Auch nach der – erwartbaren – 0:2 (0:0)-Niederlage der Borussen am Sonntag bei Westfalenliga-Spitzenreiter SC Verl II steht das Team um Trainer Roland Westers immer noch „über dem Strich“. Doch die Konkurrenz im Abstiegskampf sitzt den Dettenern jetzt noch enger im Nacken: Nur drei Punkte trennen die Borussen vom neuen Schlusslicht Nordkirchen.
„Haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh.“ Ein Zitat des kürzlich verstorbenen Andy Brehme beschreibt die Situation der Borussen treffend. 45 Minuten lang lieferten die Gäste auf dem Kunstrasen-Nebenplatz im Schatten der Osttribüne des Verler Drittliga-Stadions vor nur 75 Zuschauenden dem Spitzenreiter einen Kampf auf Augenhöhe.
Borussia anfangs mit dem nötigen Spielglück
Klar, Verl hatte mehr Ballbesitz, war stets im Vorwärtsgang. Doch der Tabellenführer brachte gegen engagiert kämpfende Borussen nur wenig Torgefährliches zustande. Schon in der 2. Minute war Moritz Lamkemeyer auf links Dettens Kevin Meise enteilt, schlenzte den Ball aber knapp vorbei. In der 17. Minute ließ der bärenstarke Poliakov mit einer Körpertäuschung Tom Holöchter aussteigen, doch sein 13-Meter-Schuss zischte links vorbei. Da hatte Borussia zweimal das nötige Spielglück.
Doch das erarbeitete sich das Team, das sich phasenweise mit einer Fünfer- oder gar Sechserkette gegen die Verler Angriffe wehrte. Aber: Detten verteidigte nicht nur, sondern suchte auch selbst per Konter den Weg nach vorn. So fing Keeper Luca Dömer einen Eckball ab, warf das Leder in den Lauf von Tom Holöchter, der nach einem 40-Meter-Sprint mit dem Ball am Fuß Vincent Schulte bediente, dessen Dropkick aus 17 Metern knapp am SCV-Kasten vorbeiflog (42.). In der Nachspielzeit der 1. Hälfte hatte erneut Schulte eine Schuss-Chance, doch seine Volleyabnahme war zu zentral angesetzt. 0:0 zur Pause – das hatten sich die Borussen verdient.
Bitter nur, dass mit Max Rengers, der sich ohne Gegnereinwirkung verletzte, ein zweikampfstarker Sechser früh runter musste (33.). Für ihn kam Paul Quibeldey.
Dömer pariert Strafstoß
Verl hatte sich in der Kabine viel vorgenommen, doch die erste echte Chance in Durchgang zwei gehörte den Gästen: Schulte schaltete schnell um, bediente Kevin Meise, dessen Außenristversuch knapp sein Ziel verfehlte (54.). Große Mühe machte den Borussen nun der trickreiche Poliakov, der immer wieder über links attackierte und kaum vom Ball zu trennen war. In der 55. Minute rutschte ihm Paul Quibeldey im Sechzehner von hinten in die Hacken – Elfmeter für Verl. Poliakov trat selbst an, scheiterte aber am glänzend parierenden Luca Dömer, der – vom Torhüter aus gesehen – in die rechte Ecke abtauchte und den Ball klärte. „Jaaa!“ brüllten alle Borussen im Chor. Auch in der 63. Minute, als Poliakov Dömer zur nächsten Glanztat zwang.
Nach einem unnötigen Ballverlust in der Offensive setzte Kevin „Manta“ Meise nach, grätschte und traf einen Verler von hinten in die Hacken – Schiri Gerlach zückte glatt „Rot“ – hart, aber vertretbar (67.).
In Unterzahl hielt das Borussen-Bollwerk nur noch drei Minuten, dann flog ein langer Ball in den Strafraum der Gäste. Dömer, eben noch der Held, rief „Torwart“, ging zum Ball, schnappte ihn sich aber nicht. Sekou Eickholt war zur Stelle und schob zum 1:0 für Verl II ins leere Tor (70.). In der 81. Minute flog wieder ein weiter Pass in den Dettener Strafraum, erneut war Sekou Eickholt seinen Gegenspielern entwischt und lupfte den Ball eiskalt wie wunderschön über den herausstürzenden Dömer zum 2:0 ins Netz.
Megaärgerlich, denn beide Gegentreffer wären zu verteidigen gewesen. Zudem fehlen den Borussen der rot-gesperrte „Manta“ Meise sowie Vincent Schulte, der eine unnötige fünfte „Gelbe“ kassierte (75.), im wichtigen Keller-Duell Sonntag gegen Haltern. Und der Einsatz des verletzten Rengers ist sicherlich fraglich. Tja, wie sagte schon Andy Brehme: „Haste Scheiße am Schuh, haste ...“
Westers: „Wir schwächen uns unfassbar selbst“
„Die 1. Halbzeit war wohl unsere beste in dieser ganzen Saison“, lobte Borussia-Trainer Roland Westers seine Truppe nach dem 0:2 in Verl. „Doch wenn man sieht, was für Gegentore wir kassieren. Zweimal nach langen Bällen...“, verzweifelte der Coach. „Außerdem schwächen wir uns auch noch unfassbar selbst durch die Rote Karte gegen Kevin Meise und die fünfte ,Gelbe‘ für Vincent Schulte, die uns am kommenden Wochenende im so wichtigen Spiel gegen Haltern auf jeden Fall fehlen werden.“

