Trainer Marc Wiethölter ist seit Saisonbeginn die Fußballer von Borussia Emsdetten in der Westfalenliga verantwortlich. | Foto: Thomas Strack
Seit bald acht Monaten trägt Marc Wiethölter als Trainer bei Borussia Emsdetten Verantwortung. Nach fünf Jahren in der Wohlfühloase beim SC Altenrheine wagte der 48-Jährige den Schritt eine Liga höher zum Fußball-Westfalenligisten, wo er die Nachfolge von Roland Westers antrat. Nach 16 Saisonspielen steht aktuell Platz elf auf seinem Arbeitsnachweis, wobei das Fünf-Punkte-Polster zur Abstiegszone kein Ruhekissen ist. Wiethölter kommt aus der Fußballjugend von Eintracht Rodde, spielte nach dem Umzug ab der E-Jugend für Westfalia Hopsten, trainierte in der Kreis- und Westfalenauswahl unter Paul Schomann und trug als C- und B-Junior sogar das Trikot von Preußen Münster, ehe es in der U19-Zeit wieder zu Westfalia Hopsten zurückging. „Mit 16 Jahren fing es dann mit meinem Verletzungswahnsinn an“, waren vor allem die Kniegelenke „nicht für den Leistungssport geschaffen“. Früh setzte er daher auf die Trainerkarte, coachte in Hopsten die A-Jugend und das Bezirksligateam, ehe er 2010 bei Eintracht Rodde einstieg. Von 2014 bis 2020 coachte er den TuS Recke in der Bezirksliga, dann ging es für fünf Jahre zum SC Altenrheine.
Wie es dem B-Lizenz-Inhaber am Teekotten gefällt, er das schwierige Werben um Neuzugänge einordnet und mit Alkoholfahnen seiner Spieler umgeht, verriet er im Interview mit Sportredakteur Dirk Möllers.
Wie hat Marc Wiethölter Karneval gefeiert?
Marc Wiethölter: In diesem Jahr tatsächlich gar nicht. Ich mag den Karneval schon, aber ich muss nicht zwingend feiern. Ich habe am vorletzten Samstag erstmals als Gast Borussen-Karneval im C-Dur gefeiert, das hat Spaß gemacht. Nach unserem Test am Samstag habe ich mir mal ein langes Wochenende gegönnt.
Gab es für Ihre Spieler bestimmte Verhaltensmaßregeln während der närrischen Zeit?
Wiethölter: Nein! Da Emsdetten ja eine Hochburg in dieser Hinsicht ist, habe ich keinen zurückgehalten. Wer feiern will, soll feiern.
Wie reagieren Sie, wenn Sie am Spieltag bei einem Ihrer Schützlinge eine Fahne riechen?
Wiethölter: Der wird bei mir nicht spielen, das ist einfach so. Bei einem Testspiel mit Personalmangel müsste ich schauen, aber ich möchte mir das gar nicht vorstellen. So ein Verhalten hätte auf jeden Fall Konsequenzen.
Fünf Tage vor dem Start gegen Kaunitz: Wie steht es um die Form der Borussia?
Wiethölter: Schwer einzuschätzen. Wir haben viele Jungs, die aus verschiedenen Gründen nicht zur Verfügung stehen, weil sie entweder langzeit- oder kurzzeitverletzt oder krank sind. So eine Vorbereitung hatten wir lange nicht mehr. Woche für Woche schlugen wir uns mit elf bis zwölf Feldspielern plus Torhütern rum. Zuletzt haben wir uns dazu entschlossen, für den Trainings- und Spielbetrieb zwei bis vier Spieler der 2. Mannschaft dazuzunehmen.
Borussias bester Torjäger in dieser Saison ist Kürsat Özmen. Wie beziffern Sie die Chancen, mit ihm zu verlängern?
Wiethölter: Wahrscheinlich so fifty fifty. Kurt (Özmen/d. Red. ) hat von Anfang an mit offenen Karten gespielt. Er schielt schon ein bisschen nach oben, was vielleicht in einer höheren Liga geht. Aber er pokert nicht. Wir haben ihm noch kein Ultimatum gesetzt, sondern wollen erst mal in die Rückrunde starten und sehen, wie es für uns läuft.
Nachdem Özmen in der Hinrunde zwei Elfmeter verschoss: Haben Sie schon einen neuen Schützen bestimmt?
Wiethölter: Nein, ich bin in dieser Herangehensweise nicht der große Bestimmer, wobei ich das sicherlich mit den Jungs noch mal thematisiere. In der Vorbereitung darf Kurt gerne wieder zum Punkt gehen. Ich werde aber auch definitiv nichts dagegen sagen, wenn Kai (Deradjat/d. Red. ) oder Henni (Hendrik Ohde/d. Red. ) schießen. Ich bin da in der Vergangenheit nicht gut mit gefahren, einen Schützen zu bestimmen.
Auch Christian Biermann (GW Amisia Rheine) lag ein Angebot Ihres Vereins vor. Warum konnten Sie den Stürmer nicht von einem Wechsel überzeugen?
Wiethölter: Es gab wohl Gespräche, aber wir haben ihm kein konkretes Angebot gemacht. Es gibt zwischen Christian, Cello (Marcel Langenstroer/d. Red. ) und mir eine besondere Verbindung. Ich spreche mit Christian jedes Jahr, weil ich ihn von klein auf kenne, hatte aber auch in diesem Winter wenig Hoffnung, weil ich früh gemerkt habe, dass er sich bei GWA wohlfühlt.
