Der Kopfball zu Borussias Dusel-Sieg

18.08.2025

Westfalenligist trifft spät in Kaunitz

Es lief die 89. Minute, mit dem 0:0 bei Westfalenliga-Aufsteiger FC Kaunitz war Borussia Emsdetten bestens bedient. Die späte, von Attila Szabo erkämpfte Ecke nahmen die Gäste aber natürlich gerne noch mit.

In der 89. Minute die entscheidende Szene: Nach Ecke von Vincent Schulte von der rechten Seite steigt Borusse Hendrik Ohde (3.v.l.) deutllich am höchsten und köpft ein. Emsdettens später 1:0-Siegtreffer beim FC Kaunitz. Gegen Borussias Kapitän ist in der Luft einfach kein Kraut gewachsen. | Foto: Marius Holthaus

Es kam, wie es kommen musste: Vincent Schulte zog die Kugel scharf an den Fünfer, wo Kapitän Hendrik Ohde sie zum 0:1 in die Maschen köpfte. Konsternierte Hausherren wollten noch mal antworten, schlugen tief in der Nachspielzeit einen Freistoß von außen in Borussias Box. Dort brach Chaos aus. Während Emsdetten irgendwie klärte, forderten wütende Kaunitzer einen Handelfer. Der Schiri winkte ab – und pfiff ab. Borussias Dusel-Sieg war perfekt.


Doch was war da in der letzten Szene los? Emsdettens Keeper Luca Dömer, der beste Sicht auf das Gewusel hatte: „Wir schießen uns da gegenseitig ab. An Gesicht oder Brust, keine Ahnung. Hand war‘s nicht.“


Borussia startet furios


Der starke Dömer war einer der Gründe, warum Borussia mit jetzt vier Punkten aus zwei Spielen einen top Saisonstart verbuchen kann. Zu Beginn der Partie in Kaunitz schien der Keeper aber gar nicht gebraucht zu werden. Emsdetten zündete in der ersten Viertelstunde ein Feuerwerk, verpasste mehrfach die Führung, etwa als Samir Haxha nach Hölscher-Flanke am zweiten Pfosten völlig blank neben den Kasten köpfte (4.).


Dann aber kämpfte sich Kaunitz in die Partie hinein. Die Emsdettener schienen davon überrascht, ihre Fehler häuften sich im Spielaufbau und in der Defensive. Vincent Schulte sah gleich zweimal schlecht gegen Gian Pieper aus: Bei seiner ersten Chance verzog der Kaunitzer frei vor Dömer (22.), in der 27. Minute hatte er Pech mit einem 17-Meter-Schuss an den Pfosten. Ein Teamkollege staubte ab – aber Abseits!


Borussia atmete durch, kam vereinzelt auch noch zu Gelegenheiten, wirkte aber viel zu wacklig. Für mehr körperliche Präsenz brachte Coach Marc Wiethölter zur 2. Halbzeit Mats Hagel für Markus Weidel. Gleich in der 47. Minute rettete der neue Mann in höchster Not gegen den einschussbereiten Kaunitzer Felix Sczepurek.

 

Borussia meldete sich in dieser wilden Phase auch noch mal vorne an, Kürsat Özmen zielte aus guter Position klar daneben (50.). Doch gefährlich wurden jetzt eigentlich nur noch die Hausherren. Emsdetten bekam sie in den Zweikämpfen kaum zu packen und agierte selbst „kopflos“ (Wiethölter). Immer wieder war Keeper Dömer zur Stelle. Die dickste Gelegenheit des Gegners verschuldete er allerdings mit einem Fehlpass selbst, machte seinen Bock mit einer Parade gegen den freistehenden Sczepurek wieder wett und hatte Glück, dass Piepers Nachschuss neben den Kasten rauschte (52.).


Borussia wankte, in der 85. Minute musste auch noch Jule Hölscher mit einer Knöchelverletzung runter. Etwa zeitgleich verließ auch Felix Frosch angeschlagen den Platz. Wenige Minuten später fehlte der groß gewachsene Kaunitz-Kapitän bei Borussias Ecke. Kopfball-Ungeheuer Ohde freute sich.

 

Extrem fairer Kaunitz-Coach lobt die Borussia

 

Unsere erste Viertelstunde war überragend“, sagte Borussen-Trainer Marc Wiethölter nach dem 1:0-Erfolg. Als dann aber die körperlich starken Kaunitzer allmählich aufkamen, hätten seine Jungs offenbar gedacht: „Scheiße. Aber das läuft gleich wohl wieder.“ Tat es jedoch nicht. „Und dann kriegst du den Schalter oft nicht mehr umgelegt.“ Zwar hätte sein Team „in der ersten Halbzeit zwei, drei Tore machen können“, sei aber in dieser Partie oft „viel zu wild“ aufgetreten. Wiethölter: „Wir wussten, dass Kaunitz ein unbequemer, ekliger Gegner ist. Ein glücklicher Auswärtssieg, den ich aber gerne mitnehme.“


Kaunitz-Coach Levent Cayiroglu erwies sich als extrem fairer Verlierer: „Emsdetten ist in der 1. Halbzeit gut aufgetreten. So forsch habe ich sie nicht erwartet. Ich fand sie griffig und präsent. Von daher Daumen hoch für Emsdetten. Wir haben eine Viertelstunde gebraucht, um in die Partie zu finden. Hinten raus ist Borussias Sieg vielleicht ein bisschen glücklich. Schade, es tut gerade ein bisschen weh. Mit unserem Spiel bin ich aber nicht unzufrieden.“

 

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