Borussias Zittersieg endet mit Rangelei

10.11.2025

Keller-Gipfel in der Westfalenliga

Nach dem Abpfiff brach auf dem Platz ein Gerangel aus, Borussia Emsdettens Mattes Langelage und Nordkirchens Robin Schwick standen Stirn an Stirn.

Borussia Emsdetten startete nervös ins wichtige Heimspiel gegen den FC Nordkirchen, doch schnell stabilisierten sich Arian Kraushaar (l.) und Co., gewannen verdient. | Foto: Thomas Strack

Andere Akteure eilten hinzu, nur allmählich kehrte wieder Frieden ein. Die emotionsgeladene Szene zeigte, wie viel für die beiden Westfalenligisten am Sonntag bei ihrem Keller-Gipfel auf dem Spiel gestanden hatte. Jubeln durften am Ende die Hausherren: Mit ihrem verdienten, nervenraubenden 1:0-Sieg kletterten die Borussen von einem Abstiegsplatz ganze vier Ränge nach oben, sind jetzt Zehnter. Und am Donnerstag folgt ja noch das Nachholspiel gegen Schlusslicht Espelkamp, ebenfalls zu Hause (Anpfiff: 20 Uhr).

Hölscher trifft und rettet auf Linie


Der Treffer des Tages fiel früh. In der 7. Minute stresste Emsdettens Stürmer Kürsat Özmen den ballführenden Nordkirchener Luca Dombrowski, Vincent Schulte eroberte die Kugel, marschierte über seine linke Seite, passte flach nach innen, wo Julius Hölscher einschoss. Überhaupt war Hölscher der Mann der Startphase, verhinderte im Gegenzug das 1:1, als nach schwacher Faustabwehr von Keeper Luca Dömer Nordkirchens Marlon van Hettinga auf den Kasten köpfte, wo Hölscher auf der Linie rettete (9.).

Die Borussen waren trotz der Führung nervös, mit vielen Stockfehlern gestartet, stabilisierten sich dann, standen meist sicher und ließen in der gesamten Restzeit fast nur unplatzierte Nordkirchener Schüsse aus der zweiten Reihe zu. Und offensiv blitzten immer wieder starke Ballstafetten auf. Einziges Problem: Emsdetten verpasste das 2:0. Özmen feierte es schon (13.), stand bei seinem Torschuss aber in der verbotenen Zone (12.), wo er und seine Mitspieler an diesem Tag generell auffallend oft ertappt wurden.

In der 36. Minute dann die riesige Gelegenheit zu erhöhen: Nach Foul an Schulte gab‘s Strafstoß, Özmen lief an und schob den Ball neben den Kasten. So ging Borussia nur mit einem dünnen 1:0 in die Kabine, suchte nach dem Seitenwechsel weiter die Entscheidung gegen die mit viel Ausfallpech angereisten Gäste. Doch die mit jetzt elf Toren weiterhin mit Abstand schwächste Offensive der Liga wird ihre Abschluss-Misere einfach nicht los. Der von Özmen auf die Reise geschickte Tom Bovenschulte hätte selbst abschließen können, wollte stattdessen den mitgelaufenen Schulte bedienen, der Querpass wurde geklärt (56.). Hölschers Schuss wehrte Tormann Tom Alter nach vorne ab, beim folgenden Kopfball an die Latte stand Schulte im Abseits (58.). Zudem köpfte Özmen völlig blank aus elf Metern drüber (74.). Schließlich noch die Monsterchance für Oliver Milek, der nach Schulte-Flanke volley aus sechs Metern neben Nordkirchens Kasten zielte (86.).

So wurde es hinten raus ein Zittersieg. Borussen-Coach Marc Wiethölter bei der anschließenden Pressekonferenz: „Mir ist gerade ein Schnaps angeboten worden. Den könnte ich jetzt tatsächlich gut brauchen.“

Die Trainerstimmen

 

Kein Vorwurf an die Jungs“, sagte FC Nordkirchens Trainer Mario Plechaty nach der 0:1-Niederlage in Emsdetten. Ihm hätten „zehn gute Spieler“ gefehlt, darunter „unser Topstürmer, der sich heute Morgen mit Magen-Darm abgemeldet hat“. Zudem habe seine Truppe eine harte Woche mit dem Pokal-Aus am Mittwoch in Werne (2:3) hinter sich und sei außerdem Naturrasen aktuell nicht gewohnt, trainiere nur auf Kunstrasen.


Plechaty fair: „Emsdetten hat es gut wegverteidigt und war bei Kontern gefährlich. Zum Schluss die Szenen fand ich nicht so schön von beiden Seiten. Es ist nur Fußball.“


So sah es auch Borussen-Coach Marc Wiethölter , als er die Rangelei ebenfalls kritisierte. Zum Sportlichen: „Wir hätten das Spiel in der ersten Halbzeit killen können. Wir waren heute die bessere Mannschaft, glaube ich. Hinten heraus sieht man, dass wir vor diesem Spiel 14 Punkte hatten – und nicht 25. Dann hätten wir es anders zu Ende gebracht.“

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