-mho-EMSDETTEN. Plötzlich brach hektische Betriebsamkeit an Borussia Emsdettens Trainerbank aus. Ein Betreuer eilte während der ersten Halbzeit Richtung Umkleidetrakt, kam kurz darauf mit einem kleinen Behälter in der Hand zurück. Offensivmann Vincent Schulte(Bild) war am Sonntag in der Partie beim VfL Theesen eine Kontaktlinse rausgefallen. In einer Spielunterbrechung versuchte er, das schnell herangeholte Ersatzteil in seinem linken Auge zu platzieren, ein Teamkollege hielt ihm ein Handy als Spiegel hin. Es klappte nicht. Fluchend rannte Schulte zurück aufs Feld. In der Halbzeitpause hatte er dann genug Ruhe, die neue Kontaktlinse einzusetzen.
An sich eine amüsante Anekdote. In Borussias augenblicklicher Situation jedoch nur ein weiteres Beispiel aus der Kategorie Pleiten, Pech und Pannen. Mit der 0:2-Auswärtsschlappe rutschte der Westfalenligist am Sonntag auf einen Abstiegsplatz ab. Schon vor dem Anpfiff hatte es einen personellen Ausfall gegeben: Chefcoach Marc Wiethölter konnte krankheitsbedingt den Weg nach Bielefeld nicht mit antreten. Kurz vor dem Pausenpfiff musste Sechser Mats Hagel verletzt vom Platz. „Er ist hängen geblieben, hat sich das Knie verdreht“, erklärte Co-Trainer Tim Plottek Und wäre in der 78. Minute Arne Moselages Kopfball nicht an der Latte, sondern ein paar Zentimeter tiefer zum 1:1 im Netz gelandet, hätte Borussia gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf einen wertvollen Punkt mitnehmen können.
Aber: „Es läuft momentan einfach nicht für uns“, haderte Kapitän Hendrik Ohde. Er selbst musste nach seiner Tätlichkeit bei der 0:3-Niederlage gegen Maaslingen zuschauen, verpasst auch die nächsten drei wichtigen Spiele gegen Rödinghausen II, Kaunitz und Soest, die alle im Tabellenkeller mit drinstecken.
Ohde zur Pleite beim VfL Theesen: „Das Spiel haben wir nicht in der Verteidigung verloren, sondern vorne. Du musst hier drei, vier Tore machen, dann läuft es ganz anders. Wir hatten klare Dinger. Und wenn man überlegt, wie oft wir auch den vorletzten Ball nicht sauber gespielt haben, dann hätten wir noch fünf, sechs klare Chancen mehr rausspielen können.“ Der holprige Rasen in Theesen machte es beiden Mannschaften allerdings auch nicht leicht.
Borussia steht nach 20 Westfalenliga-Spielen bei schwachen 16 Toren. Zweitschlechtestes Team in dieser Hinsicht ist Schlusslicht Kaunitz, mit satten zehn Treffern mehr (26) als Borussia. Emsdettens erfolgreichster Schütze ist mit sechs Saisontoren Kürsat Özmen. Am Freitag wurde bekannt, dass er die Borussia im Sommer Richtung Liga-Konkurrent Westfalia Kinderhaus verlassen wird (die EV berichtete).
„Ich kann seine Gedanken nachvollziehen“, sagt Sportleiter Hans-Dieter Jürgens über Özmens Abschied. In den meisten Spielen setze Borussia auf Umschaltmomente. „Dafür ist er nicht der richtige Spielertyp, er kommt nicht übers Tempo, sondern braucht eine offensive Mannschaft“, erklärt Jürgens. Und betont, der erst vor dieser Saison verpflichtete Stürmer habe sich „bei uns gut eingefügt, war nie ein Störfaktor, hat sich nichts zuschulden kommen lassen“.
Özmens Abschied bedeutet, dass Borussia auf dieser Position zur nächsten Saison dringend personell nachlegen muss. Jürgens dazu: „Ist uns bewusst und wird auch geschehen.“
Der Sportleiter ist optimistisch, dass Borussia die Klasse halten wird. „Uns fehlt im Moment das Glück. Das wird sich aber wieder drehen, im Laufe einer Saison gleicht sich das immer aus. Von der Spielstärke her gehören wir in dieser Liga nicht zu den drei schwächsten Mannschaften.“

