-mho-EMSDETTEN. Levent Cayiroglu ist Trainer des Westfalenligisten FC Kaunitz. Seine Sätze nach dem Abpfiff am Montag klangen aber eher so, als sei er Motivations-Coach bei Borussia Emsdetten. „Mir tut‘s echt ein bisschen leid“, sagte er über den 2:1-Auswärtssieg seiner Truppe im Nachholspiel. Kaunitz verschärfte damit die Abstiegssorgen des Gegners immens, Borussia liegt nun fünf Punkte unterm Strich.
Cayiroglu nannte den Erfolg seiner Mannschaft „glücklich“. Durch Berichte und Spielvideos habe er mitbekommen, dass sich Borussia bereits in den Partien davor oft trotz guter Leistungen nicht belohnt habe. Der Kaunitz-Coach bei der Pressekonferenz: „Es geht hier auch nicht um Mitleid oder Sonstiges. Ich kann nur von meiner Seite sagen: Macht so weiter. Aus meiner Sicht kann man euch spielerisch keine großen Vorwürfe machen. Ich glaube, jeder, der zwei Augen hat, hat gesehen, dass die Emsdettener Mannschaft lebt, dass die alles reingehauen hat, dass sie tolle Angriffe und Spielzüge dabei hatte. Nur den Ball über die Linie drücken, das müssen die Jungs schon selber. Das ist schon ein bisschen tragisch.“
Einmal mehr scheiterten die Borussen ständig vor der gegnerischen Bude, Jule Hölschers Foulelfmeter an den Pfosten (10. Minute) war nur ein Beispiel. Die bitteren Zahlen: Nach der Winterpause hat Borussia alle sechs Punktspiele verloren, verzeichnete dabei nur zwei Treffer – beide waren Eigentore, erst beim 1:3 in Neuenkirchen und jetzt gegen Kaunitz.
Borussia-Coach Marc Wiethölter setzte der abermalige Rückschlag zu: „Wir müssen einfach weitermachen. Aber so richtig – nehmt‘s mir nicht übel – fehlen mir jetzt gerade die Ideen. Da muss ich erst mal eine Nacht drüber schlafen und dann werden wir weiterarbeiten“, meinte er bei der PK. Kollege Cayiroglu: „Ich kann nur sagen: Behaltet den Kopf oben. Die Saison ist noch lang. Weiterhin viel Erfolg.“
Cayiroglu erntete für seine Rede in Borussias Vereinsheim großen Applaus. Eindrucksvolle Worte eines Trainers, der mit Kaunitz ja selbst im Abstiegskampf drinsteckt, jetzt aber fünf Punkte vor Borussia liegt. „Es gibt uns Luft, es tut auch gut, aber wir sind noch lange nicht unten raus“, wusste er.
Wiethölter: „Es sind noch 24 Punkte in der Verlosung. Nur: Die Jungs jetzt wieder aufzurichten, das wird auch nicht einfacher. Die zweifeln ja an sich selber.“ Dass es trotz bester Chancen gegen Kaunitz mit einem 0:0 in die Pause ging, nagte an seiner Truppe. Wiethölter über die Gefühlswelt seines Teams in der Halbzeit: „Bei uns war eine Stimmung, als ob wir 0:3 hinten liegen.“ Er betonte aber auch: „Ich kann keinem Spieler vorwerfen, dass er nicht alles raushaut. Das wird auch nicht passieren, so lange ich hier Trainer bin.“
Kommenden Sonntag braucht Borussia dringend einen Sieg bei Schlusslicht Westfalia Soest. Kapitän Hendrik Ohde sitzt dann letztmals seine Rot-Sperre ab, auch Vincent Schulte dürfte nach der Tätlichkeit, die er sich gegen Kaunitz geleistet hat, mehrere Wochen zuschauen müssen. Das macht es alles nicht einfacher.

