Borussia: „Wir nutzen jeden Grashalm!!“

19.11.2025

Verein wünscht sich Kunstrasenplatz

Borussia Emsdetten braucht dringend einen Kunstrasenplatz – und das machten Stephan Gerigk und Anja Wolters im Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit auch sehr deutlich.

„Wir nutzen jeden Grashalm am Teekotten, um unseren Kindern und Jugendlichen Training zu ermöglichen“, erklärte Gerigk. Während Wolters mit Blick auf die Nachmittagsstunden, in denen Kinder und Jugendliche im Walter-Steinkühler-Stadion zu kicken pflegen, ergänzte: „Wir platzen aus allen Nähten.“

Borussia Emsdetten ist der drittgrößte Sportverein Emsdettens, hat aktuell 873 Mitglieder, darunter über 434 Kinder und Jugendliche. 26 der dort trainierenden 33 Mannschaften sind Juniorenteams. Laut Stephan Gerigk verfügt der Verein zudem über die mit Abstand mitgliederstärkste Mädchen- und Frauenabteilung.

Auf dem Gelände, berichtete Gerigk, fänden von montags bis freitags circa 104 Stunden reiner Trainingsbetrieb statt. Weil es an Trainingsfläche fehle, würden notgedrungen zwei Rasenflächen links und rechts des Fußballplatzes mitgenutzt, die allerdings weder komplett ausgeleuchtet seien noch über eine Drainage verfügten.

Auf den beiden Rasenflächen absolvieren 33 Mannschaften an fünf Tagen in der Woche 66 Trainingseinheiten à zwei Stunden, rechnete Gerigk vor. Das seien 132 Stunden. Verteilt auf fünf Werktage seien das 26,4 Stunden, also rund 13 Stunden pro Platz und Tag. Teilten sich zwei Mannschaften einen Trainingsplatz, komme man immer noch auf sechseinhalb Stunden am Tag, die ein Rasenplatz zwischen Montag und Freitag genutzt werde Ein Naturrasenplatz habe eine ungefähre Nutzungsdauer von 800 Stunden im Jahr. Bei der zuvor geschilderten Belastung durch die 33 Mannschaften, wäre die Nutzungsdauer dieses Platzes, der eine gewisse Regenerationszeit benötige, in nur 62 Tagen ausgereizt.


Den aussagekräftigen, ein wenig an Textaufgaben erinnernden Zahlen, die Gerigk präsentierte, folgte die nicht minder eindrucksvolle Schilderung der ehrenamtlichen Trainerin Anja Wolters über einen „ganz normalen Dienstag“, an dem das Training ausfallen muss, weil der Platz mal wieder witterungsbedingt gesperrt sei. Falle das Training gar die ganze Woche aus, wären es über 1.700 Stunden Betreuung, die wegfallen würden. „Es kann nicht in unserem Sinne sein, dass Kinder darunter leiden, dass wir nicht den richtigen Untergrund haben“, befand Anja Wolters. Gerigk und Wolters forderten Verwaltung, Politik und Rat zum Schulterschluss auf, um das Borussia-Projekt Kunstrasenplatz, das schon seit zehn Jahren immer wieder Thema sei, voranzutreiben. Anja Wolters betonte, dass es mit dem Kunstrasenplatz allein nicht getan sei. Es brauche unbedingt auch einen weiteren Trainingsplatz.

Wie bereits berichtet und von Frank Westkamp, Fachdienstleiter Gebäudemanagement und Bauaufsicht, in der Sitzung nochmals vorgestellt, möchte die Borussia zu ihrem 100-jährigen Bestehen im Jahr 2030, neben einem Richtung Rheiner Straße liegenden Kunstrasenplatz, auf dem alten Teekottenplatz auch noch einen weiteren Naturrasen-Trainingsplatz in Richtung Hauptplatz anlegen. Aufwendig, weil der bestehende Platz quasi gedreht werden müsse. Angesichts der geschätzten Kosten in Höhe von 1,9 Mio Euro, die die Stadt selbst dann nicht wuppen könnte, wenn sich der Verein mit einem Eigenanteil beteiligen würde, kommt das Bundes-Programm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ hier wie gerufen.

Die sogenannte „Sportmilliarde“ sehe drei Tranchen à 333 Mio Euro vor, erläuterte Kathrin Magnus, Fachdienstleiterin Bildung, Sport, Kultur. Bis zum 15. Januar müsse eine Interessensbekundung nebst Projektskizze und Billigung des Rates vorgelegt sein. Bis Ende Februar werde der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages alle Interessensbekundungen prüfen und dann beschließen, welche Projekte für die Antragstellung festgelegt werden. In Stufe 2 ab März werde der Fördergeber mit den Kommunen Antrags- und Koordinierungsgespräch führen. In der Folge würden die Zuwendungsanträge durch die Kommunen erstellt.

Neben dem in Richtung Rheiner Straße liegenden, neuen Kunstrasenplatz (rechts) soll auf dem alten Teekottenplatz ein zusätzlicher Naturrasen-Trainingsplatz (links) entstehen. | Foto: Stadt Emsdetten

Das Borussia-Projekt sei mit den Förderbestimmungen kongruent, da es sich nicht um ein vollkommen neues Konzept handelt, sondern um Dinge geht, die schon länger in der Planung, seien, mangels finanzieller Ressourcen aber bis dato nicht umgesetzt werden konnten, so der Erste Beigeordnete Elmar Leuermann.

Durchaus Verständnis zeigte er für die Bedenken von Dirk Albers (CDU), der Sorge hatte, in das Förderprogramm aufgenommen zu werden, um dann in einem zweiten Schritt über die Ausgabe von einer Million Euro sprechen zu müssen, obwohl der Politik doch auferlegt worden sei, den Ausgaben Einsparungen in gleicher Höhe entgegenzusetzen. Möglicherweise scheitere das Projekt dann im zweiten Schritt an mangelnden finanziellen Ressourcen, befürchtete Albers. „Es hilft uns allen nicht“, ergänzte er, „wenn ein Projekt auf dem Weg zur Sportstadt am Ende für die gesamte Stadt bedeutet, dass wir in der Haushaltssicherung stecken.“ Tatsächlich müsse man, sobald es um die konkrete Antragstellung gehe, Farbe bekennen, bestätigte Leuermann. Allerdings sehe er ohne das Förderprogramm in den nächsten Jahren keine realistische Möglichkeit, den notwendigen Eigenanteil aufzubringen.


Beigeordneter Leuermann empfahl den Ausschussmitgliedern, den ersten Schritt zu tun, um einen Eintritt in das Programm zu bekommen. Da eine Kumulierung der Förderung mit Mitteln anderer öffentlicher Fördergeber möglich ist, soll Fördermanager Joscha Blum weitere Fördermöglichkeiten ausloten.

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