„Weiß nicht, ob ich den Job übernommen hätte“
Weil er zeitgleich immer mit dem SC Altenrheine im Einsatz war, konnte Marc Wiethölter in der Rückrunde noch kein Borussen-Spiel live verfolgen. Am kommenden Sonntag gegen Neuenkirchen will er aber am Teekotten dabei sein, da Altenrheine schon Samstag spielt. | Foto: Thomas Strack
Er betont aber: „Noch stehe ich beim SC Altenrheine in Lohn und Brot und will es sauber zu Ende bringen.“ Mit dem Landesligisten hatte er in der Rückrunde ebenfalls noch ein wenig Abstiegskampf-Stress. In dieser Zeit habe er sich „an Sonntagen selten mit Borussia beschäftigt“. Jetzt, wo Altenrheine die Klasse sicher hat, ist das anders. „Nach unserem Spiel vor eineinhalb Wochen habe ich mir nicht zuerst ein Kaltgetränk genommen, sondern erst geguckt, wie Borussia gegen Delbrück gespielt hat.“
„Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr“
Am 2. August 2024 war Wiethölter noch als Gegner an den Teekotten gekommen. Im Rahmen von Borussias Grillparty gewann sein Landesliga-Team das Testspiel gegen den Westfalenligisten mit 3:2. „Damals dachte ich: Die brauchen Hilfe“, scherzt er. Dann ernsthaft: „Ich habe an dem Tag nicht ansatzweise gedacht, dass ich ein paar Wochen später als neuer Borussen-Trainer vorgestellt werden könnte.“ Westers selbst hatte ihn ausgewählt und quasi zwangsrekrutiert. „Er meinte zu mir: ,Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. Du machst das künftig‘“, erinnert sich Wiethölter an das Gespräch im September. Zu dem Zeitpunkt hatte er seinen Abschied vom SCA bereits kommuniziert.
Mit Borussia ging es dann schnell, wenige Gespräche genügten für seine Zusage. „Entweder ich bin von etwas überzeugt oder nicht.“ Von Borussia ist er überzeugt, nicht zuletzt wegen Leuten wie Sportleiter Hans-Dieter Jürgens, Berater Marcel Langenstroer und Geschäftsführer Stefan Westers (Bruder des Trainers). Und eben auch wegen Roland Westers. Wiethölter: „Er wird künftig bei Spielen hinter mir stehen, mir permanent auf den Sack gehen. Ist in Ordnung. Roland wäre auch der erste, der schreit: Wiethölter raus! Auch das ist in Ordnung.“ Westers hänge halt mit viel Herzblut an seinem Verein. Wiethölter will den regelmäßigen Austausch mit ihm suchen. „Ich wäre blöd, es nicht zu tun. Roland ist in der Westfalenliga verwurzelt, ich nicht.“
„Zuckerbrot und Peitsche“
Der künftige Coach will die bisherigen „guten Strukturen weiterführen, aber auch eigene Ideen einbringen“. Und er will das Team „fußballerisch nach vorne bringen“. Mit Mannschaftsführer Hendrik Ohde hat er sich bereits kurz vor Ostern getroffen und ausgetauscht. Bleibt Ohde Kapitän? Wiethölter will solche Fragen zuerst gegenüber der Mannschaft beantworten. Ein gemeinsamer Termin – auch mit den Neuzugängen – soll zeitnah gefunden werden. Aber wohl nicht vor dem 28. Mai. Denn an dem Tag trifft Wiethölter mit Altenrheine im Kreispokalfinale auf Westfalenligist Mesum. Diesem wichtigen Spiel gilt seine Konzentration. Nach fünf Jahren in Altenrheine will er sich mit einem Titel verabschieden.
Zuvor war er sechs Jahre Trainer des TuS Recke. Auch in Emsdetten plant der Hopstener keine kurze Stippvisite. „Die Handschrift eines Trainers erkennt man erst, wenn er Minimum drei Jahre da ist. Ich freue mich drauf.“ Die Spieler dürften ebenfalls ihren Spaß kriegen, setzt der Trainer doch auf „Zuckerbrot und Peitsche. Die Jungs können viel mit mir lachen. Ich kann aber auch anders, werde ihnen in den Hintern treten.“

