetzt. Am Tag danach sprach Wiethölter über fehlendes Feuer, Entschuldigungen und seine Trickkiste im Abstiegskampf.

Überraschend schnell ist Max Siepmann (l.) nach seiner Operation Ende Februar wieder auf den Beinen. In Soest wurde er zur zweiten Halbzeit eingewechselt, machte seine Sache hinten rechts laut Trainer Marc Wiethölter gut. | Foto: Marius Holthaus

Beim Halbzeitpfiff war fast schon alles aus. Mit 0:3 lag der Westfalenliga-Vorletzte Borussia Emsdetten am Sonntag hinten. Hatte in den ersten 45 Minuten einen völlig blutleeren Auftritt abgeliefert. Und das in diesem Schicksals-Spiel bei Schlusslicht Westfalia Soest, in dem dringend die Kehrtwende Richtung Klassenerhalt erzwungen werden musste. Stattdessen brannte Borussia ein Fehler-Feuerwerk ab.

 

„Das war sehr emotional in der Kabine“


In der Kabine ließ ein konsternierter Trainer Marc Wiethölter seine Truppe wissen, das sei „nicht meine Mannschaft“, wenn sie sich wehrlos in ihr Schicksal ergebe. Ansonsten habe er in der Halbzeitpause wenig gesagt, „sondern die Jungs machen lassen. Ich rechne ihnen hoch an, wie sie miteinander umgegangen sind. Das war sehr emotional in der Kabine. Jeder hat die Verantwortung bei sich gesucht und gesagt, das reicht bei allen so nicht“, beschreibt der Coach.

Nach der Pause stemmte sich Borussia noch mal gegen die Niederlage, gewann die zweite Halbzeit mit 1:0, verlor das Spiel aber mit 1:3. Wiethölter: „Wir waren wieder nicht zwingend genug. Symptomatisch war der vierte Elfmeter in dieser Saison, den wir nicht verwandelt haben.“ Die ersten beiden hatte Kürsat Özmen in der Hinserie am Kasten vorbeigesetzt, dann traf Julius Hölscher an Ostermontag gegen Kaunitz nur den Pfosten, jetzt in Soest scheiterte Mattes Langelage an Schlussmann Jonny Mika. Es wäre in der 73. Minute Borussias 1:3 und bestenfalls das Startsignal zu einer Schlussoffensive gewesen. Soest-Trainer Pape Ibrahima Mbaye: „Wir sind froh, dass unser Torwart den gehalten hat. Wenn der Ball reingeht, werden unsere Jungs vielleicht nervös, dann kann viel passieren.“

Seit Sonntag ist Borussia Liga-Schlusslicht, sechs Punkte entfernt vom rettenden Ufer. Dort, auf Rang 13, liegt ein anderes Krisen-Team: Der SuS Neuenkirchen hat acht seiner letzten neun Spiele verloren. Einzige Ausnahme war der 3:1-Heimsieg am 8. März gegen die Borussia, die in all ihren Partien nach der Winterpause als Verlierer vom Platz ging. Insgesamt sieben Mal in Folge.


„Ich hatte eine scheiß Nacht“, sagte Wiethölter am Montag. „Dem einen oder anderen Spieler ging es auch so.“ Von einigen der Jungs erhielt der Coach private Nachrichten, manche entschuldigten sich für ihre individuellen Patzer in Soest. „Das müssen sie gar nicht tun, das macht ja keiner mit Absicht. Ich stelle mich weiter vor die Jungs. Gestern haben mir dafür aber die Argumente gefehlt.“


„Allmählich ist meine Trickkiste leer“


Wiethölter verlangt auf dem Platz als Grundelement Leidenschaft, die er in Soest aber oft vermisste. Nach dem frühen 0:1 (2.) trommelte er umgehend seine Elf an der Trainerbank zusammen. „Ich wollte ihr Mut zusprechen, damit wir uns nicht – so wie gegen Kaunitz – direkt das 0:2 fangen. Hat nicht geklappt.“ Bereits in der 13. Minute klingelte es erneut im eigenen Kasten. „Allmählich ist meine Trickkiste leer“, sagt der Coach dazu.


Was ihm ein gutes Gefühl gibt: Von allen Seiten erhält Borussias Trainerteam Zuspruch. Am Mittwoch vor dem Soest-Spiel erst betonte Vorsitzender Henrik Helmer: „Wir stehen bedingungslos hinter euch.“ Wiethölter denkt auch keineswegs daran, in den Sack zu hauen. Er stellt aber klar: „Einen Auftritt wie in der 1. Halbzeit in Soest gucke ich mir nicht noch sechs Wochen lang an.“ Der Gegner sei fußballerisch nicht besser gewesen, sondern habe einfach mehr gebrannt. Und das dürfe Borussia keinesfalls passieren.

Borussias Restprogramm

 

Sieben Spieltage hat der Westfalenliga-Letzte Borussia Emsdetten noch Zeit, den Fall durchs Loch zu vermeiden. Die Gegner sind:


  • Eintracht Ahaus (Platz 9, Hinspiel 0:1 verloren)
  • SV Mesum (Platz 8, Hinspiel 0:2 verloren)
  • FSC Rheda (Platz 6, Hinspiel 0:4 verloren)
  • Preußen Espelkamp (Platz 15, Hinspiel 1:2 verloren)
  • GW Nottuln (Platz 5, Hinspiel 2:2)
  • FC Nordkirchen (Platz 7, Hinspiel 1:0 gewonnen)
  • SF Ostinghausen (Platz 4, Hinspiel 3:1 gewonnen)

 

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