EMSDETTEN. Roland Westers ist Ur-Borusse. Geht es seinem Verein gut, geht es ihm gut. Umgekehrt leidet er im Falle des Misserfolgs. Besonders, wenn er persönlich in der Verantwortung steht. Daher gab Westers im Sommer 2025 das Traineramt bei Borussia Emsdettens Westfalenliga-Männern ab und zauberte seinen Nachfolger Marc Wiethölter gleich selbst aus dem Hut. Der wiederum wusste genau, worauf er sich einlässt, wie Wiethölter vor Dienstantritt mit diesem Satz verdeutlichte: „Roland wäre der erste, der schreit: Wiethölter raus!“
Hallo Roland, wie oft hast du in der Hinrunde vom Spielfeldrand aus gerufen: „Wiethölter raus!“?
Roland Westers: Zwei-, dreimal vielleicht. Nein, logischerweise gar nicht. Alle – Vorstand, Fans, ich – sind sehr zufrieden mit Marc. Er macht einen super Job, ist auch bei der Mannschaft hoch angesehen. Genau der Nachfolger, den ich mir gewünscht habe.
Ertappst du dich manchmal dabei, wie du taktische Anweisungen aufs Feld brüllst?
Westers: Ja, leider (lacht). Wenn‘s passiert, wundere ich mich selber immer. Vom Kopf her bin ich nicht weniger dabei als vorher. Bei Toren freue ich mir einen Keks in die Backe, bei Fehlern und Gegentoren raste ich innerlich aus. Dass ich Anweisungen rufe, versuche ich künftig wirklich zu vermeiden. Weil: Das geht gar nicht. Immerhin kann ich mittlerweile aber sonntags besser schlafen, wenn Borussia verliert. Das war ja der Hauptgrund, warum ich als Trainer aufgehört habe. Ich wollte nicht mehr bis 2 oder 3 Uhr wach liegen.
Hättest du eigentlich Bock, als neuer Chefcoach in einem Verein einzusteigen, in dessen Vorstand und sportlicher Leitung drei gestandene Ex-Trainer aktiv sind, wie es bei Borussia mit dir, Hans-Dieter Jürgens und Marcel Langenstroer der Fall ist? Trainer außer Dienst sind ja gerne mal Besserwisser, um nicht zu sagen: Klugscheißer.
Westers: Sag ruhig Klugscheißer. Natürlich diskutieren wir nach Spielen mit Marc, warum er dieses oder jenes gemacht hat. Das ist normal. Wir wissen aber: Marc kann es am besten einschätzen, er ist viel näher dran an der Truppe. Es gibt 1000 Möglichkeiten, warum ein Trainer bestimmte Entscheidungen trifft. Wenn beispielsweise Spieler A eigentlich besser ist als Spieler B, aber weniger trainiert, weil er lieber mit seiner Freundin essen geht, dann kann man ihn bei der Aufstellung ruhig mal daran erinnern, dass Fußball ein Mannschaftssport ist, indem man Spieler B vorzieht. Klar ist: Wir haben absolutes Vertrauen in Marc und stellen seine Entscheidungen nicht in Frage. Das wird nicht passieren.
Wiethölter trat im Sommer 2025 mit dem Ziel an, Borussia mehr Offensivgeist einzuhauchen. Wie bewertest du das?
Westers: Der Ansatz war genau richtig. Dass die Offensive seit Jahren Borussias Baustelle ist, konnte jeder sehen. Dass sich das nicht von heute auf morgen ändern lässt, ist auch klar. Marc verfolgt einen langfristigen Ansatz. Die Frage ist: Welche Spielertypen hast du, welche Leute holst du dazu? Jeder Trainer lässt am liebsten Ballbesitzfußball spielen. Entscheidend sind letztlich aber die Zahlen, und mit der Hinrunde können wir zufrieden sein.
Was würde es für Borussia bedeuten, wenn es zeitnah mit einem eigenen Kunstrasenplatz am Teekotten klappen sollte?
Westers: Sehr, sehr viel. Der Verein ist extrem darauf angewiesen. Allein über 400 unserer Mitglieder sind Kinder und Jugendliche. Wenn das Gelände gesperrt ist, bleiben so viele Stunden ungenutzt, in denen die Kinder oft nicht betreut werden können, in denen sie sich fußballerisch nicht verbessern können, in denen ihnen die sozialen Kontakte fehlen. Ein Kunstrasen wäre enorm wichtig, alle wären darüber froh und glücklich.
In unserer Serie über „Spitznamen in Emsdettener Sportmannschaften“ hattest du vor etwa einem Jahr über Torwart Luca Dömer gesagt: „Den kannst du ,Bekloppter‘ nennen“. Froh, dass der „Bekloppte“ bald weg ist von Borussia?
Westers: Natürlich nicht. Luca ist ein klasse Keeper, hat sich immer korrekt verhalten. Ich kann seine Entscheidung, es in der Oberliga zu versuchen, nachvollziehen. Und ich bin fest davon überzeugt, dass er sich beim FC Eintracht Rheine durchsetzen wird. Aber: Borussia hat in der Vergangenheit schon öfter hervorragende Torhüter verloren und es gut aufgefangen. Das wird auch diesmal gelingen.
Wann sieht man dich wieder als Cheftrainer einer 1. Männer-Mannschaft?
Westers: Sag niemals nie. Momentan kann ich‘s aber gut aushalten.

