Westers wälzt sich in den Schlaf

29.04.2025

Westfalenligist Borussia in der Krise

Westers wälzt sich in den Schlaf

Nach Meisterschaftsspielen – egal ob Sieg oder Niederlage – geht Roland Westers aufgekratzt ins Bett. „Von Sonntag auf Montag schlafe ich immer schlecht. Diesmal aber definitiv besonders schlecht.“ Die 0:2-Heimniederlage gegen Westfalenliga-Kellerkind FC Nieheim setzt Borussia Emsdettens Trainer zu.

Montag, 28.04.2025 - 18:36 Uhr
 

Borussia Emsdettens Westfalenliga-Trainer Roland Westers sucht den Weg aus der Krise. | Foto: Thomas Strack

Ebenso, dass seine Mannschaft seit Wochen nicht mehr punktet und sie nur noch sieben Zähler vom Abstieg trennen. Hat er vorher schon mal sechs Spiele am Stück verloren. „Nein“, antwortet Westers. Um das zu wissen, müsse er seine 17 Trainerjahre nicht großartig Revue passieren lassen. Sechs Schlappen nacheinander, dabei nur zwei Tore geschossen – „natürlich nagt das an einem“, sagt der Coach, der „seine“ Borussia am Saisonende keinesfalls als Absteiger an Nachfolger Marc Wiethölter übergeben will.


„Dafür gibt es Gründe“


Es wirkt wie ein Rückblick in graue Vorzeit, aber vor nur sechs Wochen durfte Borussia noch vom Aufstieg träumen. Westers allerdings tat das damals schon stets mit einem müden, mitunter genervten Lächeln ab. „Weil es Gründe gab, warum wir da oben standen. Es lief einfach wie am Schnürchen. Wir hatten keine Verletzten, die Trainingsbeteiligung war entsprechend gut, die Laune auch.“ Er ahnte, dass es nicht ewig so rund weiterlaufen konnte. Dass der Einbruch aber derart heftig sein würde, ahnte er wohl nicht. „Es hat sich ins krasse Gegenteil umgekehrt. Aber auch dafür gibt es Gründe.“


Speziell Kai Deradjats Schlüsselbeinbruch schmerzt ganz Borussia. Bei dermaßen viel Platz im Zentrum wie am Sonntag gegen Nieheim hätte der Ballverteiler „seine helle Freude gehabt“, weiß Westers. Doch ohne Deradjats punktgenaue Pässe wusste Emsdetten den Platz im Rücken der Nieheimer Kette nicht zu nutzen. Zumal auf der Sechs mit Arian Kraushaar und dem in der 2. Halbzeit eingewechselten Mats Hagel zwei Spieler agierten, die sich angeschlagen „durchquälen“, betont Westers. Dass beiden ihre fehlenden Prozente anzusehen waren, „ist normal“.

 

Borussia wollte Nieheim früh unter Druck setzen, die Gäste zu langen Bällen zwingen. Das klappte im Grunde auch. Wären da nicht die irre vielen Ballverluste im Spielaufbau gewesen, mit denen Emsdetten die Gäste ständig zum Kontern einlud. Westers: „Wir bieten den Gegnern zurzeit wahnsinnig viele Chancen an.“ Das sei ein Resultat der um sich greifenden Verunsicherung. Ein anderes Beispiel dafür: Beim Stand von 0:0 verfehlte selbst ein alter Haudegen wie Julius Hölscher aus 20 Metern den leeren Nieheimer Kasten (55.). „Auch bei einem so erfahrenen Spieler ist es eine Kopf-Sache. Da ist es egal, ob du 18 oder 31 bist“, sagt Westers.


„Ist halt so“


Das Toreschießen ist eh nicht Hölschers Kernkompetenz. Ganz anders sieht das bei Vollblut-Knipser Silas Burke aus. Borussias Top-Torjäger wurde am Sonntag bei so mancher aussichtsreicher Strafraumszene schmerzlich vermisst. Westers: „Dass Silas uns abgeht, ist auch klar.“ Er hofft, ihn nach seinem Nasenbeinbruch „in den letzten zwei, drei Spielen“ noch einsetzen zu können. Ansonsten will er sich mit Borussias aktuellem Ausfall-Pech („Ist halt so“) nicht lange aufhalten.


Wie geht‘s weiter? Westers: „Wir dürfen auf dem Platz keine Angst vor Fehlern haben, müssen wieder eine gewisse Lockerheit und Leichtigkeit reinkriegen, müssen mit Ball befreiter spielen. Da sind wir Trainer jetzt gefordert.“

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