EMSDETTEN. Paukenschlag bei Borussia Emsdetten: Silas Burke kehrt im Sommer zurück! Der Stürmer hatte den Westfalenligisten Mitte 2025 im Streit verlassen, das Tischtuch schien für alle Zeiten zerschnitten zu sein. Jetzt die überraschende Wende.
Grund des Ärgers vor einem Jahr: Burke hatte im November 2024 zugesagt, bei Borussia zu bleiben. Im Mai 2025 trat er jedoch von seinem Wort zurück, nahm das sportlich verlockende Angebot des niedersächsischen Oberligisten TuS Bersenbrück an. Der damalige Borussen-Coach Roland Westers tobte, strich Burke für die letzten beiden Saisonspiele aus dem Kader. Auch bei der offiziellen Verabschiedung aller scheidenden Spieler wurde der Angreifer ignoriert.
Borussias Sportleiter Hans-Dieter Jürgens über das damalige Zerwürfnis: „Ist passiert, war nicht schön. Ist aber kein Grund, jemanden lebenslänglich zu verurteilen. Jeder hat eine zweite Chance verdient. Wer ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein.“ Nicht alle im Verein fänden die Rückholaktion prickelnd, letztlich habe in der Führungsetage aber der Tenor geherrscht: Wir machen es.
Einer, der für Burke gekämpft hat: Marc Wiethölter, seit Juli 2025 Westers‘ Nachfolger auf der Trainerbank. Auch er sei damals „mega enttäuscht“ gewesen, als er vom kurzfristigen Weggang des Mittelstürmers erfuhr. „Ich kann aber auch verstehen, wenn jemand sportlich das Maximum anstrebt.“ Für Borussias Sportliche Leitung bedeutete es damals, unter Zeitdruck einen Burke-Nachfolger zu finden. Das gelang mit Kürsat Özmen.
Doch wie kommt es nun zur Rückkehr? Bei Borussias Training am 13. Februar berichtete Mittelfeld-Regisseur Kai Deradjat seinem Coach, er sei mit seinem Ex-Teamkollegen Burke Kaffee trinken gewesen. Wiethölter dazu: „Trotz der negativen Begleitumstände damals war Silas mit den Jungs immer fein. Er war auch mit auf der Saison-Abschlussfahrt, hat zu vielen noch guten Kontakt.“ Bei einigen Borussia-Spielen schaute Burke in dieser Saison als Zaungast zu. Wiethölter erfuhr: „Er hat seinen Wechsel bereut.“ In Bersenbrück erhält der 24-Jährige kaum Einsatzzeit.
Burke selbst sagt über das Treffen mit Deradjat, mit dem er gut befreundet sei: „Wir haben über die allgemeine Situation gesprochen. Kai hat rausgehört, dass ich in Bersenbrück nicht so zufrieden bin. Ich habe ihm gesagt: ,Du kannst es beim Training ja mal Marc erzählen‘.“
Nach Deradjats Tipp, so Marc Wiethölter, „habe ich den Kontakt zu Silas gesucht. Wohl wissend, dass es nicht einfach wird.“ Grund dafür sei eben die Vorgeschichte und damit einhergehende Skepsis im Verein. Vom Vorstand gab es schließlich Grünes Licht, jedoch verbunden mit der Bitte: „Frag erst noch die Jungs.“ Also holte Wiethölter die Meinung seiner Spieler ein. Ergebnis: „Silas wird von der Mannschaft und von mir mit offenen Armen empfangen.“
Warum zieht es Burke zurück zu seinem Ex-Verein? „Ich habe damals bei meinem Abschied ja schon gesagt, dass ich mich bei Borussia immer wohlgefühlt habe. Ich habe immer gespielt, man hat mich geschätzt. Ich glaube, das braucht man als Stürmer, um Leistung zu bringen.“
Er sei „sehr froh, dass es geklappt hat“, sagt der Osnabrücker über seine anstehende Rückkehr. Allen, die wegen damals noch Groll verspüren, reicht Burke die Hand. „Ich glaube, wenn man mal beim Bierchen spricht, gibt es nichts, was sich nicht klären lässt.“ Seinem Ex-Trainer Roland Westers sei er vor einer Woche erst am Rande des Pokalspiels der Borussia gegen den FC Eintracht Rheine über den Weg gelaufen. „Wir haben uns die Hand gegeben und Hallo gesagt.“ Ur-Borusse Westers, dessen Meinung im Verein hohes Gewicht hat, will sich auf EV-Nachfrage zu dem ganzen Thema nicht mehr äußern.
Burke über den damaligen Streitpunkt, dass er sich trotz Zusage doch noch für einen Wechsel entschied: „Problem war, dass die Anfrage aus der Oberliga sehr spät kam. Damit hatte ich nicht gerechnet, wollte es probieren.“
Angenommen, er sagt im November 2026 für die darauffolgende Saison zu: Wie sehr kann sich Borussia dann darauf verlassen? Burke lacht, antwortet: „Zu 110 Prozent. Man lernt ja dazu.“
Vereins-Boss Helmer: „Herzlich willkommen zurück“ Normalerweise hält sich Borussia Emsdettens Vorsitzender Henrik Helmer aus sportlichen Belangen raus. Im Fall der Rückkehr von Silas Burke aber war es dem Vereins-Boss wichtig, beim entscheidenden Gespräch der Sportlichen Leitung (Hans-Dieter Jürgens und Marcel Langenstroer) mit dem Spieler dabei zu sein. Helmer wollte als Vertreter des Vorstands heraushören, wie viel Konfliktstoff in der Personalie noch steckt. Schnell merkte er: Es ist schon reichlich Gras über Burkes unglücklichen Abgang von 2025 gewachsen. „Sein Abschied vor einem Jahr hat in dem Gespräch vielleicht noch zwei Minuten Raum eingenommen“, berichtet Helmer. Wichtig ist ihm auch, dass es zwischen Burke und der Mannschaft nie ein Problem gab. Sein Fazit daher: „Herzlich willkommen zurück. Wir freuen uns, dass er wieder das Borussia-Trikot tragen wird.“ Beschwichtigend und mit einem Lächeln merkt Helmer zudem an: „Mir fallen spontan drei andere Personalien ein, bei denen die Trennung auch nicht so gut lief, die aber alle irgendwann zurück zu Borussia gekommen sind.“ Silas Burkes Ein-Jahres-Vertrag gilt Liga-unabhängig. Laut Trainer Marc Wiethölter sind Borussias Personalplanungen für die nächste Saison damit abgeschlossen.

