Nach dem befreienden 2:1-Sieg am Montag in Espelkamp dröhnte der Neue-Deutsche-Welle-Hit „Major Tom“ aus Borussia Emsdettens Mannschaftskabine. Lautstark grölten die Spieler die Textzeile „Völlig losgelöst von der Erde“ mit. Das hätte man aus gegebenem Anlass auch umdichten können in „Völlig losgelöst von allen Abstiegssorgen“. Wobei: 100-prozentig sicher ist der Klassenerhalt in der Westfalenliga ja noch gar nicht. Läuft der kommende letzte Spieltag völlig schräg – Borussia müsste zweistellig verlieren bzw. die Konkurrenz astronomisch hoch siegen –, dann könnte Emsdetten noch untern Strich rutschen. Trainer Roland Westers dazu: „Ich versuche immer, alle Dinge so realistisch wie möglich zu sehen. Aber dieses Szenario sehe ich nicht.“
Was er aber sieht, sind mehrere Gründe, am Sonntag gegen Peckeloh zu glänzen statt unterzugehen. Vor der 1. Mannschaft spielt die Reserve. Gegner Nordwalde wird Hunderte Fans mitbringen, die ihr Team zum A-Liga-Titel schreien und danach beim Aufstiegsbier dem Westfalenliga-Kick zuschauen wollen. „Da wollen wir uns gut verkaufen“, so Westers. Und die vielen Borussen, die den Verein verlassen, „wollen zum Abschied keine Rutsche kriegen“. Außerdem winkt noch Tabellenplatz zehn, „der unserem Leistungsvermögen entspräche“, meint Westers.
Was wäre, wenn ...
Aktuell ist Borussia Elfter, hat 30 Punkte. Weil in dieser Saison die vielen späten Gegentore Dauerthema waren, hat unsere Zeitung mal ausgerechnet, wie Emsdetten dastünde, wenn alle Spiele nach 80 Minuten abgepfiffen worden wären (siehe unten). „Will ich gar nicht hören“, fällt Westers uns ins Wort, die Sache reißt bei ihm Wunden auf. Dann meint er schmunzelnd zu dem 80-Minuten-Rechenspiel: „Würden wir aufsteigen?“ Schließlich schätzt der Coach, dass es „sechs bis acht Punkte mehr“ sein dürften. Richtig, statt 30 hätte Borussia 36 Zähler auf dem Konto.
Auffällig: die meisten der späten Tore fing sich Borussia zu Hause. „Ich weiß“, sagt Westers. Eine Erklärung für dieses Phänomen „gibt es nicht“. Wohl aber für die Last-Minute-Probleme an sich. Mit Platzverweisen und spielerischen Mängeln habe sich Borussia oft selbst ein Bein gestellt.
Dennoch, so Westers: „Das wäre ein extrem unverdienter Abstieg gewesen.“

