EMSDETTEN. Es wird finster im Tabellenkeller. Borussia Emsdetten verlor an Ostermontag zu Hause das wichtige Nachholspiel gegen den direkten Konkurrenten FC Kaunitz mit 1:2 (0:0). Der Rückstand aufs rettende Ufer wuchs damit auf fünf Punkte an.
Trainer Marc Wiethölter wirkte bei der anschließenden Pressekonferenz so angefasst wie nie. Der ewige Chancenwucher veranlasste den Coach zu der Aussage: „Wir sind selbst verantwortlich für den Scheiß, den wir da vor dem Tor fabrizieren.“ Wiethölter verdeutlichte mit dem Satz, dass er die Schuld nicht beim Schiri-Gespann suchte. Dabei hatte eine höchst umstrittene Entscheidung die Pleite eingeleitet. 62. Minute: Florian Altemöller schirmte den Ball auf Außen ab, der Kaunitzer Fabio Kristkowitz rammte den Borussen von hinten direkt vor den Augen des Linienrichters um, zog mit Ball von rechts in die Box, seinen ersten Abschluss blockte Tom Bovenschulte, doch der Nachschuss rauschte zum 0:1 flach ins lange Eck. Kaunitz-Coach Levent Cayiroglu über den Bodycheck seines Spielers: „Ich würde lügen, wenn ich nicht überrascht gewesen wäre, dass die Aktion weiterläuft.“
Wiethölter: „Was mich halt maßlos ärgert, ist, dass wir nach dem 0:1 direkt wieder die Köpfe unten haben und sofort das 0:2 fressen.“ Der just eingewechselte Borusse Arne Moselage ließ sich von Joel Kirsch auswackeln, Pass auf Lennart Brink, der platziert zum 0:2 einschoss (65.).
Dem Doppel- folgte Borussias nächster Nackenschlag: Vincent Schulte wurde am gegnerischen Strafraumrand von Kaunitz-Kapitän Felix Frosch gelegt, ließ sich trotz bereits ertöntem Freistoßpfiff auf ein Scharmützel ein und riss Frosch zu Boden. Blöde Aktion, ja, aber glatt Rot für Schulte erschien hart. Er dürfte Borussia im Abstiegskampf damit vier Spiele lang fehlen. Auch Frosch flog in der Szene mit Gelb-Rot runter. Den anschließenden Freistoß von Laurentiu Tuca bugsierte Leon Schmidt in die eigenen Maschen (73.). Nur noch 1:2, seit wochenlanger Durststrecke endlich mal wieder Borussia-Torjubel. Danach drängte Emsdetten vor 435 Zuschauern zwar aufs 2:2, bekam aber keinen klaren Abschluss mehr hin. Ein Kopfballtreffer Kürsat Özmens in der sechsminütigen Nachspielzeit zählte nicht – Abseits.
Wiethölters Chancenwucher-Ärger bezog sich vor allem auf die erste Halbzeit. Seine Elf startete stark, in der 8. Minute verzog Kai Deradjat aus guter Position. Dann tankte sich Schulte in den Strafraum rein, wurde gefoult, Elfmeter. Julius Hölscher trat an, vom Pfosten prallte der Ball zurück ins Feld (10.). Zum Verzweifeln! Auch Schultes Hammer krachte nur an den Pfosten (32.). Kurz vor der Pause scheiterte Jan Fislage zweimal an Kaunitz-Keeper Phil Schnathmann (40., 43.). Borussia war im ersten Durchgang das klar bessere Team, hatte aber auch einmal Glück, als Kirsch bei einem starken Kaunitzer Gegenzug ebenfalls nur Alu traf (26.).
Der zweite Durchgang begann ausgeglichener. Felix Sczepurek scheiterte an Borussia-Tormann Luca Dömer (47.), auf der anderen Seite Özmen an Schnathmann (53.). Kurz danach nahm das Borussia-Unheil seinen Lauf.
Wiethölter: „Das ist nicht nur Pech“
Die Trainerstimmen
-mho-EMSDETTEN. Borussias Trainer Marc Wiethölter fand die Linie des Schiris zwar keineswegs gut, wollte bei der Pressekonferenz aber nicht lange über das heftige Einsteigen gegen seinen Spieler Altemöller vor dem 0:1 und über Schultes harte glatt Rote Karte reden. „Das ist alles nicht spielentscheidend.“ Borussia habe es selbst in der Hand gehabt. „Wir haben alleine in der ersten Halbzeit fünf, sechs 100-prozentige Torchancen. Dass wir den Elfmeter nicht verwandeln, passt zu unserer Situation.“ So stand Borussia wieder mal mit leeren Händen da. Wiethölter: „Das ist nicht nur Pech.“
Kaunitz-Coach Levent Cayiroglu: „In der ersten Viertelstunde hatten wir riesiges Glück.“ Danach sei sein Team zwar besser reingekommen, bis zur Pause habe Emsdetten aber weiterhin mehr und bessere Chancen gehabt. Erst in der Phase des Kaunitzer Doppelschlags (62., 65.) „haben wir es besser ausgespielt. Dass der Druck dann natürlich immens wird, war mir ein Stück weit klar“.

