Der verheerende Fehl-Pfiff

31.03.2026

Fußball: Borussia-Trainer Wiethölter tun nach dem geklauten Punkt seine Spieler leid

EMSDETTEN. Borussia Emsdetten am Tag danach. „Wir wurden definitiv um einen Punkt betrogen“, ärgert sich Trainer Marc Wiethölter noch immer über die irre Szene in der Nachspielzeit. Aus dem Gewühl heraus hatte Jule Hölscher im Westfalenliga-Heimspiel am Sonntag gegen Rödinghausen II zum vermeintlichen 1:1 eingeschossen. Doch quasi zeitgleich kam ein Pfiff von Referee Lucas Kamp dazwischen. Wiethölter: „Er dachte, der Torwart hat den Ball fest. Aber der Ball war frei.“

Grund des übereifrigen Schiri-Pfiffs: Ein Rödinghauser lag mehrere Sekunden lang im eigenen Strafraum mit einer Kopfverletzung am Boden, während um ihn herum der Kampf um den Ball tobte. Kamp wollte die Situation offenbar noch zu Ende spielen lassen und die Partie dann flott für eine Verletzungspause unterbrechen. Wiethölter über das miese Timing: „Wenn es eine Kopfverletzung ist, dann pfeife ich das Ding sofort weg, so wie es in 99 Prozent dieser Fälle ja auch passiert. Dann reden wir heute nicht über diese Szene, sondern darüber, dass wir ein gutes Spiel gemacht, aber unsere Chancen nicht genutzt haben.“

Trotz seiner Schiri-Schelte will der Borussia-Coach keineswegs von den eigenen Mängeln im Torabschluss ablenken. Fakt bleibt aber: Statt eines wichtigen Last-Minute-Remis zu holen, muss Emsdetten im Abstiegskampf mit der 0:1-Pleite den direkten Konkurrenten Rödinghausen II erst mal auf fünf Punkte wegziehen lassen.

Wiethölter: „Ich habe kurioserweise trotzdem gut geschlafen. Ich komme damit klar. Aber an was sollen die Jungs noch glauben? Sie trainieren wie verrückt, opfern ihre Gesundheit und werden nicht belohnt.“ Tom Bovenschulte zum Beispiel lief mit einem vermutlich angebrochenen Zeh auf, Julian Dirks, der Sonntag wegen Unwohlseins fehlte, schleppt sich seit Wochen mit einer Kapselverletzung durch. Wiethölter über seine Spieler: „Das sind gerade die ärmsten Säue unter Deutschlands Sonne.“ Derartiges Personalpech habe er in seiner Trainer-Laufbahn noch nicht erlebt.

Fühlt sich Wiethölter mittlerweile von höheren, dunklen Mächten verfolgt? Er lacht, meint: „Ich glaube nicht an irgendwelche übernatürlichen Sachen. Aber es gibt ja die Floskel, dass sich im Laufe einer Saison alles ausgleicht. Ich bin gespannt, wann es damit endlich losgeht.“ Am besten am kommenden Ostermontag. Mit einem Heimsieg im Nachholspiel gegen Kaunitz wäre Borussia runter von den Abstiegsrängen. Wiethölter weiß, wie wichtig ein Brustlöser, wie wichtig ein Tor wie das am Sonntag in der Nachspielzeit geklaute wäre. Bei der Pressekonferenz nach der Rödinghausen-Niederlage erzählte er den Fans von einem Trainingsspiel am vergangenen Dienstag. Statt der auf sehr kleinem Feld üblichen Torflut dauerte es bis zur 8. Minute, ehe der Ball erstmals im Netz lag. „Dann spielen wir noch zwei Minuten weiter und in diesen zwei Minuten fallen vier weitere Tore. Das ist dieser Knoten, den man lösen muss. Wir müssen uns das erarbeiten.“

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