Fußball: 0:0 in Nordkirchen / Innenverteidiger Ohde fliegt nach Notbremse runter (48.) /
NORDKIRCHEN. Nach dem Abpfiff sanken die Spieler beider Seiten zu Boden. Gastgeber FC Nordkirchen war enttäuscht, weil er es trotz langer Überzahl nicht geschafft hatte, den dringend benötigten Sieg im Abstiegskampf gegen einen direkten Konkurrenten zu landen. Und die Borussen konnten diesem torlosen Unentschieden ebenfalls wenig abgewinnen, trauerten ihren vielen erstklassigen Torchancen nach. Nur einer stapfte zufrieden und mit aufmunternden Worten auf den Platz: Roland Westers. „Klar sehe ich auch, wie viele Chancen wir hier trotz Unterzahl hatten“, sagte Borussias Trainer, „aber ich bin einfach wahnsinnig stolz auf die Mannschaft, wie sie hier nach dem Tritt in die Eier alles gegeben hat.“
Der Tritt in die Eier, damit war die 48. Minute gemeint. Sein Kapitän und Innenverteidiger Hendrik Ohde stellte sich bei einem langen Ball auf Nordkirchens Luca Frenzel etwas ungeschickt an, ging als letzter Mann am Strafraumeck ungestüm in Ball und Gegner hinein. Frenzel fiel, der Schiri erkannte eine Notbremse, zückte Rot. Selbst Nordkirchens Trainer Mario Plechaty fand die Entscheidung „schon hart“, da sich das Geschehen eher Richtung Seiten-Aus abgespielt habe und es daher unklar sei, ob Frenzel frei aufs Tor hätte zugehen können.
Mit dem Platzverweis ging es richtig ab auf dem Platz. Und es wurde laut. „Jetzt erst recht!“, rief Westers. Sein Keeper Luca Dömer: „Borussia, alle!“ Nordkirchens Schlussmann Philipp Sandhowe brüllte von der anderen Seite: „Spielt sie müde!“ Und Mitspieler Luca Gennermann: „Geduldig bleiben, Männer, wir kriegen die Dinger!“
Allerdings zeigte sich, wie limitiert der Tabellen-Drittletzte ist. Nur einmal spielte das Überzahl-Team die Borussen wirklich aus, Thomas Lappen tauchte frei vor Keeper Luca Dömer auf, der stark parierte (66.). Nach einigen Patzern in den vergangenen Wochen scheint bei Borussia Mister Zuverlässig zurück im Kasten zu sein.
Doch nicht nur Dömer, auch der für Ohde in die Innenverteidigung gerückte Parker Brannon, Nebenmann Mo Uphoff und Co. brachten immer wieder einen Fuß, einen Kopf oder was auch immer dazwischen. Gleichzeitig schien der Platzverweis Borussia in die Karten zu spielen. Denn Nordkirchen wurde mutiger – und Borussia konterte immer wieder stark, war die deutlich gefährlichere Mannschaft. Die dickste Chance: Kevin Meise flankte an den langen Pfosten, dort rauschte Kevin Hagemann mit langem Bein in den Ball, Sandhowe meisterte den Schuss aus fünf Meter Entfernung (73.). Auch Kai Deradjats Volleyschuss am langen Pfosten vorbei (84.) und Daniel Mladenovics schlecht getimter Kopfball nach Tom Holöchters perfekter Flanke (90.) zählten zu den Hochkarätern.
Schon die beiden dicksten Gelegenheiten in Halbzeit eins hatten Borussia gehört. Nach Flanke von Vincent Schulte zielte Meise aus sechs Metern volley vorbei (5.), und nach Vorarbeit von Deradjat stand Henrik Möllers allein vorm Kasten, brachte den Ball aber nicht an Sandhowe vorbei (25.).
Richtig rund ging es aber erst nach Rot...
Westers: „So muss es weitergehen“
Die Trainerstimmen
NORDKIRCHEN „Wir haben ein Bombenspiel in Unterzahl gemacht“, lobte Borussen-Trainer Roland Westers . „Das Mindeste heute war, Nordkirchen in der Tabelle auf Abstand zu halten. Das haben wir geschafft. Riesenkompliment an alle, auch die, die eingewechselt wurden. Genau so, mit dieser Einstellung, muss es jetzt Sonntag für Sonntag weitergehen.“ Jedoch befürchtet er für Wiederholungstäter Hendrik Ohde (sah schon gegen Mesum Rot) eine längere Sperre.
Westers‘ Gegenüber Mario Plechaty war maßlos enttäuscht. „Wir haben es fußballerisch nicht gut gemacht. In Überzahl muss man mutiger und schneller spielen, mit Spielverlagerungen – all das haben wir nicht gemacht“, fasste Nordkirchens Coach zusammen. „Vor dem Tor waren wir zu ungefährlich, haben Emsdetten mit Fehlpässen stark gemacht.“