Fußball-Wesfalenliga: 4:0 über Haltern / „Orakel“ Max Rengers
10. Minute: Tom Holöchter (re.) bejubelt seinen Treffer zum 1:0 gegen Haltern. „Henni“ Ohde (legte den Treffer per Kopf auf. | Foto: Bernd Oberheim
Sonntag, 22. Oktober 2023: Borussia Emsdetten gewinnt beim TuS Haltern mit 1:0. Sonntag, 28. April 2024: Borussia gewinnt im Walter-Steinkühler-Stadion gegen den TuS Haltern mit 4:0 (1:0). Dazwischen liegen 14 (!) Meisterschaftsspiele der Dettener ohne Sieg. Acht Remis und sechs Niederlagen gab es in dieser ellenlangen Phase. Entsprechend groß war der Jubel am Sonntag bei den Borussen-Fans unter den 310 Zuschauern, dass diese enorme Sieglos-Serie nun endlich und ausgerechnet im Schicksals-Spiel gegen Mit-Kellerkind Haltern gerissen ist. Und einer hat’s schon vorher gewusst: Max Rengers. Der verletzte „Sechser“ sagte am Sonntagnachmittag kurz vor dem Anpfiff zur EV: „Wir machen ein frühes Tor und gewinnen 4:1.“ Ein frommer Wunsch, doch Skepsis schien angebracht. Aber: Rengers, das Orakel, sollte fast 100-prozentig recht behalten.
Das frühe Tor: In der 10. Minute zirkelt Kai Deradjat eine Freistoßflanke in den TuS-Sechzehner, „Henni“ Ohde verlängert am zweiten Pfosten den Ball per Kopf in die Mitte, wo ihn Tom Holöchter volley aus fünf Metern zum so wichtigen 1:0 für Borussia in die Halterner Maschen drückt. Das 2:0: Ein weiter Einwurf des wiedergenesenen Marius Klöpper fliegt in den Halterner Strafraum. Alle verpassen, einer hat‘s gerochen: Vincent Schulte! Der Linksfuß ist zur Stelle und jagt die Kugel aus fünf Metern mit Vollspann unter die Latte (49.). Das 3:0: Innenverteidiger Hendrik Ohde schlägt einen langen Ball in Richtung TuS-Strafraum. Tom Holöchter verpasst, sein Gegenspieler auch. Aber „Henne“ Laumann ist hellwach, sprintet heran und zieht sofort aus 18 Metern ab. Der Ball wird lang und länger, schlägt links im Eck zum 3:0 ein (64.). Das 4:0: Ein Borussia-Konter in der Nachspielzeit läuft. Der eingewechselte Paul Quibeldey sprintet mit nach vorn, flankt das Leder von der rechten Seiten in den Fünfmeterraum. Der spielende Co-Trainer Jan Kortevoß, erst fünf Minuten zuvor eingewechselt, setzt 50 Zentimeter über dem Rasen zum Flugkopfball an und nickt das Leder aus zwei Metern Entfernung zum 4:0 ins Netz (90.+1). Das 4:1: Gibt es nicht. Da lag „Orakel Rengers“ ausnahmsweise falsch. „Aber darauf kann ich wirklich gut verzichten“, lachte er nach dem Abpfiff, als er zusammen mit seinen Teamkollegen auf dem Rasen den so wichtigen, erlösenden Sieg nach dieser langen Durststrecke feierte. Toller Borussia-Fan-Club: Circa 30 junge Fans feuerten „ihre“ Borussia die ganze Spielzeit über lautstark an. Team und Trainer bedankten sich nach dem Abpfiff mit „La Ola“ für diese tolle Unterstützung und klatschten die Kicker-Kids an der Bande ab. Ein mega-erleichterter Trainer Roland Westers spendierte „jedem von euch für die tolle Unterstützung ein Freigetränk“.
In der Pressekonferenz nach dem Spiel legte Westers noch mal nach: „Ein Riesen-Kompliment an diese Jungs, die heute einen Riesen-Lärm veranstaltet haben. Es hilft. Gerne ab jetzt bei jedem Spiel.“ Ob die Borussia-Verantwortlichen den Fan-Club nun am Freitag per Bus mit zum Nachbarderby beim SV Mesum nehmen? Das sagen die Trainer: „Roland, weißt du überhaupt noch, wie man einen Sieg kommentiert?“ Diese Frage von Stadionsprecher Friedhelm Wenning sorgte in der Pressekonferenz nach dem 4:0-Erfolg der Borussen über Haltern für Heiterkeit im Vereinsheim. Doch zunächst analysierte TuS-Trainer Alex Zerche , einst Landesliga-A-Jugendcoach am Teekotten, die Partie: „Der Sieg geht unterm Strich in Ordnung. Uns ist es heute nicht gelungen, an unsere Leistungen der Vorwochen anzuknüpfen. Das 1:0 und 2:0 haben wir uns selbst eingeschenkt. Dem 3:0 ging ein individueller Fehler voraus und das 4:0 fällt nach einem Konter. Der Sieg ist ein, zwei Tore zu hoch ausgefallen, aber unterm Strich ist er verdient.“ Borussia-Coach Roland Westers : „Ich bin natürlich höchst zufrieden, dass wir das Ding heute gewonnen haben. Jeder hat gesehen, dass die Jungs vom Willen her ein überragendes Spiel heute abgeliefert haben. Die Jungs waren bereit, zu leiden. Der Sieg war ein erster Schritt, aber das Ziel ist noch ein Stück weit entfernt.“

