SOEST. War‘s das für Borussia Emsdetten? „Da bin ich der falsche Ansprechpartner“, antwortete Trainer Marc Wiethölter nach der 1:3 (0:3)-Schlappe am Sonntag bei Westfalia Soest. „Die Jungs müssen sich fragen, ob sie Abstiegskampf können. Wir haben gute Fußballer. Aber du siehst ja, wie uns der Gegner den Schneid abkauft.“ Mit der Pleite übernahm Borussia von Gegner Soest die Rote Laterne, liegt in der Westfalenliga sieben Spieltage vor Schluss sechs Punkte unterm Strich. Wer kann bei nun sieben Punktspiel-Niederlagen in Folge noch an die Wunder-Wende glauben? Erst recht nach dieser laut Wiethölter „desolaten 1. Halbzeit“, die mit Überlebenskampf rein gar nichts zu tun hatte.
2. Minute: Florian Altemöller verlor in der eigenen Hälfte leichtfertig den Ball an Lukas Brenk, Querpass von Mario Jurss auf Gianni-Alessandro Jacome-Fontana, der zum 1:0 für Soest einschoss.
13. Minute: Unsauberes Zuspiel von Julian Dirks im Spielaufbau, Lukas Brenk tanzte durch Emsdettens luftige Abwehr, bediente Jurss – 0:2.
33. Minute: Ein Fehlpass von Borussias Keeper Luca Dömer landete im Fuß des Soesters Tom Teipel, der spielte rüber zu Jurss – 3:0.
Kurz vor der Pause verhinderte Dömer zweimal einen noch höheren Rückstand (41., 44.).
Und offensiv? Da zeigte sich Borussia behäbig, unpräzise, uninspiriert. In der 31. Minute gab es aber doch mal einen Überraschungsmoment: Altemöller spielte eine Ecke flach in den Rückraum zu Jule Hölscher, seinen fulminanten 17-Meter-Schuss kratzte Feldspieler Steffen Topp mit dem Kopf von der Linie. Es wäre der 1:2-Anschlusstreffer und vielleicht noch mal ein Wachmacher gewesen. Stattdessen fing sich Emsdetten quasi im Gegenzug das 0:3.
Immerhin: Borussia zeigte Moral. Laurentiu Tucas Schuss hielt Soests Tormann Jonny Mika mit etwas Glück (36.). Nach dem Seitenwechsel bäumten sich die Gäste noch mal auf, liefen den Gegner früh an. Gefährlich wurde aber erst mal nur Soest, einen Flachschuss von Jurss lenkte Dömer gerade noch an den Pfosten (54.), auch sonst war Emsdettens Schlussmann noch einige Male stark zur Stelle.
Vorne aber blieb Borussia weitgehend harmlos. Die große Ausnahme: Nach Foul an Tuca gab‘s Strafstoß. Nachdem in dieser Saison schon zweimal Kürsat Özmen und einmal Hölscher verschossen haben, trat diesmal Mattes Langelage an. Und scheiterte – man ist geneigt zu sagen: natürlich – an Mika (73.). In der Nachspielzeit brachen die Borussen dann doch noch ihren Tor-Bann (seit der Winterpause erst zwei Treffer, beide waren Eigentore): Nach einem Soester Abwehrfehler hob Özmen die Kugel aus 30 Metern ins Netz zum 3:1-Endstand. Sehr schöner Treffer an einem für Borussia hässlichen Tag.
„So wird‘s nicht reichen, das ist Fakt“
-mho-SOEST. „Das waren drei Geschenke“, ärgerte sich Borussia-Trainer Marc Wiethölter über die Gegentore. Seine Mannschaft sei im 1. Durchgang weder körperlich noch geistig auf dem Platz gewesen. „Ich habe heute zum ersten Mal in der Halbzeit gesagt, dass ich mit der Leistung so nicht leben kann. Das war das erste Mal, wo wir komplett enttäuscht und nicht dagegen gehalten haben. So wird‘s nicht reichen, das ist Fakt.“ Ebenfalls problematisch: Der angeschlagene Tom Bovenschulte musste zur Pause raus, bereits vorm Spiel hatte sich Mats Hagel krank abgemeldet. „Das ist dann auch irgendwann nicht mehr zu kompensieren“, sagte Wiethölter über das ewige Durchtauschen.
Bei Gastgeber Westfalia Soest feierte der neue Trainer Pape Ibrahima Mbaye einen erfolgreichen Einstand. Über Borussias Tor-Geschenke sagte er: „Wir haben es ein bisschen provoziert. Wir wollten bewusst draufgehen, die stören, zu Fehlern zwingen. Freut uns, dass es geklappt hat.“

