Emsdetten schenkt Kinderhaus den Ausgleich
Mit einem Stockfehler lud Borussia Emsdettens Innenverteidiger Mattes Langelage (r., gegen Luis Haverland) den Gast aus Kinderhaus zum 2:2-Ausgleichstreffer ein (69.). | Foto: Thomas Strack
Die Borussen-Anhänger sehnten den Abpfiff herbei. „Schluss! Feierabend! Pfeif ab!“, riefen sie in Richtung Schiri Maximilian Koch. Wenige Momente später war es dann amtlich: Westfalenligist Emsdetten hat zum Saisonauftakt am Sonntag dem Vorjahresdritten Westfalia Kinderhaus ein 2:2 (2:1) abgetrotzt.
Doch in der Nachspielzeit mussten die Heim-Fans noch mal arg zittern. Schuld war Semih Daglar. Seinen 23-Meter-Schuss kratzte Borussen-Torwart Luca Dömer aus dem Winkel, eine Minute später hämmerte Daglar aus 16 Metern drauf, Dömer riss eine Faust hoch, lenkte den Ball gerade noch über die Latte.
Borussen-Keeper Luca Dömer hält das 2:2 fest
Fast hätte Emsdetten also mit leeren Händen dagestanden – weil die Gastgeber es zuvor nach ihrer 2:1-Pausenführung versäumt hatten, Kinderhaus den Rest zu geben. Anders als in der ersten Halbzeit agierte die Borussia nach dem Seitenwechsel abwartender, spekulierte auf Umschaltmomente. Und die kamen. 59. Minute: Nach einer flotten Kombination über Vincent Schulte und Kürsat Özmen stand Kai Deradjat frei, scheiterte aber aus leicht spitzem Winkel an Kinderhaus-Keeper Nicolas Harksen. Fünf Minuten später: Maßgenaue Flanke von Samir Haxha auf den völlig blanken Henrik Laumann, der kann sich die Ecke aus sechs Metern aussuchen, kommt aber mit seinem unplatzierten Kopfball-Aufsetzer ebenfalls nicht am gut reagierenden Harksen vorbei.
Und auf der anderen Seite verteilte Borussia ein dickes Geschenk. Westfalias Yannick Lachowicz passte halbhoch in Emsdettens Strafraum, Innenverteidiger Mattes Langelage war eigentlich zur Stelle, doch der Ball rutschte ihm über den Schlappen, sodass der hinter ihm lauernde Jendrik Witt mit einem Gewaltschuss zum 2:2 treffen darf (69.). „Aus dem Nichts“, räumte Kinderhaus‘ Trainer Philip Just ein. Angesichts der Schlussphase gehe das 2:2 aber in Ordnung.
Ähnlich sah es Borussen-Trainer Marc Wiethölter, der bei der anschließenden Pressekonferenz über Pechvogel Langelage sagte: „Tut mir leid für den Jungen. Mattes ist total niedergeschlagen. Aber gerade an ihm werden wir noch eine Menge Spaß haben.“
Viel Freude hatte Wiethölter auch an der ersten Halbzeit. Seine Truppe ging früh drauf, stand immer wieder mit zwei, drei Mann dem ballführenden Kinderhauser auf dem Schlappen und erzwang so Ballgewinne. In Führung gingen trotzdem die Gäste. Erst scheiterte Daglar noch freistehend an Dömer (20.). Dann konnten gleich drei Borussen nicht die Flanke des quirligen Farid Zadeh verhindern, Luis Haverland köpfte zum 0:1 ein (28.).
Doch Borussia schlug gewaltig zurück. Langer Diagonalball von Innenverteidiger Hendrik Ohde auf Schulte, der legte sich die Kugel bei der Annahme mit der Brust in den Lauf, passte flach in die Mitte, wo Kürsat Özmen den Fuß zum 1:1 hinhielt (35.). Nur zwei Minuten später: Özmen am Sechzehner zu Jule Hölscher, der weiter zu Deradjat, dessen Schuss wurde geblockt, doch der Ball prallte hoch zurück zu Deradjat, der aus 14 Metern mit einem überlegten Kopfballheber zum 2:1 traf (37.).
Kurz vor der Pause verpasste Hölscher das 3:1, ebenso wie die Teamkollegen nach dem Seitenwechsel. Stattdessen musste Borussia noch das 2:2 schlucken.
Die Trainerstimmen
„Aufregend und wechselhaft“ fand Kinderhaus-Coach Philip Just die 90 Minuten. „Gerade in der ersten Halbzeit hatten wir immer wieder Probleme bei der Zuordnung auf den Flügeln. Das hat Emsdetten sehr gut gelöst. Sie hatten eine klare Intensität gegen den Ball.“ Er sei „glücklich mit dem Punktgewinn“, zumal Kinderhaus im Sommer fünf Leistungsträger in Richtung Oberliga verloren und aktuell noch einige Ausfälle habe.
„Erst mal: Hallo in die Runde, ich bin der Neue“, begrüßte Borussen-Trainer Marc Wiethölter die Zuhörer bei der PK. „Wir wussten, dass wir heute gegen Kinderhaus leiden müssen. Trotz der Abgänge ist das immer noch eine sehr, sehr gute Westfalenliga-Truppe.“ Mit der 1. Halbzeit sei er „mehr als zufrieden“. Dass seine Elf zweimal über die Flügel zuschlug, „genau das wollten wir auch. Nach der Halbzeit haben wir es aber verpasst, das 3:1 zu machen. Zum Ende war Kinderhaus deutlich näher am 3:2 als wir.“ Mit dem Punkt könne er bestens leben.

