Julius Hölscher: „Ich war verwirrt“

04.04.2026

Fußball: Borusse spricht über sein geklautes Tor gegen Rödinghausen II und das wichtige Kaunitz-Spiel

EMSDETTEN. Jubel-Explosion in der Nachspielzeit. Soeben hatte Julius Hölscher für Borussia Emsdetten zum späten 1:1 eingeschossen. „Ich habe sofort den Ball aus dem Netz geholt und bin Richtung Mittellinie gelaufen. Ich dachte, es geht vielleicht sogar noch mehr“, schildert er. Dann drehte Hölscher sich um, sah, dass seine Teamkollegen entrüstet den Schiri belagerten. Er rätselte, was das alles sollte. „Ich war verwirrt.“

Da war Hölscher nicht der einzige am vergangenen Sonntag im Heimspiel gegen den SV Rödinghausen II. Seit der 75. Minute rannte Borussia Emsdetten einem 0:1-Rückstand hinterher, wollte gegen einen direkten Konkurrenten im Westfalenliga-Abstiegskampf wenigstens noch einen wertvollen Punkt ergattern. Es liefen die letzten Minuten, bei einem Freistoß lauerte auch Hölscher in der gegnerischen Box, spekulierte darauf, dass ihm die Kugel vor die Füße fällt. Genau so kam es. „Ich dachte erst, der Torwart hat den Ball schon sicher. Aber er hat ihn fallen lassen, der Ball war frei.“ Sofort war Hölscher zur Stelle, stocherte das Spielgerät über die Linie, fast zeitgleich ertönte ein Pfiff. Ein Tor-Pfiff, wie Hölscher annahm.

Er irrte. Der Treffer, das vermeintliche 1:1, zählte nicht. Der Referee hatte eine Millisekunde, bevor der Ball die Torlinie überquerte, in seine Pfeife geblasen. Ähnlich wie Hölscher hatte er fälschlich angenommen, der Ball sei bereits eine sichere Beute des Keepers und wollte die Partie rasch für eine Behandlungspause unterbrechen, da ein Gäste-Spieler in der Szene schon geraume Zeit mit einer Kopfverletzung am Boden lag. Später, als sich die Aufregung gelegt hatte, ging es mit Schiedsrichterball weiter (nicht mit indirektem Freistoß, wie die EV falsch geschrieben hatte), Rödinghausens Torwart durfte den Ball entspannt aufnehmen und kurz darauf den 1:0-Auswärtssieg feiern.

„Klar war ich sauer“, sagt Hölscher. Er will aber nicht alle Schuld an der Niederlage beim Schiri abladen, verweist darauf, dass die Borussia in den 90 Minuten genug Chancen hatte, das Spiel auf ihre Seite zu ziehen. Und: „Der Schiedsrichter tut mir auch leid. Er hat bis dahin super gepfiffen und macht es sich dann kaputt.“

Dass Borussia Emsdetten dadurch einmal mehr ohne eigenen Treffer dastand, „kann ich irgendwie nicht mehr hören“, so Hölscher, „es ist die alte Leier: Wenn du unten drinsteckst, passieren solche Sachen.“

Es war Borussias fünfte Liga-Niederlage in Folge. Als Tabellenvorletzter belegt Emsdetten einen der drei Abstiegsplätze. Das Nachholspiel an Ostermontag ab 15 Uhr zu Hause gegen den FC Kaunitz habe daher eine „Super-Bedeutung“, betont Hölscher. „Mit einem Sieg wären wir wieder überm Strich, das gäbe schon mal ein besseres Gefühl. Wenn wir verlieren, ist noch nicht alles den Bach runter, aber es ist auf jeden Fall ein richtungsweisendes Spiel.“

Hölscher glaubt fest an den Klassenerhalt. „Wir haben auf jeden Fall genug Qualität im Kader, müssen es jetzt in Tore und Punkte ummünzen.“ Noch nie in seiner langen Karriere ist der 32-Jährige abgestiegen. Einmal hätte es ihn mit Oberligist FCE Rheine erwischen können, wäre die Saison nicht Corona-bedingt abgebrochen worden, erinnert er sich. Was ihn zuversichtlich stimmt: „Wir sind bei Borussia eine größere Einheit und haben größeren Glauben, als es in der Saison damals beim FCE der Fall war.“

Nach dem letzten Spieltag am 31. Mai beendet Hölscher seine Laufbahn, bestenfalls mit dem Klassenerhalt. Er schließt nicht aus, der Borussia danach noch Standby zur Verfügung zu stehen. Der Verein müsse aber „ohne mich planen“.

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