Christoph Niemeyer
EMSDETTEN. Die Winter-Vorbereitung – die fieseste Zeit für Fußballer. Und ihre Trainer. Denn die Plätze dürfen/können oft nicht fürs Training benutzt werden. Erst recht, wenn der Verein keinen Kunstrasenplatz hat – wie die Borussen. Da ist der Coach ständig auf der Suche nach sinnvollen Alternativen, die am besten auch noch Spaß machen sollen.
Tom Schölling, Trainer der Borussen-Reserve, hat eine gefunden: Hyrox-Training! Dreimal, jeweils am Donnerstagabend von 19 bis 21.30 Uhr, steht das im Vorbereitungs-Plan der A-Ligatruppe vom Teekotten.
Hy... was? Hyrox ist „ein Indoor-Fitnesswettbewerb, der 8 Kilometer Laufen mit 8 funktionellen Trainingsstationen kombiniert, wobei sich Laufen und funktionelle Übungen abwechseln“. So die offizielle Definition.
Doch um einen Wettbewerb geht es den Borussen eigentlich nicht. „Wir sind hier, um uns auszupowern“, betont Tom Schölling. Donnerstagabend, eine Industriehalle am Staelskottenweg in Rheine. Hier logiert ConceptGym. Inhaber Simon Hirschberg war selbst einst ein talentierter Kicker und zuletzt für den SV Mesum am Ball, bevor eine schwere Knieverletzung für sein abruptes Karriere-Ende sorgte.
In der relativ kleinen Halle riecht es nach den Gummimatten, die auf dem Betonboden liegen. An den Wänden: Metallregale voller Hanteln, Medizinbälle, Kettlebells. Im Raum verteilt: Seilzüge, Kisten, Gewichtsscheiben und allerlei andere Quäl-Geräte.
Mittendrin, im schwarzen Sportdress: Simon Hirschberg. Der schreibt das Programm für die folgenden 90 beinharten Minuten an die Tafel, verspricht: „Die Borussen-Jungs kriegen hier alles, was sie brauchen: Ganzkörper-Athletik-Training!“
„Hat jemand Muskelkater vom letzten Mal“, fragt Hirschberg alsdann die 16 Borussen. Keine Antwort, nur der ein oder andere flapsige Spruch. Auch Trainer Tom Schölling schweigt, obwohl er „vier Tage lang“, wie er auf EV-Nachfrage gesteht, damit zu kämpfen hatte. Hirschbergs Reaktion: „Gut. Dann müssen wir die Gewichte also erhöhen.“ Tja, dumm gelaufen...
Und das Programm hat‘s in sich. Schnelligkeit und Athletik – die stehen im Fokus. Nach einem strammen aber spaßigen „Warm up“ (Aufwärmen) geht‘s, aufgeteilt in Zweiergruppen, zur Sache. Schnell noch einen Schluck aus der Pulle – los.
Einbein-Sprünge über Mini-Hürden, dann mit schnellen Kontakten durch die Koordinationsleiter und abschließend ein kurzer Antritt; Sprung von einer Kiste, auf dem Vorderfuß landen und gleich rauf auf zwei übereinander liegende Gewichtsscheiben; Gummiband um die Hüfte, 5 Meter Antritt nach vorn, um eine kleine Gewichtsscheibe rum, rückwärts zurück und wieder ab nach vorn – das sind einige der Schnelligkeits-Übungen, die die eine Hälfte der Kicker keuchend absolviert.
Die andere Hälfte arbeitet an der Athletik: einen Schlitten mit 120 Kilo Gewicht schieben; Skilanglauf-Ergometer; schwere Kettlebells hochreißen – das sind einige der Übungen. „Gut so, Männer. Eine von vier Runden ist rum. Kurze Pause, dann wechseln“, kommen die Kommandos von „Feldwebel“ Hirschberg.
Gierig greifen die Borussen zu den bereitstehenden Trinkflaschen. Schweißtropfen perlen von der Stirn auf gerötete Wangen hinunter. Schwitzflecken „verzieren“ die roten Trikots. Noch drei Runden. Hyrox hat‘s in sich. Winter-Vorbereitung – die fieseste Zeit für Fußballer...
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