Westers: „Das Glück des Tüchtigen“

12.11.2024

Westfalenligist Borussia war auch in Neuenkirchen nicht zu schlagen

 

Henrik Laumann (Bild links) musste mit Westfalenligist Borussia Emsdetten in dieser Saison erst zwei Niederlagen einstecken. Auch Jan Rauße schaffte es am Sonntag mit dem SuS Neuenkirchen nicht, den Nachbarn zu besiegen (Endstand 1:1). | Foto: Thomas Strack

Nach 14 Spieltagen darf Borussia Emsdettens Westfalenliga-Trainer Roland Westers mit Fug und Recht behaupten: „Es ist offenbar nicht so einfach, uns zu besiegen.“ Das schafften in dieser Saison erst zwei Gegner, „und diese beiden Niederlagen sind erklärbar“, so Westers. Am 3. Spieltag hatte Borussia in Kinderhaus unglücklich in der Nachspielzeit das 1:2 kassiert, und vor der 0:2-Pleite am 7. Spieltag in Soest steckte der Mannschaftsbus eineinhalb Stunden im Stau fest. Eine perfekte Spiel-Vorbereitung sieht anders aus.


Beim Derby am Sonntag in Neuenkirchen gab‘s um ein Haar die dritte Schlappe. Nur mit Müh‘ und Not bekam Borussia kurz vor Schluss eine letzte brenzlige Situation bereinigt, rettete das 1:1 ins Ziel. „Da sieht man, dass das Sprichwort ,Das Glück des Tüchtigen‘ seine Berechtigung hat“, sagt Westers dazu. „Die Jungs arbeiten deutlich besser als die Mannschaft in der Vorsaison. Man muss da kein Blatt vor den Mund nehmen. Es war damals einfach nicht mehr so der Zug drin.“ Erst der im Sommer vollzogene überfällige Umbruch brachte wieder die nötige „Auffrischung“, wie Westers es nennt.


Westers: „Hätte ich auf meine Kappe genommen“


Einer der Neuen: Julius Hölscher von Oberligist Eintracht Rheine. Weil der etatmäßige Elfer-Schütze Silas Burke am Sonntag verletzt fehlte, trat er in der 7. Minute nach Foul an Laurentin Tuca zum Strafstoß an. Und hatte einen heißen Tipp im Gepäck. Westers: „Jeder Torwart hat seine Schokoladenseite.“ Aus dem Video-Studium wussten die Borussen, dass SuS-Keeper Lukas Greiwe gerne in seine rechte Ecke springt. So auch gegen Hölscher, der entspannt die andere Seite wählte – die 1:0-Führung. Westers: „Wäre es schief gegangen, hätte ich es auf meine Kappe genommen.“ Doch auch ohne Ecken-Tipp vertraut Westers seinem Routinier: „Jule hat die nötige Schuss-Technik.“

Burkes Ausfall war Borussia deutlich anzumerken. „Er ist einer der Top-Stürmer der Liga“, so Westers. Während Burke bevorzugt weit vorne lauert und Bälle auch mal festmacht, sucht Flügelflitzer Noah Afiemo, der diesmal in Neuenkirchen in vorderster Front agierte, eher den Weg in die Tiefe. „Wir haben es aber nicht geschafft, ihn ins Laufduell zu schicken“, nennt Westers einen Grund für Borussias Harmlosigkeit.


Was ebenfalls nicht gut klappte: Borussia wollte Neuenkirchen hinten rauslocken, eben um die Tempo-Vorteile von Afiemo und Co. auszuspielen. „In vielen Situationen standen wir aber zu hoch“, so Westers. Heraus kam dabei etwas, das wie ein halbgares Forechecking aussah. Westers: „Wir wollten null Komma null Forechecking spielen.“


Darum musste Schnieders früh Platz machen


Schon zur Halbzeitpause musste Innenverteidiger Linus Schnieders seinen Platz räumen. Trainer Westers: „Er spielt eine überragende Saison, ist aber nicht der Schnellste.“ Der Plan gegen Neuenkirchen sah daher so aus: Um die beiden pfeilschnellen SuS-Stürmer Fin Menzel und Lennart Theismann in den Griff zu bekommen, sollte Schnieders bei gegnerischem Ballbesitz vorrücken und Neuenkirchens Zehner Jan Rauße stören. Dafür sollten die beiden Außenverteidiger Hölscher und Vincent Schulte einrücken und mit Ohde hinten eine Dreierkette bilden. Problem: Schnieders rückte nicht richtig raus. „Er ist nun mal durch und durch Innenverteidiger. Man hat ihm bei jedem Schritt nach vorne angemerkt, wie unwohl er sich dabei fühlte“, so Westers. Daher löste ihn zur Pause Mats Hagel ab. Der ist gelernter Sechser – und lieferte eine starke Partie ab.

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