Jetzt bloß nicht einen auf cool machen

26.08.2025

Westfalenligist Borussia legte Top-Start hin

Jetzt bloß nicht einen auf cool machen

Wie gefällt Marc Wiethölter nach den ersten drei Spieltagen die Westfalenliga-Tabelle? Borussia Emsdettens Trainer lacht, behauptet: „Kann ich dir nicht sagen, ich gucke da nicht drauf.“

Steht kommenden Sonntag im Kracher-Derby gegen Neuenkirchen noch parat, ist dann erst mal raus: Borussia Emsdettens Mittelfeld-Stratege Kai Deradjat (r.). | Foto: Thomas Strack

Das Tableau habe für ihn halt frühestens nach dem 8. Spieltag Aussagekraft. „Ich habe aber natürlich aufgeschnappt, dass wir Dritter sind.“

 

Was Wiethölter ebenfalls mitbekommen hat: Am kommenden Sonntag steht „ein geiles Derby“ an: Borussia empfängt Neuenkirchen. Der SuS ist aktuell Tabellenführer, steht aber nur aufgrund des besseren Torverhältnisses vor Ahaus und Emsdetten (alle 7 Punkte). Wiethölter nennt es ein „vermeintliches Spitzenspiel. Ob es nach 20 Spieltagen immer noch ein Spitzenspiel wäre, warten wir mal ab“. Der Coach ist weit davon entfernt, Emsdetten in einen Aufstiegskampf reinzureden. Vielmehr gehe es darum, sich „Speck anzufuttern für Phasen, in denen es nicht so gut läuft“. Aktuell liegt Borussia über Soll. „Wir wollten nach drei Spieltagen mindestens vier Punkte haben“, erklärt Wiethölter. Ein Grund für seine vorsichtige Herangehensweise: das harte Startprogramm. Doch gegen die Topteams Kinderhaus (2:2) und Peckeloh (1:0) wussten noch immer ungeschlagene Emsdettener zu brillieren. Zudem waren sie bislang die einzigen, die den kecken Aufsteiger FC Kaunitz schlagen konnten (1:0), Peckeloh und Neuenkirchen schafften das nicht (jeweils 2:2).

 

„Jedes Spiel ist für uns harte Arbeit“

 

Wiethölter nach dem Top-Start: „Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen zu denken, dass es von alleine so weiterläuft. Fußballer neigen ja dazu zu denken: ,Wir sind die Coolsten.‘ Das darf uns nicht passieren. Jedes Spiel ist für uns harte Arbeit.“


Ein Paradebeispiel dafür lieferte der Sieg am Sonntag in Peckeloh. Leidenschaftlich ackernde Borussen brachten ihren 1:0-Vorsprung ins Ziel. Innenverteidiger Mattes Langelage trumpfte dabei mächtig auf. „Er wird von Woche zu Woche stabiler“, freut sich Wiethölter über den Aufschwung des Talents, das bei seiner letzten Station, Oberligist TuS Bersenbrück, zunächst nur sporadisch zum Einsatz kam und ab März verletzungsbedingt gar nicht mehr. Wiethölter lobt: „Mattes ist sehr wissbegierig und lernwillig.“

Am Montag etwa habe Langelage ihm eine Sprachnachricht geschickt, weil er fand, den einen oder anderen Mitspieler im Eifer des Gefechts in Peckeloh verbal zu hart angegangen zu sein. „Er wollte wissen, ob er sich mehr zurücknehmen muss“, verrät Wiethölter. Seine Antwort: „Nee, muss er nicht. Das ist immer noch Fußball. Ich will Jungs, die auf dem Platz verbal schärfer sind. Vielleicht kann Mattes es aber das eine oder andere Mal positiver moderieren“, meint der Coach schmunzelnd. „Ich finde es mega, wenn sich ein junger Spieler derart selbst reflektiert.“


Bitter für Borussia: Mittelfeld-Herz Kai Deradjat steht nur noch gegen Neuenkirchen zur Verfügung, ist dann bis Februar studienbedingt in Bergamo (siehe Artikel unten). Wiethölter: „Das ist natürlich ein herber Verlust. Wir müssen es im Kollektiv auffangen.“ Unter anderem mit Neuzugang Tom Bovenschulte, der lange Zeit berufsbedingt außen vor war, jetzt aber Gas geben kann. Zudem, so Wiethölter, „müssen wir unsere jungen Leute schneller in die Westfalenliga-Tauglichkeit bekommen“.

sbe-i-26-08-25