Dass Borussia Emsdetten am Sonntag dank des Kopfball-Tores von „Henni“ Ohde in der 90. Minute einen Punkt im Westfalenliga-Heimspiel gegen RW Maaslingen behalten durfte, war schlichtweg unverdient.
„Mit einem 0:4 zur Pause wären wir noch gut bedient gewesen.“ Roland Westers, Trainer der Borussen, ist ein ehrlicher Mensch. Und so erkannte er korrekt an, dass Maaslingen vor allem in der 1. Halbzeit seiner Truppe in allen Belangen haushoch überlegen war. Fußballerisch, technisch, von der Spielanlage her, in der Zweikampfführung, beim Engagement – in allem!
Nur nicht im Toreschießen. Da waren beide Mannschaften gleich schlecht. Wobei Borussia in den ersten 45 Minuten gar nicht auf den gegnerischen Kasten schoss. Die Gäste hingegen mehrfach, und das aus bester Position.
Allein RWM-Stürmer Kadir Yildirim vergab in der 2., 17. (Pfosten), 30., 34. und 37. Minute teils kläglich. Und als er in der Nachspielzeit der 1. Hälfte ins Borussen-Netz traf, stand er zuvor im Abseits. So sah es der Assistent an der Seitenlinie. RWM-Trainer Bartel freilich sah das ganz anders ...
„Gott, Luca Dömer oder was weiß ich“
Dennoch stand es zur Pause 0:0. „Gott, Luca Dömer oder was weiß ich“, machte Westers für diesen Mega-Dusel seines Teams verantwortlich. Er hatte Kapitän Hendrik Ohde vergessen, der zweimal kurz vor der Torlinie geklärt hatte.
Bei den Borussen, bei denen Sommer für Schnieders als Innenverteidiger begann, herrschte oft Chaos in der eigentlich so starken Abwehr.
Auch in der 2. Hälfte – Coach Westers brachte zur Pause Schnieders für Sommer – wurde es nicht anders. Yildirim ließ das nächste dicke Ding aus (57.). Dann endlich klappte es, als Jan-Malte Schwier aus acht Metern die Gäste in Führung schoss (60.). Hochverdient, keine Frage.
Erst danach nahm Borussia auch offensiv am Spiel teil, hatte durch Afiemo (62.), dessen Kopfball knapp am Tor vorbeiflog, seine erste Torchance. Und durch Ohde (77.), dessen Kopfball nach Deradjat-Eckball gar ans Lattenkreuz klatschte, eine zweite.
Maaslingen lauerte auf Umschalt-Situationen nach Borussia-Fehlern. Und die gab es. Erst patzte Deradjat, doch Kurnaz (78.) verzog frei vor Dömer. Dann unterlief Schulte ein Fehler, aber auf Yildirim konnten sich die Borussen verlassen, der Maaslinger jagte den Ball aus zehn Metern mutterseelenallein vor dem Tor über eben dieses (87.). Das war fast schon schwerer, als das Leder zu versenken ...
Dann kam die 90. Minute
Und – klingeling im Phrasen-Schweinderl – „wer seine Chancen nicht nutzt, der wird bestraft“. Nämlich in der 90. Minute. Der agile Baans flankte von rechts, Kapitän Hendrik Ohde, fünf Minuten zuvor aus der Innenverteidigung in die Sturmspitze gerückt, köpfte das Leder aufs Tor. RW-Keeper Ostrenko kam mit der Faust dran. Doch der Ball setzte seine Flugbahn fort. Ostrenko boxte noch mal nach und das Runde so aus dem Eckigen raus. Doch der Assistent signalisierte sofort: „Tor!“
War der wirklich drin? Viele Borussen-Fans auf der Tribüne hatten da Zweifel. Egal. Der Treffer zählte. 1:1 – ein absoluter Glücks-Punkt für Borussia, der zwar völlig unverdient war, aber dennoch auf der Habenseite verbucht wurde.

