„Ich war sehr, sehr geschockt“

21.02.2026

Borusse Henrik Laumann beschreibt im Interview, wie ihm sein zweiter Kreuzbandriss zusetzt

EMSDETTEN. Ein Kreuzbandriss ist für Sportler großer Mist. Zwei Kreuzbandrisse sind mega Mist. Das weiß niemand besser als Henrik „Henne“ Laumann. Borussia Emsdettens Westfalenliga-Fußballer hat am Mittwoch die bittere Diagnose erhalten. Nachdem es ihn vor Jahren schon im rechten Knie erwischt hatte, ist es nun im Testspiel bei Westfalia Kinderhaus links passiert.

Im Interview spricht der 26-Jährige über Gedanken ans Karriereende, über mutmachende Nachrichten von Fußballer-Kollegen und darüber, was er in nächster Zeit alles vermissen wird.

Wie geht‘s, Henrik?

Henrik Laumann (26): Die ersten zwei Tage nach der Diagnose waren hart, da war ich sehr, sehr geschockt. Ich hatte ja schon geahnt, dass es etwas Schlimmeres ist. Aber wenn du es dann schwarz auf weiß liest, ist es ein Schlag in die Fresse. Es wird mittlerweile besser. Ich habe viele Gespräche mit Freunden, Mitspielern, Trainer und Arbeitskollegen geführt. Das tut gut.

 

Unmittelbar nach der Diagnose am Mittwoch hast du laut Trainer Marc Wiethölter die Beendigung deiner Karriere in Betracht gezogen. Wie denkst du zwei Tage später darüber?

Laumann: Es ist immer noch schwierig. Ich brauche Zeit, mir darüber klar zu werden, wie es weitergeht. Seit ich ein Kind war, spiele ich Fußball. Ich will jetzt keinen Schnellschuss machen, sondern erst mal abwarten, wie die Operation, um die ich wohl nicht herumkomme, und die Reha verlaufen.

 

Was spräche dafür, die Schuhe an den Nagel zu hängen?

Laumann: Es ist einfach bitter, mit 26 Jahren schon im rechten und linken Knie einen Kreuzbandriss gehabt zu haben. Es ist ein gewisses Risiko dabei, nach solchen Verletzungen weiter die Knochen hinzuhalten. Es gibt ja noch ein Leben nach dem Fußball. Ich will nicht mit 35 Jahren mit zwei schrotten Knien rumlaufen.

 

Wann war dein erster Kreuzbandriss?

Laumann: Das müsste in der B-Jugend gewesen sein. Nach einem Spiel hatte ich schon Probleme im rechten Knie, habe aber noch zwei Wochen damit rumgehampelt und weitergespielt. Im Pokalfinale gegen den FCE wollte ich dann ins Kopfballduell gehen, beim Rückwärtslaufen hat es gekracht. Ich weiß nicht, ob vorher vielleicht nur der Meniskus gerissen oder das Kreuzband angerissen war. Auf jeden Fall war es durch.

 

Wie ist es nun am 7. Februar in Kinderhaus im linken Knie passiert?

Laumann: Jule Dirks hat einen Kinderhauser Steckpass abgefangen. Ich wollte mich umdrehen und nach vorne rennen. Ich glaube, ein Gegner hat mich dabei minimal am Fuß berührt, dadurch war die Drehbewegung vielleicht nicht optimal. Als es einen Knall gab, wusste ich direkt Bescheid, dass was Schlimmeres passiert ist.

 

Nach der Diagnose eineinhalb Wochen später haben sich viele Leute bei dir gemeldet. Irgendeine Nachricht, die dich besonders gefreut oder gerührt hat?

Laumann: Ich freue mich über jeden, der in so einem Moment an mich denkt. Laui (Mitspieler Laurentiu Tuca) hat persönlich angerufen, das fand ich stark. Cool auch, dass ehemalige Mitspieler wie Jost Meinigmann, Marius Klöpper und Tobias Klostermann geschrieben bzw. eine Sprachnachricht geschickt haben.

 

Wie bitter ist es für dich, diese schwere Verletzung zum zweiten Mal durchmachen zu müssen?

Laumann: Wer mich kennt, weiß, wie selbstkritisch und ehrgeizig ich bin. In bin jetzt im besten Fußballer-Alter, wollte noch mal richtig angreifen. An trainingsfreien Tagen war ich regelmäßig im Fitnessstudio, um körperlich zuzulegen, in dem Punkt hatte ich noch Luft nach oben und bin gut vorangekommen. Es ist brutal, wenn man dann so ausgebremst wird. Und wenn man monatelang auf dem Platz den anderen nicht helfen kann.

 

Du wirst dich aber vermutlich regelmäßig am Platz blicken lassen?

Laumann: Natürlich. Trotzdem ist es ultra schade, dass die soziale Interaktion mit den anderen jetzt auf unbestimmte Zeit etwas einschlafen wird. Da hängt ja viel mehr dran als nur Fußball. An Spieltagen sonntags so viele tolle Menschen wie Eltern, Freunde und ehemalige Borussen zu treffen, war mir auch immer wichtig. Oder die Fahrgemeinschaft aus Münster, primär mit Vincent Schulte und Jule Dirks, in dieser Saison sind auch Max Siepmann und unser neuer Torwart Julian Moczygemba dazugekommen. Das wird mir alles fehlen.

 

Du bist auf dem Platz als Kilometer-Fresser bekannt. Dein Ex-Trainer Roland Westers hat mal über dich gesagt: „Henne will laufen, laufen, laufen, laufen. Wenn Henne nicht laufen kann, dann hat Henne keinen Spaß.“

Laumann: Damit hat er schon recht. In der Jugend war ich Zentrums-Spieler. Diese Positionen waren aber stark besetzt, als ich hoch zu den Senioren gekommen bin. Da hat man mich dann auf außen ausprobiert. Positionen, auf denen ich nicht viel laufen kann, sind aber nix für mich. Da wird mir langweilig.

 

Warum bist du nicht Marathonläufer geworden?

Laumann: So etwas Ähnliches hat Jule Hölscher auch mal gesagt, als ich bei Lauftests vorneweg gelaufen bin. Tatsächlich plane ich, irgendwann nach meiner Karriere einen Marathon zu laufen. Am liebsten in Münster.

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