Borussia Emsdettens Stadionsprecher Friedhelm Wenning flehte über Lautsprecher: „Macht jetzt bitte das Spielfeld frei. Wir müssen das Westfalenliga-Spiel beginnen. Liebe Nordwalder, BITTE!“ Ganz allmählich kamen Spieler und Fans des 1. FCN, der am Sonntag nach einem Sieg im Vorspiel bei Borussias Reserve den Bezirksliga-Aufstieg ausgiebigst feierte, der freundlichen Aufforderung nach. Schließlich, mit satten 17 Minuten Verspätung, konnte es dann endlich losgehen. Die Verzögerung war aber nicht weiter wild. Denn dass Borussia I und der SC Peckeloh eh nicht gerade auf ihr bedeutungsloses Duell brannten, zeigten die folgenden 90 Minuten. „Noch nie so einen Sommerkick gesehen“, meinte Borussen-Coach Roland Westers nach dem 2:2 (0:1).
Reden wir also lieber über die an diesem Tag im Fokus stehenden Personalien. Da wären vor allem die vielen Abschiede, zwölf Borussen wechseln zu einem anderen Verein oder hören auf. Etliche von ihnen bekamen einen letzten Auftritt samt Auswechslung mit Umarmungen und Applaus. Keeper Niclas Kock etwa, der erst 90 Minuten für die Reserve spielte und danach auch im Kasten der Ersten begann.
„Ein Gefühl, als ob die Kinder zu Hause ausziehen“
Den Vogel schoss Westers aber beim dienstältesten Borussen ab: Kevin Torka (beendet seine Karriere) ist eigentlich verletzt, wurde überraschend in der 87. Minute eingewechselt, schlurfte im Rahmen seiner Möglichkeiten über den Rasen und durfte drei Minuten später wieder runter. Kann Torka denn überhaupt richtig laufen? „Nee“, antwortete Westers, „er hat ja einen Bänderriss.“ Doch nach neun Jahren bei Borussia sollte Torka keinesfalls ohne große Auswechsel-Bühne abtreten. Westers sentimental: „Bei Kevin ist es ein Gefühl, als ob die Kinder zu Hause ausziehen. Er ist mir sehr ans Herz gewachsen.“
Auch Daniel Mladenovic geht (zum TuS Freckenhorst). In seiner letzten Partie im Borussen-Trikot ließ er noch mal die Muskeln spielen, verwandelte einen 0:2-Rückstand in ein 2:2. Erst köpfte der Stürmer nach Flanke von Vincent Schulte den Ball zum 1:2 in den Knick (61.), dann vernaschte er Peckelohs Kapitän Philipp Diekmann und jagte die Kugel flach ins lange Eck zum Ausgleich (70.). „Freut mich, dass ich der Mannschaft noch mal helfen konnte. Ein versöhnlicher Abschluss“, sagte der Doppeltorschütze. Obwohl seine zweite Saisonhälfte nicht perfekt lief, ist er mit insgesamt zwölf Buden Borussias bester Ballermann. Mladenovic: „Die Rückrunde hatte Aufs und Abs. Im Vordergrund stand aber der Teamaspekt, nicht abzusteigen. Das haben wir geschafft.“ Burke will nicht drüber reden In der nächsten Saison hofft Borussia unter anderem auf die Treffer von Silas Burke. Am Sonntag kam er noch als Gegner nach Emsdetten und war prompt an beiden Peckeloher Toren entscheidend beteiligt. In der 30. Minute war Burke mit dem Kopf schneller am Ball als Keeper Kock – 0:1. Kurz nach dem Seitenwechsel bediente er Tom Bauer, der auf 0:2 für die Gäste erhöhte (48.). Nach einem misslungenen Rückpass von Kevin Hagemann hatte Burke sogar die Chance, einen Doppelpack zu schnüren, verzog aber (41.). „Über die Szene müssen wir jetzt nicht unbedingt reden“, sagte der Bald-Borusse lachend nach dem Abpfiff. Das 2:2 ging letztlich in Ordnung. Zwar startete Peckeloh deutlich gefährlicher, hatte in der 8. Minute Innenpfosten-Pech. Danach aber ließen auch die Borussen mehrmals aufblitzen, dass sie nicht nur zum Abschied nehmen gekommen waren.

