Lokalsport Emsdetten - Marius Holthaus
Riesiger Jubel über den 2:1-Siegtreffer in der Nachspielzeit, wichtige drei Punkte im Abstiegskampf der Kreisliga A eingesackt – alles für die Katz! Borussia II ist der Erfolg im Nachholspiel am Montag aberkannt worden, die drei Zähler wandern stattdessen zum Gegner Westfalia Leer. „Sehr bitter“, sagt ein betrübter Trainer Klaus Frank. Wie konnte das passieren?
Es ist erlaubt, in der Reserve maximal vier Spieler aufzubieten, die im Laufe der Saison bereits in der 1. Mannschaft eingesetzt wurden. Voraussetzungen:
- Zwischen einem Einsatz in 1. und 2. Mannschaft muss eine Schutzfrist von fünf Tagen liegen. Das war in diesem Fall kein Problem, weil Borussias Westfalenliga-Team zuletzt am Wochenende vor Ostern, also lange vor dem Spiel der Reserve gegen Leer, am Ball war.
- Mindestens zwei dieser erlaubten vier Spieler müssen jünger als 23 sein. Auch das hielt Borussia II ein.
Problem: Statt der erlaubten vier bot die Borussen-Reserve gegen Leer fünf Mann auf, die in dieser Spielzeit bereits in der Ersten aktiv waren: Konstantin Baans, Felix Hinterding, Kevin Hagemann, Vincent Schulte – und Torhüter Jan-Hendrik Lührmann. „Den hatten wir nicht auf dem Schirm“, sagt Coach Frank über den Verstoß gegen die Regularien.
Studienbedingt fliegt Lührmann bei Borussia ein wenig unterm Radar. „Aber wenn wir ihn brauchen, ist er da“, sagt Frank. In der Hinrunde half der Schlussmann zweimal in der A-Liga aus. Aber leider eben auch einmal im Westfalenliga-Team. Am 10. Dezember holte Borussia I das eine Woche zuvor ausgefallene Punktspiel beim FC Nieheim nach. Diesen kurzfristig anberaumten Termin konnten die etatmäßigen Keeper Luca Dömer und Niclas Kock nicht auf dem Zettel haben, waren beide im Urlaub. Also fragte Trainer Roland Westers bei dem früheren Keeper der Ersten an, und Lührmann sagte zu, hütete bei dem 3:3-Unentschieden den Kasten.
Keinem Borussen fiel der Verstoß auf
Westers war auch am Montag beim Spiel der Reserve am Platz, ebenso Sportvorstand Hans-Dieter Jürgens und Vorstandsmitglieder – doch ihnen allen fiel der Verstoß gegen die Vier-Spieler-Regel ebenso wenig auf wie dem Trainerteam der Reserve. Lührmann selbst auch nicht. „Dem Spieler mache ich überhaupt keinen Vorwurf, er hat die Regeln sicherlich nicht im Kopf“, sagt Frank. Und ärgert sich, wenn er darüber nachdenkt, warum Lührmann am Montag überhaupt im Kasten stand. Denn eine Woche vorher hatte Frank seinen Keeper Simon Leutelt an die Dritte (B-Liga) ausgeliehen. Der zog sich bei der 1:3-Niederlage gegen den 1. FC Nordwalde II eine Knieverletzung zu, dürfte noch längere Zeit ausfallen.
Hätte Leutelt gegen Leer den Kasten gehütet, wären die drei Punkte jetzt noch in Emsdetten. Stattdessen gehören sie nun ausgerechnet Westfalia, einem direkten Borussen-Konkurrenten im engen Abstiegskampf. Frank kämpferisch: „Die Punkte, die wir am Montag verloren haben, müssen wir uns in den nächsten Spielen zurückholen. Jetzt erst recht.“
Die bittere Nachricht hatte den Coach am Dienstagmorgen erreicht, als der Staffelleiter Borussia anschrieb und um Stellungnahme bat. Wird der Verein Einspruch einlegen? Frank: „Nein, die Fakten liegen ja auf dem Tisch.“
Doppeltorschütze hielt es für ’nen Scherz Fußball:
Schulte über den aberkannten Sieg von Borussia II Mittwoch, 3. April 2024 - 15:00 Uhr von Marius Holthaus Foto: Thomas Strack Doppeltorschütze hielt es für ’nen Scherz Vincent Schulte (li.) kann sich für seine zwei Tore am Montag gegen Westfalia Leer nichts kaufen. Da schießt man zwei Tore – und die lösen sich anschließend einfach in Luft auf. Vincent Schulte aus Borussias Westfalenliga-Kader half am Montag bei der Reserve (A-Liga) aus, deren 2:1-Sieg gegen Westfalia Leer am Grünen Tisch in eine 0:2-Niederlage umgewandelt wurde (siehe Artikel unten). War das der überflüssigste Doppelpack deiner Karriere? Vincent Schulte: Kann man so sagen. Als mir ein Kumpel aus der 2. Mannschaft die Nachricht ihres Trainers weitergeleitet hat, dass das Spiel gegen uns gewertet wird, dachte ich wirklich zuerst an einen verspäteten Aprilscherz. Aber so war es ja leider nicht. Was sagst du über die Niederlage am Grünen Tisch, die auch deine beiden Tore wertlos macht? Schulte: Wenn es so war, dass wir einen Spieler zu viel aus der Ersten eingesetzt haben, dann ist die Entscheidung halt berechtigt. Was es nicht weniger bitter macht. Es wären Big Points gegen einen direkten Abstiegskonkurrenten gewesen. Stattdessen mussten wir Leer in der Tabelle wieder vorbeiziehen lassen. Interessiert dich als gestandener Westfalenliga-Spieler das Schicksal der A-Liga-Truppe überhaupt? Schulte: Klar. Als Roland (Westers, Trainer der Ersten) gefragt hat, ob jemand Lust hat, in der Zweiten auszuhelfen, habe ich direkt zugesagt. In der Mannschaft spielen viele Kumpel von mir, mit denen ich schon in der Jugend zusammen gekickt habe. Unter anderem Jan Lührmann, der am Montag ja leider auch auf dem Platz stand. Wenn die Möglichkeit besteht, helfe ich da immer gerne aus.

