Borussia Emsdettens teaminterne Regeln
Sorry, Julius Hölscher, du musst bezahlen. So ist das halt, wenn ein Borusse mit Foto in der Zeitung erscheint. Das ist aber längst nicht die einzige teaminterne Regel, die die Mannschaftskasse des Westfalenligisten klingeln lässt. | Foto: Thomas Strack
Vor wenigen Wochen hat sich unser Medienhaus bei Handball-Drittligist TV Emsdetten nach dem teaminternen Strafenkatalog erkundigt (siehe Artikel unten). Heute ist Fußball-Westfalenligist Borussia Emsdetten an der Reihe.
Foto in der Zeitung? „Kostet einen Euro“, verrät Jule Hölscher. Der Routinier ist Teil der Geldeintreiber. „Als gelernter Banker kümmere ich mich bei uns um die Kontoführung. Der Herr der Strafen ist aber Arne Moselage, unterstützt von Henni Ohde.“ Die beiden Defensivspieler notieren jeden Verstoß. Natürlich bekommen sie dabei Hilfe der Teamkollegen, denn die verpetzen sich gerne gegenseitig. „Definitiv. Da sind die Jungs ganz gut drin“, bestätigt Marc Wiethölter. Und wer ihn, den Trainer, anschwärzt, der fliegt aus der Startelf? „Das sollten wir besser nicht drauf ankommen lassen“, warnt Wiethölter grinsend seine Spieler.
Gelegentlich ist zu vernehmen, dass Sportmannschaften „Pinkeln unter der Dusche“ unter Strafe stellen. Borussia auch? Wiethölter: „Glaub schon. Frag die Jungs.“ Hölscher: „Ja, den Punkt haben wir. Ist aber bisher nie vorgekommen, deswegen weiß ich nicht, was das kostet.“
Im Vergleich zu seinen früheren Vereinen, so Hölscher, sei Borussias Strafenkatalog „sehr detailliert“. Eine Regel, die er vorher nicht kannte: An Trainingstagen müssen die Schuhe vor dem Kabinentrakt ausgezogen werden. „Drinnen laufen wir also nur auf Socken rum. Wenn du einen halben Schritt mit Schuhen da rein machst, kostet das direkt.“ Speziell Moselage sei bei den Strafen knallhart. „Arne ist da arg hinterher.“ Beispiel Foto in der Zeitung: „Selbst wenn auf dem Bild nur ein Schuh zu sehen ist, der aber jemandem von uns zugeordnet werden kann, kostet das“, erzählt Hölscher lachend.
Wiethölter: „Ich zahle meine Strafen und gut is‘“
Nicht alles ist Spaß. Speziell die Punkte, bei denen der Trainer beim Strafmaß mit zurate gezogen wird, tun richtig weh. Beispiel: unentschuldigt einer Partie fernbleiben. Im Großen und Ganzen, so Wiethölter, sei der Strafenkatalog aber Sache der Mannschaft: „Da halte ich mich raus. Ich zahle meine Strafen und gut is‘.“ Neulich erst 10 Euro, weil er gegen Rheda Gelb wegen Meckerns sah. „Die Karte musste aber sein“, erinnert sich Wiethölter an die ärgerliche Schiri-Leistung.
Dem Coach gefällt, dass die teaminternen Regeln für Spaß sorgen. Nur sollte die Truppe es damit nicht übertreiben. Wenn etwa im Training alle nur noch darauf lauern, den Teamkollegen zu tunneln (kostet das Opfer 50 Cent), oder Torschüsse über den Zaun (kosten ebenfalls) Jubelarien auslösen, würde der Coach anmahnen, den Strafenkatalog jetzt mal auszublenden und sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. „Letzte Woche war ich mal kurz davor.“
Dumme Platzverweise können teuer werden
Auch wer vom Platz fliegt, muss blechen. Doch es gibt Ausnahmen. Entlasten Videobilder den Rotsünder, dann reduziert oder erlässt Wiethölter in kurzer Absprache mit Trainerkollegen und Mannschaftsrat die Geldstrafe. Ebenso, wenn der betroffene Spieler sich in den Dienst der Mannschaft gestellt hat, etwa durch ein taktisches Foul. Andererseits behält sich der Coach vor, bei komplett unnötigen Roten Karten auf die übliche Strafe „noch 20 Euro oder eine Kiste Bier draufzuhauen. Bisher hatten wir in dieser Saison aber keinen dummen Platzverweis“, sagt Wiethölter.
Die Höhe der meisten Strafen hat Hölscher nicht im Kopf. Dass Gelb wegen Meckerns zehn Euro kostet dagegen schon. „Das weiß ich leider aus Erfahrung.“ Wer ist Borussias Strafenkönig? „Da stehen tendenziell eher die jüngeren Spieler hoch im Kurs“, mutmaßt Hölscher, „sie vergessen öfter mal irgendwelche Sachen.“ Angenehmer Nebeneffekt: Die Mannschaftskasse wächst dadurch an. Spätestens bei der Saisonabschluss-Fahrt nach Mallorca profitieren alle.
Terminstress bei Borussia Emsdetten
Borussia Emsdettens am vergangenen Sonntag ausgefallenes Westfalenliga-Heimspiel gegen Preußen Espelkamp hat der Staffelleiter bereits neu angesetzt: am Donnerstag, 13. November, 20 Uhr. Bedeutet: Für das nur einen Tag vorher (12. November) geplante Kreispokal-Viertelfinale Borussia gegen Oberligist Eintracht Rheine muss nun ein neuer Termin gefunden werden. Denn Meisterschaftsspiele genießen gegenüber dem Pokal Vorrang.

