Wiethölter lobt und tadelt seine Borussia

02.12.2025

Kritik an „Verlässlichkeit und Ordnung“

Marc Wiethölter ist ja ein umgänglicher Typ. Bei einem Thema aber versteht Borussia Emsdettens Trainer keinen Spaß mehr: Wenn es um die Torausbeute seiner Westfalenliga-Truppe geht.

Borussen-Chefcoach Marc Wiethölter und sein „Co.“ Tim Plottek (l.) waren vor allem mit der 2. Halbzeit am Sonntag in Kinderhaus (0:0) zufrieden. | Foto: Marius Holthaus

15 Buden in 16 Spielen ergeben einen Schnitt von 0,94 pro Partie. Wiethölter nimmt diese Zahlen ohne großen Kommentar zur Kenntnis. Nervt ihn das Gerede über die wenigen Borussen-Treffer? „Ja. Ausrufezeichen.“ Nervt ihn der Fakt oder dass die Presse ihn ständig darauf anspricht? „Sowohl als auch.“

 

Seit seinem Dienstantritt vor dieser Saison arbeitet Wiethölter daran, Borussias gewohnt ausgeprägter Defensiv-DNA mehr Offensivgeist einzuimpfen. Bislang mit überschaubarem Erfolg. Die guten Eindrücke nehmen aber zu. In allen ihren letzten vier Hinrunden-Spielen gegen Nottuln (2:2), Nordkirchen (1:0), Espelkamp (1:2) und Ostinghausen (3:1) trafen die Borussen. Und auch beim Rückrundenauftakt am Sonntag, dem 0:0 bei Tabellenführer Kinderhaus, sah Wiethölter, „dass wir jetzt öfter vorne gute Szenen haben“. Wie schon am 1. Spieltag (2:2) hielt Emsdetten dem Titelkandidaten Kinderhaus stand, ließ dessen Super-Offensive (40 Tore in 16 Spielen) streckenweise verzweifeln. Die zunehmend angespannte Stimmung auf der gegnerischen Bank signalisierte Wiethölter im Laufe der 2. Halbzeit, „dass wir nicht so viel verkehrt gemacht haben“. Überhaupt gefiel ihm die Art und Weise des Punktgewinns. „Der war ja nicht erstohlen, erschlichen und ermauert.“

 

Seine Truppe habe eine „mega Mentalität“ an den Tag gelegt. Der Coach erinnert sich, „wie Henrik Laumann über 60, 70 Meter hinter einem Ball hergejagt ist“. Ähnlich Stürmer Kürsat Özmen, der in einer Szene hartnäckig an Westfalias Mittelfeldmotor Nick Rensing dranblieb und so eine potenziell gefährliche Situation für Borussias Kasten verhinderte.

Aus verschiedenen Gründen fehlten in Kinderhaus mehrere Borussen bzw. hatten Trainingsrückstand. Die Startelf stellte sich fast von alleine auf, wobei sich Keeper Luca Dömer und Mittelfeldmann Mats Hagel trotz Krankheit in den Dienst der Mannschaft stellten. „Letztendlich entscheidet der Spieler, ob es geht“, sagt Wiethölter, der betont, natürlich niemanden mit Fieber aufs Feld zu lassen. „Da müsste ich die Handbremse ziehen.“

Arian Kraushaar hatte aus beruflichen Gründen Trainingsrückstand, lief in Kinderhaus so weit, wie ihn die Füße trugen (Auswechslung in der 63. Minute). Nach dem torlosen Unentschieden überwintert Borussia Emsdetten in der Westfalenliga mit fünf Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge.

Die Einsatzbereitschaft seiner Jungs lobt der Coach. „Tolle Mentalität in den meisten Spielen und im Training.“ Auch wie die Bank am Sonntag die Kollegen auf dem Platz pushte, sei so gewesen, wie er sich das vorstelle. Dann kommt ein großes Aber: „Bei den Punkten Verlässlichkeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit und Ordnung neben den Einheiten haben wir noch Luft nach oben. Das kommt jetzt langsam bei den Jungs an.“ Das dürfen die Borussen, die sich davon angesprochen fühlen, als guten Vorsatz mit ins neue Jahr nehmen.

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