Wie schwierig ist es, im Spannungsfeld mit den weiteren Westfalenligisten SV Mesum und SuS Neuenkirchen sowie dem FCE Rheine an Westfalenliga-taugliche Neuzugänge zu kommen?
Wiethölter: Definitiv nicht einfach, wobei ich das gar nicht allein an diesen Konkurrenten festmache. Es gehen auch Spieler in die Bezirksliga. Allgemein ist es immer schwieriger, wenn man nicht mit dem großen Geldbeutel unterwegs ist, Spieler zu überzeugen. Wir bei Borussia versuchen auch anderer Wege, beispielsweise bieten wir Hilfe bei der Berufswahl an. Andersherum werden wir demnächst einen Spieler bekommen, der auch beim SuS Neuenkirchen und beim SV Mesum auf dem Zettel steht, die Zusage habe ich. Allgemein hat die Wechselbereitschaft abgenommen. Man muss am Ball bleiben. Uns tut die Verpflichtung von Christian Bienemann als Co-Trainer beim FCE weh, der ist gut vernetzt. Ich glaube, Mattes Langelage wäre nicht zwingend ein Thema beim FCE geworden, wenn Christian nicht zum FCE gekommen wäre. Er hat Mattes vorher mehrmals bei uns gesehen.
Nach fünf Jahren beim SC Altenrheine in der Landesliga: Wie unterscheidet sich das Training beim Westfalenligisten?
Wiethölter: Nicht großartig, was das Training anbelangt, aber die Vereine unterscheiden sich natürlich. Dazu habe ich hier ein komplett neues Trainerteam, mit Sascha Guetat als Athletiktrainer und in Tim Plottek einen hervorragenden Co-Trainer. In Altenrheine gibt es gewachsene Strukturen und viele gute handelnde Personen. Ich habe Guido Göcke damals mit dem Auge als späteren Chefcoach zum SCA geholt. Die Mannschaft ist gewachsen. Da haben wir bei Borussia noch ein bisschen Arbeit vor uns, weil ein großer Umbruch vollzogen wurde. Aber wir sind ein reiner Fußballverein, das ist auch eine gute Sache.
Mit dem SC Altenrheine feierten Sie im vergangenen Mai den Kreispokalsieg. Gelingt Ihnen als Trainer von Borussia nun das persönliche Double?
Wiethölter: Sehr gerne! Wir haben ja ein leichtes Viertelfinale mit dem FCE als Gegner (lacht ).
Schaut man sich Ihre Trainerstationen an, ging es bei jedem Wechsel eine Liga höher: Trauen Sie sich auch einen Oberligisten zu?
Wiethölter: Grundsätzlich traue ich mir recht viel zu, aber ich bin ja keine One-Man-Show. Mir ist wichtig, im Umfeld mit Leuten zu arbeiten, die den Weg mit mir gehen wollen, aber ich habe keinen Karriereplan. Theoretisch kann ich mir vieles vorstellen, sogar nochmal Kreisliga A. Ich weiß nur, dass ich mit 60 Jahren nicht mehr an der Linie stehen werde. Im Augenblick macht es Spaß, mit jungen Spielern zu arbeiten. Wichtig ist nur: Wenn ich irgendwo gehe, will ich im Guten gehen und mich später dort am Platz sehen lassen können.
Mit Emsdetten 05 wächst der Stadtrivale zu alter Stärke zurück: Gönnen Sie Daniel Apke und Co. den Erfolg?
Wiethölter: Ja. Ich hätte nichts gegen ein Derby in der Westfalenliga. Die Voraussetzungen schaffen sie gerade, nicht nur mit den Neuzugängen. Hut ab, wie sie das hinbekommen! Wer Appi (Trainer Daniel Apke/d. Red. ) kennt, weiß, dass er Mannschaften entwickeln kann und Erfolg haben wird.
Mit Semih Daglar und Julin Muthulingam wechseln zwei Torjäger aus der Westfalenliga zum Konkurrenten: Sind Sie neidisch auf die finanziellen Möglichkeiten des Nachbarn?
Wiethölter: Natürlich hätte ich Julin gerne am Teekotten gesehen, aber wir können uns ihn nicht leisten, zumal er mir schon letztes Jahr abgesagt hatte. Es gibt bei 05 viele interessante Spieler, die uns helfen würden. Ich bin froh, dass wir gute Dinge eingetütet haben und hoffe, dass wir noch zwei, drei Jungs bekommen. Die Finanzen sind bei uns auch nicht schlecht, aber es muss im Rahmen bleiben.
Mit welchen Vorzügen kann Borussia beim Kampf um Neuzugänge werben?
Wiethölter: Mit einer entwicklungsfähigen Mannschaft, einem Umfeld bei Heimspielen, wo man vor Minimum 250 bis 300 Zuschauern spielt. Mit einer wunderschönen Sportanlage, mit Visionen und Zielen, dass wir uns in der Westfalenliga festigen und in ein, zwei Jahren dauerhaft im oberen Drittel dabei sein wollen. Wir freuen uns über Spieler, die diesen Weg mitgehen wollen. Wenn mittelfristig dann noch der Kunstrasen gebaut wird, sieht unsere Anlage mega aus.

