EMSDETTEN. Jetzt wird Borussia Emsdettens Torflaute tragisch. Mit 0:1 (0:0) verlor der Westfalenligist am Sonntag zu Hause den Keller-Gipfel gegen SV Rödinghausen II. Unfassbar, was in der Nachspielzeit passierte.
Borussia-Torwart Luca Dömer trat einen Freistoß aus dem Mittelfeld hoch in den gegnerischen Sechzehner, ein Rödinghauser sank am eigenen Fünfmeterraum mit Schmerzen zu Boden, das Schiri-Gespann ließ jedoch weiterlaufen. Im Getümmel kickte ein Borusse den Ball ins Netz. Jubel über das Last-Minute-1:1 brandete auf – doch die Freude erstickte sofort wieder. Den Bruchteil einer Sekunde vor dem Treffer hatte Schiri Lucas Kamp abgepfiffen. Laut Borussia-Trainer Marc Wiethölter dachte der Referee, Keeper Hannes Kramp hätte den Ball schon gesichert, wollte daher die Partie für eine Behandlung des verletzten Rödinghauser Feldspielers unterbrechen. Doch ein Borusse – in dem Durcheinander war der Schütze auch für Wiethölter nicht zu erkennen – stocherte Keeper Kramp die Kugel noch weg. Eigentlich ein regulärer Treffer...
„Der Schiedsrichter hat sich bei mir entschuldigt. Kann ich mir dafür was kaufen? Nein“, zürnte Wiethölter. Der Coach bei der Pressekonferenz deutlich: „Wir fühlen uns verarscht.“
Nach der turbulenten Szene ging es mit indirektem Freistoß für Rödinghausen II weiter, wenige Sekunden später ertönte der Abpfiff. Borussia rutscht mit der Niederlage ab auf den vorletzten Tabellenplatz. Das Nachholspiel an Ostermontag zu Hause gegen den Viertletzten Kaunitz gewinnt damit noch mehr an Brisanz.
Emsdetten startete am Sonntag mit vielen Fehlern im Spielaufbau, stresste damit ständig die eigene Abwehr, die aber rund um den überragenden Mattes Langelage immer wieder gut Rödinghausens ballführende Spieler doppelte und so fast alles wegverteidigte. Einmal musste Dömer mit einem starken Reflex gegen Damian Bittner retten (10.).
Beißende Borussen strampelten sich immer besser frei. Bereits in der 8. Minute verschlampte Laurentiu Tuca ein Zuspiel von Kai Deradjat, brachte sich so um eine erstklassige Schuss-Chance. In der 27. Minute erneut der fleißige Tuca: Beherzt lief er Schlussmann Kramp an, wurde von ihm angeschossen, den Abpraller kratzte ein Rödinghauser Feldspieler von der Linie, bei Markus Weidels Nachschuss verhinderte der zurückgeeilte Kramp irgendwie den Einschlag. Es ist zum Verzweifeln: Borussia bekommt die Pille einfach nicht mehr ins Netz. Nach Querpass von Schulte verzog auch Kürsat Özmen aus bester Position (33.). Im zweiten Durchgang tauchte Rödinghausens Schlussmann Kramp auch gut gegen Tucas Schuss aufs kurze Eck ab (67.).
Ansonsten war es nach der Pause eine zerfahrene, chancenarm Partie. Dann aber die 75. Minute. Im Zentrum verdribbelte Deradjat im Spielaufbau den Ball, es folgte der direkte Pass in die Tiefe zu Hendrik Rübartsch, der frei vor Dömer ins lange Eck zum 0:1 traf.
In der Schlussphase hatte Borussia einerseits Glück bei Kontern, einmal rettete die Latte. Andererseits Pech, dass Özmen zwar zum vermeintlichen 1:1 traf, jedoch knapp im Abseits stand. Ganz zu schweigen von der Szene, die kurz danach folgte...
„Ich habe ja schon viel erlebt im Fußball...“
Die Trainerstimmen
-mho-EMSDETTEN. Selten lässt sich Borussia Emsdettens Trainer Marc Wiethölter über den Schiedsrichter aus. Auch seine Kritik nach dem Abpfiff am Sonntag leitete er mit der Feststellung ein, das Gespann habe einen prima Job gemacht. Aber eben nur bis zum Beginn der Nachspielzeit. „Ich habe ja schon viel erlebt im Fußball“, sagte ein fassungsloser Wiethölter, der die Umstände rund um das geklaute Tor „unfassbar“ fand. Die Chance von Markus Weidel in der 27. Minute nannte er „eine Tausendprozentige. Ich weiß nicht, wie der Torwart den noch gehalten hat“. Auch Özmen und Tuca vergaben Möglichkeiten. Wiethölter: „Die Jungs, die die Dinger nicht machen, machen sich selbst am meisten Vorwürfe. Ich bin davon überzeugt, dass der Knoten platzen wird. Die Jungs werden weiterhin hart dafür arbeiten, dass kann ich versprechen.“
Michel Ciomber, Trainer von SV Rödinghausen II: „Es war viel Kampf, viele hohe Bälle, viele Zweikämpfe. Wir sind in dieser Tabellensituation froh, dass wir die drei Punkte ziehen konnten.“

