Borussia schmeißt Stürmer Burke raus

24.05.2025

Trainer Westers ist auf 180

Borussia schmeißt Stürmer Burke raus

„Dreist und frech.“ Das sagt Borussia Emsdettens Trainer Roland Westers über seinen Stürmer Silas Burke. Denn der hat trotz Zusage für die kommende Saison nun doch seinen Abschied verkündet. Burke erklärt seine Gründe, sagt auch, wie er darüber denkt, dass sein Coach ihn „charakterlos“ nennt.

Freitag, 23.05.2025 - 17:30 Uhr 

Seit seinem Nasenbeinbruch spielte Borussen-Stürmer Silas Burke mit Gesichtsmaske. Jetzt will Coach Roland Westers ihn beim Training und bei den Spielen nicht mehr sehen. | Foto: Thomas Strack

Eigentlich sollte Roland Westers bester Laune sein. Doch trotz des am vergangenen Sonntag perfekt gemachten Klassenerhalts ist der Trainer des Fußball-Westfalenligisten Borussia Emsdetten auf 180. „So etwas Charakterloses habe ich noch nie erlebt“, poltert er. Gemeint ist sein Stürmer Silas Burke. Genauer: Ex-Stürmer. Den hat er in dieser Woche rausgeschmissen. Grund: Burke hat seine Zusage für kommende Saison zurückgezogen, wechselt stattdessen zum Oberligisten TuS Bersenbrück.


Westers: „Eine Frechheit gegenüber seinen Mitspielern, gegenüber dem Verein, gegenüber allen, die viel Zeit in die Vorbereitung auf die kommende Saison investiert haben.“ Denn die stehen jetzt vor der undankbaren, schwer stemmbaren Aufgabe, Ersatz für den Neuner (8 Saisontore) zu finden.


Burke: „Kann den Groll nachvollziehen“


Burke sagt zu dem „Charakterlos“-Vorwurf gegen ihn: „Muss ich so akzeptieren. Ich kann die Emotionen und den Groll nachvollziehen.“ Tatsächlich habe er bei Borussia im November zugesagt. Vor drei oder vier Wochen jedoch sei die Anfrage aus Bersenbrück gekommen. Ein Oberligist, der nächste Saison den Aufstieg anpeile. „Bei der Chance, in zwei Jahren vielleicht Regionalliga zu spielen, wird man hellhörig. Da überlegt man noch mal anders“, erklärt Burke. Er habe die neue Lage gegenüber Borussias Machern sogleich offen kommuniziert. Am Mittwoch nun teilte Burkes Vater dem Sportlichen Leiter Hans-Dieter Jürgens mit, dass Silas wechseln wird.

Roland Westers über Burkes Abgang: „Wir haben das Gefühl, dass der Vater die treibende Kraft ist.“ Darauf angesprochen, lacht der Sohn, sagt: „Das ist Quatsch. Er hatte maximal eine beratende Funktion. Die Entscheidungen treffe ich.“ Er habe an dem Mittwoch einfach viel telefoniert, auch mit Borussen-Spielern, mit denen er sich immer „super verstanden“ habe, denen er nun seinen Weggang persönlich mitteilte und „die es aus sportlicher Sicht nachvollziehen konnten“. Daher habe sein Vater den Anruf bei Jürgens übernommen. Burke betont, der Wechsel-Entschluss sei ihm sehr schwer gefallen, er habe in diesen Tagen „wenig geschlafen“.


Westers geigt Burke die Meinung


Auch seinen Coach Westers rief Silas Burke am Mittwoch an – der ihm daraufhin eine Standpauke hielt und mitteilte, dass er sich beim Training und bei Spielen nicht mehr blicken lassen muss. Westers über Burkes Wechsel: „Viel egoistischer kann man nicht handeln.“ Man rede hier ja auch nicht über einen unerfahrenen 17-Jährigen, sondern über einen 23-Jährigen. Zumal Borussia Burkes Forderungen, für die nächste Saison einen schlagkräftigen Kader aufzustellen, erfüllt habe. So kommt etwa mit Mattes Langelage ein Mann für die Defensive und mit Samir Haxha ein Ersatz für Laurentiu Tuca (wechselt zum Oberligisten Vreden) auf der linken Bahn. Ironie am Rande: Die beiden Neuzugänge spielen aktuell noch bei Burkes künftigem Verein Bersenbrück.


Muss sich Borussia denn etwas vorwerfen, das seinen Meinungsumschwung rechtfertigt: „Nein“, antwortet Burke, „ich habe mich bei Borussia immer wohl gefühlt. Schade, dass es so endet.“ Trotz seines Rauschmisses will er Sonntag beim Heimspiel gegen Neuenkirchen „als Zuschauer am Platz sein“.


Westers hat offenbar wenig Lust auf ein Treffen, nennt Burkes Wechselgründe „dreist und frech“. Der Spieler dazu: „Roland und ich haben uns persönlich immer gut verstanden. Deswegen ist er jetzt vielleicht mehr verletzt. Und Borussia ist ja auch sein Herzensverein.“

Silas Burke