Die Null steht – auch mit 46 Jahren

28.02.2023

Borussen-Keeper Holger Minnebusch

LOKALSPORT EMSDETTEN von Friedhelm Wenning

 

 

Bild: Holger Minnebusch, eigentlich Torwarttrainer der Borussen, hat es immer noch drauf: Am Sonntag hielt der 46-Jährige im Westfalenliga-Spiel der Borussen seinen Kasten sauber, sein Team gewann in Sinsen mit 1:0. 

Was konkret im Sommer zur plötzlichen Trennung von Borussia Emsdetten und Trainer Steffen Molitor geführt hat, haben beide Seiten für sich behalten. Keiner wollte noch mehr Öl ins Feuer gießen. Ein Punkt, der nicht alle begeisterte, war jedenfalls die Verpflichtung von Torhüter Luca Dömer, der die Anzahl der Keeper auf drei erhöhte. Eine Folge dessen, dass sich gegen Ende der Spielzeit 2021/22 Torwarttrainer Holger Minnebusch für Einsätze fithalten musste. Zumal Reservetrainer Bastian Blankemeyer mit Timo Knüppe einen weiteren Torhüter holte. 

So hatten die Borussen in der Hinrunde ein Überangebot an Torhütern. Doch kaum ist Schlussmann NiKlas Kock für ein halbes Jahr an den Borghorst FC ausgeliehen, steht Minnebusch wieder im Brennpunkt. Steffen Molitor dürfte späte Genugtuung empfinden. 

 

Da Dömer verletzungsbedingt die Wintervorbereitung nicht mitmachte, wechselte Minnebusch seine Position Ende Januar 2023, wurde zumindest während des Trainings vom Coach wieder zum Keeper. Als sich Sonntag Lukas Schröder erkrankt abmeldete, musste der 46-Jährige in Sinsen zwischen die Borussen-Pfosten. 

 

Ob es schon mal vorgekommen ist, dass ein Torhüter von seinem Sohn warmgeschossen wurde? Zumindest auf Westfalenliga-Niveau dürfte das am Sonntag ein Novum gewesen sein. Denn Yul Minnebusch (Torhüter der Borussia D I) sorgte vor dem Spiel dafür, dass sein Vater entsprechend vorbereitet in die Partie ging. 

 

Und davon nicht wirklich begeistert war. „Ich habe sogar kurz überlegt, ob ich Lukas anrufe und ihn frage, ob er sich nicht trotz Fiebers ins Tor stellen würde“, erklärte (Holger) Minnebusch nach dem Spiel. Dabei war er umringt von Borussen-Fans, die ihm zu seiner Leistung gratulierten. Schließlich hatte er kein Gegentor zugelassen, war damit einer der Garanten des 1:0-Sieges seiner Elf. 

 

Vorfreude auf die Begegnung hatte Minnebusch nicht: „Es war eher eine Belastung, so viel Verantwortung tragen zu müssen. Es war ja auch sehr eng, wir haben eine Portion Glück benötigt.“ Dabei dachte Holger Minnebusch vielleicht an die Bälle, die er vor der Pause abprallen ließ, was aber kein Sinsener nutzte. „Dabei hatte ich gedacht, dass ich zwar an Reaktionsschnelligkeit eingebüßt habe, aber immer noch sehr fangsicher bin. Ich habe mich aber in der 1. Hälfte nicht wirklich wohlgefühlt. Das hat sich danach geändert.“ Und so wurde Minnebusch in den zweiten 45 Minuten zum immer noch reaktionsschnellen Turm in der Schlacht. 

 

Eines bat Minnebusch „nicht zu schreiben“. Doch, sorry, die Geschichte ist zu schön, um unerwähnt zu bleiben. Und der Angesprochene dürfte es nicht übel nehmen, wenn sie veröffentlicht wird. „Nachdem unsere Ausfälle bekannt waren, und ich wusste, dass ich ins Tor muss, habe ich mit unserem früheren und künftigen Trainer Roland Westers telefoniert. Es ist fast unglaublich, aber er hat gesagt: Ich verwette alles, was ich habe. Ihr gewinnt heute mit 1:0.“

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