Christoph Niemeyer
KINDERHAUS. „Endlich wieder spielen.“ Marc Wiethölter, Trainer des Westfalenligisten Borussia Emsdetten, atmete auf, freute sich, dass das Testspiel am Samstag bei Westfalenliga-Spitzenreiter Kinderhaus stattfand, waren doch zuvor vier Partien ausgefallen. „Mal schauen, wie lange wir hier mithalten können“, ahnte der Coach kurz vor dem Anpfiff, dass sein Team vor allem in der Defensive gefordert würde.
Der Mann hat Ahnung. Denn die Partie wurde klar von Gastgeber Westfalia Kinderhaus dominiert. Der Tabellenführer war spielerisch, läuferisch und im Abschluss besser als Liga-Konkurrent Borussia und gewann mit 4:0 (1:0). „Verdienter Westfalia-Sieg, aber ein wenig zu hoch“, befand Wiethölter nach dem Abpfiff.
Sechs Minuten waren auf dem Kunstrasen gespielt, da verletzte sich Henrik Laumann ohne Gegnereinwirkung am linken Knie, musste gestützt auf zwei Kollegen vom Platz humpeln. „Verletzter Nr. 11, ich könnte kotzen“, fluchte der Coach am Rand.
Die Borussen, im 4:4:2 formiert, wurden von Kinderhaus in die Defensive gedrängt, kämpften und lauerten auf Umschaltmomente.
Doch Westfalia gelang die Führung: Toller Diagonalpass, Borusse Arne Moselage stand falsch, Orschel leitet das Leder direkt in den Lauf von Trapp weiter, der sich frei vor Keeper Luca Dömer die linke Ecke aussuchte – 1:0 (19.). Es hätte noch deutlicher werden können. Doch der künftige 05er Semih Daglar traf nur den Pfosten (25.) und aus Abseitsposition ins Netz (44.). Zudem scheiterte Orschel nach Fehlpass des in der 1. Hälfte indisponierten Jule Hölscher gleich dreimal in Folge am glänzend parierenden Luca Dömer (39.).
Auch die Borussen hatten Chancen, „aber da fehlte mir die Gier, das Tor unbedingt machen zu wollen“, monierte Coach Wiethölter. Vincent Schulte verweigerte den Abschluss mit dem rechten Fuß, dann verzog Kürsat Özmen (43.), der es zuvor schon zweimal aus 35, 40 Metern direkt versuchte, aber kein Schussglück gehabt hatte.
Zu Beginn der 2. Hälfte hatte Jule Hölscher nach klasse Hackenpass des eingewechselten Florian Altemöller die Großchance zum Ausgleich, verzog aber knapp (53.). Kai Deradjat versuchte es nach einem Fehlpass des Westfalia-Keepers aus der Distanz direkt – doch auch das misslang deutlich (57.). Zwei Minuten später hatte Samir Haxha nach feinem Solo Pech, als er knapp verzog (59.).
Danach dominierte wieder die Westfalia, auch weil Borussia ein Geschenk verteilte. Mattes Langelage schoss im Borussen-Strafraum Isert an, von dem prallte der Ball ins lange Eck zum 2:0 (67.). Nur zwei Minuten später patzte Langelage erneut, doch diesmal verhinderte der 41-jährige Lars Dömer gegen Orschel den nächsten Einschlag.
In der 72. Minute war er allerdings machtlos, als Witt das Chaos in der Borussen-Defensive mit einem satten Schuss unter die Latte zum 3:0 beendete. Beim Treffer zum 4:0-Endstand (81.) schauten die Borussen-Verteidiger ihren gut kombinierenden Gegnern nur zu, bis Orschel das Westfalia-„Tiki-Taka“ mit einem Schuss ins kurze Eck abschloss.
„Besser jetzt im Test ein 0:4 als im Punktspiel“, erklärte Borussia-Trainer Wiethölter kurz nach dem Abpfiff, hatte seine Mannschaft doch in der Meisterschaft beim 2:2 und 0:0 gegen Kinderhaus jeweils einen wichtigen Punkt geholt. Im Test am Samstagnachmittag kamen die Emsdettener aber für ein Remis nie infrage.

