Willkommen im Schlamassel, Borussia

28.04.2025

Westfaleniga: 0:2 gegen Kellerkind Nieheim

Willkommen im Schlamassel, Borussia

0:2-Heimniederlage gegen den Tabellen-Drittletzten FC Nieheim. Sechste Pleite in Folge. Der Vorsprung auf die Abstiegsränge auf sieben Punkte geschrumpft. Willkommen im Schlamassel, Borussia Emsdetten. Auch an diesem Sonntag bekam der Westfalenligist seine Talfahrt nicht gestoppt.

Borusse Vincent Schulte (r.) gegen Nieheims Zias Baris: Emsdetten unterlag am Sonntag zu Hause mit 0:2, die Gäste holten dank der drei Punkte im Tabellenkeller tief Luft. | Foto: Thomas Strack

„Jeder Borusse ist gerade sehr geknickt“, sagte Trainer Roland Westers bei der anschließenden Pressekonferenz. Gleichzeitig betonte er, „dass wir noch immer in der Pole Position sind. Wir müssen ja nicht hinterherrennen.“ Das Sieben-Punkte-Polster erscheint angesichts der vielen Nullrunden der vergangenen Wochen jedoch arg dünn.


Borussia beim 0:1 nicht im Bilde


Zumal der Coach sieht, wie seine Truppe immer mehr flattert. „Die Unsicherheit beim Tor zum 0:1 war unfassbar zu erkennen.“ Die 72. Minute: Nieheims wendiger Stürmer Julien-Noah Kracht geht links am Strafraum mit Ball durch zwei Borussen durch, passt an den zweiten Pfosten zu Tobias Puhl, der legt ab auf Alexander Wehrmann, der die Kugel flach ins lange Eck jagt. Sekunden später: Anstoß Borussia, Mats Hagel will den Ball nach vorne schlagen, sein Schuss wird geblockt, ruckzuck ist Nieheim wieder in der Box, wo Kracht das Spielgerät auf die Latte drischt (73.). Borussia bleibt im Geschäft, stellt um auf Risiko. Doch der nächste Fehler im Spielaufbau macht ihnen den Garaus: In der 80. Minute verliert Arne Moselage den Ball, Nieheim kontert, Puhl knallt die Kugel volley zum 0:2 ins Netz. Aus, vorbei.


Die Partie hatte für Borussia schon schlecht begonnen, gleich in der 1. Minute musste Dömer bei Puhls Kopfball zugreifen. „Einmal ordnen, schütteln, weiter geht‘s“, rief Westers daraufhin aufs Feld.

Sein Team präsentierte sich gegen das Kellerkind offensiver als in den vergangenen Wochen, kam auch immer wieder zu Chancen, etwa bei Jule Hölschers zur Ecke geblocktem Schuss (10.), oder bei den Versuchen von Attila Szabo, der zweimal verzog (15., 19.). Insgesamt war Borussia jedoch zu unpräzise und zaghaft. Nieheim dagegen hatte beste Möglichkeiten, schon zur Pause zu führen. Bei einem Konter zielte der von Henrik Laumann verfolgte Kracht frei vor Dömer um Zentimeter daneben (12.). Dann tauchte Borussias Keeper stark gegen Ahmad Baktearis Schuss ab (38.).

Knifflig wurde es in der 41. Minute: Nach zu kurzem Rückpass von Arian Kraushaar wollte Moselage den Ball vor dem heranstürmenden Kracht wegdreschen, traf aber Zentimeter vor der Strafraumgrenze nur den Nieheimer. Schiri Niklas Skora nestelte schon hinten an seiner Hose, wo der Rote Karton steckt, holte dann aber doch vorne die Gelbe Karte heraus. „Weil der Nieheimer den Ball nach außen gespielt hat und Emsdettens Nummer 5 (Ohde) noch daneben stand. Daher keine Notbremse“, erklärte er auf Nachfrage. Baktearis anschließenden Freistoß entschärfte Dömer.


Kurz nach dem Seitenwechsel war der Super-Torwart gleich wieder gefordert. Innenverteidiger Ohde rückte mit auf, beim mal wieder schnellen Ballverlust fehlte hinten die Absicherung, Nieheim konterte, nach Hereingabe von Kracht zog Wehrmann aus wenigen Metern ab, doch Dömer riss die Fäuste hoch (50.). Irre Parade!

 

Dann lag plötzlich Borussias Führung auf dem Silbertablett. Nach einem Missverständnis von Nieheims Keeper Philip Hildesheim mit einem Verteidiger sprang der Ball Jule Hölscher vor die Füße, der aus 20 Metern den leeren Kasten verfehlte (55.). Es war der Startschuss zu Borussias bester Phase: Einen 18-Meter-Schuss von Hagel kratzte Hildesheim aus dem Eck, bei der anschließenden Ecke klärte Ziad Baris mit dem Kopf auf der Linie (69.).


Stattdessen fing sich Borussias kurz darauf das 0:1...

Die Trainerstimmen

 

  • Es war eines dieser typischen Spiele, bei denen das Team gewinnt, das 1:0 in Führung gehe, meinte Borussen-Trainer Roland Westers . Die erneut vielen Fehler seiner Elf nervten ihn, „ständig spielen wir völlig unbedrängt dem Gegner den Ball in die Füße“. Vorne habe sein Team „zu überhastet, zu ungenau“ agiert und sich dadurch hinten selbst unter Stress gesetzt. „Dass Nieheim vorne große Qualität hat, wussten wir.“
  • Bei den abstiegsbedrohten Gästen hatte im Oktober Ex-Nationalspieler Jörg Böhme (51) den Trainerjob übernommen und seitdem einige Erfolgserlebnisse gefeiert. „Ich habe an ein paar Schräubchen gedreht, an denen mein Vorgänger vielleicht nicht gedreht hat.“ Aus den letzten fünf Punktspielen sprangen dennoch nur zwei Zähler heraus. Daher sei er froh, „dass wir mal wieder gewonnen haben. Gott sei Dank.“

 

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