EVZ Marius Holthaus - BIELEFELD.
Es ist passiert. Westfalenligist Borussia Emsdetten ist unter den Strich gerutscht. Das 0:2 (0:1) am Sonntag bei Keller-Konkurrent VfL Theesen war im vierten Punktspiel nach der Winterpause die vierte Niederlage. Einziger Borussen-Treffer in diesem Zeitraum war ein Neuenkirchener Eigentor. Auch in Theesen wurde Emsdetten die Abschluss-Seuche zum Verhängnis.
Bild: Drin oder nicht drin? In der 57. Minute zog Vincent Schulte eine Ecke von rechts scharf auf den kurzen Pfosten, Theesens Torwart Luis Weber löffelte den Ball mit der rechten Hand weg. Viele Borussen wähnten die Kugel hinter der Linie, das Schri-Gespann ließ weiterspielen.
Nach dem Abpfiff versammelte Co-Trainer Tim Plottek, der den krankheitsbedingt kurzfristig ausgefallenen Chefcoach Marc Wiethölter vertrat, seine am Boden liegende Truppe um sich. „Wir müssen jetzt...“ war aus seiner Ansprache mehrfach herauszuhören. Vor allem punkten muss die Borussia jetzt. Die nächsten drei Partien gegen direkte Konkurrenten werden richtungsweisend sein, darunter das Nachholspiel an Ostermontag gegen Schlusslicht Kaunitz. Insgesamt zehn Spiele Zeit hat Borussia noch.
In Theesen lief Emsdetten einem frühen Rückstand hinterher. In der 14. Minute konnte Keeper Luca Dömer gegen Riad Bentria noch klären, doch zwei Minuten später zog Timo Niermann einen Freistoß scharf in Borussias Box, wo Rodi Kirici den Ball ungestört per Kopf in die Maschen verlängerte – das 1:0 (16.). Fast die prompte Antwort: Vincent Schulte trat einen Freistoß Richtung zweiter Pfosten, Mattes Langelage köpfte freistehend aus sechs Metern am kurzen Eck vorbei (19.). Dicke Ausgleichschance vertan.
Aus dem Spiel heraus taten sich die Gäste wieder mal schwer. Ihr Passspiel auf dem holprigen Rasen führte vor allem vor der Pause ständig zu Ballverlusten. In der 45. Minute kombinierten sie sich zwar mal fein durch, dann aber wurden Borussias Mängel im letzten Drittel offensichtlich: Schultes Pass in die Mitte fand keinen Abnehmer, trotzdem kam Kai Deradjat aus 17 Metern zentraler Position frei zum Schuss, brachte mit seinem schwächeren linken Fuß aber nur ein Schüsschen zustande.
Nach der Pause nahm Borussias das Heft immer mehr in die Hand, konnte bis in die Nachspielzeit hinein auf einen Punkt hoffen, weil Theesen mehrere erstklassige Konterchancen versemmelte. Regisseur Deradjat ließ sich oft weit fallen, um seine Vorderleute mit langen Bällen zu füttern. Wie in der 55. Minute, als er links Laurentiu Tuca auf die Reise schickte, der hatte im Strafraum viel Platz – doch wie so oft folgte ein Borussia-Pass ins Nichts.
Emsdetten musste es über Standards versuchen. Schulte zog eine Ecke auf den kurzen Pfosten, Theesens Tormann Luis Weber kam mit Mühe noch ran. Oder war der Ball schon hinter der Linie? Das Gespann ließ weiterlaufen (57.). Dann die dickste Emsdettener Chance: Nach Deradjat-Freistoß klatschte Arne Moselages Kopfball-Aufsetzer an die Latte, den Nachschuss setzte Jan Fislage drüber (78.).
Plottek konsterniert: „Du darfst hier nicht als Verlierer und nicht mit null Toren vom Platz gehen.“
Die Theesener waren in puncto Kaltschnäuzigkeit zwar nicht gerade ein Vorbild, schafften es in der 4. Minute der Nachspielzeit aber doch noch, einen ihrer Konter zu nutzen, Allesio Giorgio gab mit dem 2:0 Borussia den Rest.
„Mir fallen fünf, sechs Dinger ein“
Die Trainerstimmen: Meiner Meinung nach waren wir die klar bessere Mannschaft in diesem Spiel“, meinte Borussia Emsdettens Co-Trainer Tim Plottek . „Mir fallen fünf, sechs Dinger ein, wo wir eine Riesenchance haben oder der letzte Ball nicht ankommt. Am Ende machen wir auf und kriegen das 2:0.“ VfL Theesens Coach Engin Acar (kl. Foto) trauerte den Konterchancen in der zweiten Halbzeit hinterher, bei denen seine Jungs an Borussias Keeper Dömer oder an sich selbst gescheitert waren: „Das Spiel muss frühzeitig mit dem 2:0, 3:0 klargemacht werden. Wir haben es leider lange offen gelassen, aber mit der letzten Aktion den Deckel draufgemacht. Am Ende ist wichtig, dass wir drei Punkte geholt haben. Das war die Vorgabe für heute.“ Der Gast aus Emsdetten sei vor allem bei Standards gefährlich geworden.

