So kam es zum „Motzki“-Auftritt

01.03.2024

Fußball: Borusse Vincent Schulte über Gezeter und Doppelpack 

Heute, 29. Februar 2024 - 17:00 Uhr

von Marius Holthaus

Foto: Thomas Strack

Eigentlich ist Borussias Mittelfeldspieler Vincent Schulte (Mitte) ein starker Linksfuß. Beim 3:3 am Sonntag bei der SG Bockum-Hövel fiel er aber mit dem rechten Fuß, dem Kopf und dem Mundwerk auf. 

Das war definitiv kein gewöhnliches Westfalenliga-Spiel von Vincent Schulte. Am Sonntag in Bockum-Hövel wurde der Borusse beim 1:3-Pausenrückstand eingewechselt, fiel auf dem Platz erst mal nur durch Motzereien auf, zog damit den Zorn seines Trainers Roland Westers auf sich – und zeigte es ihm mit einem Doppelpack zum 3:3-Endstand. Im Interview erklärt Schulte, warum er schon ordentlich geladen ins Spiel ging und wie seine Teamkollegen mit seinem Gemecker klarkommen. 

 

Vincent, was sagst du dazu, dass wir dich nach dem 3:3 bei Bockum-Hövel im Spielbericht als „Motzki“ bezeichnet haben? 

Vincent Schulte (23): Ich konnte darüber schmunzeln. 

 

Über wen und was hast du nach deiner Einwechslung auf dem Platz denn alles gemeckert? 

Schulte: Es war einfach die Gesamtsituation. Erst mal war ich unzufrieden damit, im ersten Meisterschaftsspiel nach der Winterpause auf der Bank zu sitzen. Ich finde, ich habe eine gute Vorbereitung absolviert, habe mich gut gefühlt. Dann hat es mich gewurmt, dass wir es nach gutem Start gegen Bockum-Hövel in der ersten Halbzeit hergeschenkt und den Gegner stärker gemacht haben, als er war. 

 

Nach der 1:0-Führung lagt ihr zur Pause plötzlich 1:3 hinten. 

Schulte: Zur Wahrheit gehört ja auch, dass der Gegner zu Beginn der zweiten Halbzeit genug Chancen hatte, auf 4:1 zu erhöhen und das Kapitel damit zu schließen. Ich fand, wir haben nicht erkannt, wie hoch Bockum-Hövel stand, haben es nicht geschafft, die angebotene Tiefe zu bespielen. 

 

Teilst du auf dem Platz immer derart aus oder hattest du einfach einen kleinen Pöbel-Tag?  Schulte: Ich kann es generell nicht gut verstecken, wenn ich eine Krawatte habe. Dass meine Reaktion am Sonntag drüber war, weiß ich selbst. Das war wie gesagt der Situation geschuldet. Wir müssen es aber nicht größer machen, als es war. Ich habe ja niemanden persönlich angegangen. Außerdem mache ich selbst auch Fehler. 

 

Hast du auf dem Platz zur Kenntnis genommen, dass dein Trainer Roland Westers dir zugerufen hat, du sollst erst mal zwei Tore schießen, ehe du derart verbal austeilst? 

Schulte: Habe ich, das war laut genug. Ich habe es mir auch zu Herzen genommen. Aber auch ohne Rolands Ansage hatte ich vor, ein Tor zu machen. 

 

 

 

Tatsächlich hast du dann wie von Westers gefordert zwei Buden gemacht… 

Schulte: Ein lustiger Zufall. Auch die Art und Weise, wie die Tore fielen. 

 

Über deinen 2:3-Anschlusstreffer sagte dein Trainer, es dürfte dein erstes und letztes Kopfballtor gewesen sein… 

Schulte: Da könnte er recht haben. Und dass ich den Ball mit rechts so treffe wie beim 3:3, kommt auch nicht immer vor. Ich bin ja Linksfuß. 

 

Bockum-Hövels spielender Co-Trainer Jonas Westmeyer sagte nach der Partie, einerseits sei er froh über den Abpfiff gewesen, andererseits habe er noch auf die eine entscheidende Kontersituation für sein Team gehofft. Wie hast du die Schlussphase erlebt? 

Schulte: Wir haben am Dienstag in der Mannschaft noch darüber gesprochen und waren letztlich alle – trotz des 1:3-Rückstands – über das Unentschieden ernüchtert. Eben weil wir zum Ende hin diese Drangphase hatten. In meinen Augen war Bockum-Hövel platt, ich habe da keine Kontergefahr mehr gesehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir das Ding gewonnen hätten, wenn es zehn Minuten länger gegangen wäre. 

 

Kommen deine Teamkollegen eigentlich damit klar, wenn du auf dem Platz mal rummeckerst? Oder hast du nach den Spielen öfter mal ‘nen Kratzer am Auto? 

Schulte: Die kommen soweit damit klar. Bislang hatte ich jedenfalls keinen platten Reifen oder einen Kratzer. Was auf dem Platz passiert, ist danach ohnehin vergessen. 

 

Erwartest du nach deinem Doppelpack nun im kommenden Spiel gegen Nottuln einen Platz in der Startelf? 

Schulte: Es ist immer mein Anspruch, von Anfang an zu spielen. Ich habe dafür am Sonntag ein gutes Argument geliefert. Nottuln ist auf jeden Fall ein anderes Spiel, ein deutlich spielstärkerer Gegner als Bockum-Hövel. Letztlich haben wir einen Trainer, der die Entscheidungen trifft.

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